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Die Invasion der Barbaren

Die Invasion der Barbaren

OT: Les Invasions barbares
TRAGIKOMÖDIE: Kanada, 2003
Regie: Denys Arcand
Darsteller: Rémy Girard, Stéphane Rousseau, Dorothée Berryman

STORY:

Rémy, drittklassiger Uniprofessor in Montreal, ist schwer krank. Und obwohl seine Familie recht zersplittert ist, überredet seine Frau den Sohn, aus England anzureisen, um sich um seinen Vater zu kümmern.

KRITIK:

Meine erste Assoziation mit diesem Filmtitel war: "Oh Gott, so ein Conan-der-Barbar-mäßiger Film!" Liebe Gleichgesinnte: So kann man sich täuschen! Der Film hat gar nichts mit Ursteirern und deren prähistorischen Verwandten zu tun. Und ja, er ist gut!

Zum einen sieht man hier ein Drama: Der Mann ist unheilbar krank, praktisch im Endstadium. Und die Familie ist alles andere als intakt. Seine Frau und er leben seit Jahren getrennt, da er eine Frauengeschichte nach der anderen hatte. Da ist es auch verständlich, dass es unter seinen beiden Kindern einige Ressentiments gibt. Doch Sohn Sébastien lässt sich dann doch überreden und fliegt mit seiner Freundin über den großen Teich, um seinem Vater die letzte Ehre zu erweisen, ihm ein besseres Krankenzimmer und Heroin für einen schmerzfreien Abschied zu besorgen, natürlich samt attraktiver Junkie-Frau zum Verabreichen der illegalen Substanz.

Ja, ihr habt es gemerkt: Hier kippt der Film dann doch ein wenig ins Bizarre, zumal auch niemand der Angehörigen oder Freunde gegen die etwas eigentümliche medikamentöse Behandlung protestiert oder leise Zweifel verlauten lässt.

Und trotzdem: Man sieht hier eine Komödie. Krankenhauspersonal und Gewerkschafter werden bestochen, um ein besseres Krankenzimmer zu organisieren, bei der Drogenfahndung wird nachgefragt, wo man denn Heroin einkaufen könne. Und die besten Freunde, (Ex-)Freundinnen und Familie versammeln sich um den kranken Mann mit Ablaufdatum. Sie sinnieren über ihre besten Eskapaden, ihre Liebesabenteuer, was durchaus in Obszönitäten endet. Doch die frivolen Dialoge tragen immer den Nachgeschmack einer Melancholie in sich, die das Leben liebt und darum trauert, weil es zu Ende gehen muss.

Und politisch ist der Film auch sehr: Brilliant die Szene mit den ganzen "Ismen", die die ältere Generation so durchgemacht hat, Kretinismus nicht ausgeschlossen. Aber auch die heutigen gesellschaftlichen Missstände finden Beachtung: Kanadas Gesundheitssystem wird kritisiert und die Mitglieder der Gewerkschaft werden als korrupte Bande gezeigt.

Die Invasion der Barbaren Bild 1
Die Invasion der Barbaren Bild 2
Die Invasion der Barbaren Bild 3
FAZIT:

Ein Film über Liebe, Sucht, Loslassen und nicht zuletzt zum Verarbeiten familiärer Probleme, zum Verzeihen und dem Eingeständnis, dass man jemandem vielleicht doch etwas zu Verdanken hat.

WERTUNG: 8 von 10 bezahlten Studenten am Krankenbett
TEXT © Greta
Dein Kommentar >>
harald | 06.11.2006 23:03
vor ein paar jahren im kino gesehen - schön melancholische gesellschaftssatire im stil von 'american beauty' oder 'der eissturm', die nicht eben leichtverdauliche themen wie sterbehilfe erstaunlich unprätentiös abhandelt.
auch von mir 8/10
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