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Die Mchte des Wahnsinns

Die Mächte des Wahnsinns

OT: At the Mouth of Madness
HORROR: USA, 1994
Regie: John Carpenter
Darsteller: Sam Neill, Julie Carmen, Jürgen Prochnow, Charlton Heston

STORY:

Auf der Suche nach dem verschwundenen, geheimnisumwitterten Horror-Romanschreiber und Bestsellerautoren Sutter Caine landet John Trent in seiner Eigenschaft als Sonderermittler einer Versicherungsgesellschaft in der unheimlichen Kleinstadt Hobb's End. Einem Ort, den es eigentlich gar nicht geben dürfte, stammt er doch aus einem von Sutter Caines Romanen. Trent ist nun gefangen in einer Welt, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, Alptraum und Wirklichkeit keine Gültigkeit mehr besitzen...

KRITIK:

Kommt unter Filmfans das Gespräch auf John Carpenter, summt man fast schon instinktiv die ikonische HALLOWEEN-Titelmelodie. Dann redet man über Michael Myers, Jamie Lee Curtis, DIE KLAPPERSCHLANGE, DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT und den NEBEL DES GRAUENS. Freunden des gepflegten klaustrophobischen Kugelhagels kommt natürlich noch der Klassiker ASSAULT ON PRECINCT 13 in den Sinn. Manch einer wirft vielleicht ein, dass GHOSTS OF MARS einfach Scheiße war und man kaum glauben möchte, dass den wirklich Sir John gemacht hat.

Gerne vergessen wird in solchen Fachsimpeleien Carpenters DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS aus den Neunzigern. Das ignorierte Meisterwerk.

Anhand der Story - Dämonisches Treiben um einen mysteriösen Horrorschriftsteller - könnte man zunächst meinen, Carpenter bewege sich auf dem Terrain von Stephen Kings THE DARK HALF oder DAS GEHEIME FENSTER, doch tatsächlich sind DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS eine grandiose Verbeugung vor H.P. Lovecraft. Sozusagen Pickman's Modell, re-arranged by Carpenter. Nur vermischt im Film ein unseliger Künstler nicht auf einer Staffelei Realität und Alptraum, sondern auf Buchseiten. Hier wie dort werden aber Lovecrafts dämonische Götter, die Großen Alten, aus ihrem Schlummer gerissen und wieder auf die Menschheit losgelassen. Das ist auch gut so. In bewegten Bildern geschieht dies sowieso viel zu selten.

Und noch seltener so gekonnt wie in DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS, die ohne Zweifel Lovecraft-inspirierter Horror extrafein sind.

Der Film beginnt schon wie eine typische Geschichte des alten Meisters - mit der Einweisung des völlig verstörten, wahnsinnig gewordenen Hauptprotagonisten in die Irrenanstalt. Im Rückblick erfahren wir dann wie es dazu gekommen ist.

Carpenter macht keinen Hehl daraus, wem er hier die Ehre erweisen will: Nach byzantinischem Vorbild architektierten Höllenkirchen, eine alte Dame namens Pickman, schleimige, tentakelbewehrte Kreaturen und nicht zuletzt der von Jürgen Prochnow gespielte Sutter Caine, der mysteriöse Horror-Romanautor in der Geschichte, welcher freilich nichts Geringeres darstellt als ein monströses Alter Ego von Lovecraft selbst.

Auch wenn manchmal eine ganz feine Spur rabenschwarzer Ironie über allem zu liegen scheint, gelingen Carpenter zwischen den vielen aus Lovecrafts bizarrer Phantasie entlehnten Schrecken eine ganze Reihe exquisiter Alptraumsequenzen, die sehr gekonnt die vermeintlich sichere Realität aus den Fugen heben. Die (Traum-)fahrt Sam Neills und Julie Carmens nach dem unbekannten Hobb's End etwa ist herrlich creepy in Szene gesetzt. Die merkwürdigen Radfahrer auf der nächtlichen Landstraße - sie sind so viel beunruhigender als jedes richtige Monster.

Mit Szenen wie diesen machen sich DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS prächtig in unserer kleinen Nightmare-Movie-Galerie auf Filmtipps. Als ein solches funktioniert der Film vortrefflich. Denn mit Ankunft in Hobb's End, einem Ort, den es eigentlich nur in der Fiktion, nicht aber in der Realität geben dürfte, ist dann wirklich nichts mehr wie es scheint. Es regieren buchstäblich (und nur noch) DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS.

Die Mächte des Wahnsinns Bild 1
Die Mächte des Wahnsinns Bild 2
Die Mächte des Wahnsinns Bild 3
Die Mächte des Wahnsinns Bild 4
Die Mächte des Wahnsinns Bild 5
Die Mächte des Wahnsinns Bild 6
FAZIT:

Irgendwann Mitte der Neunziger hat sich der Master of Horror John Carpenter nicht nur vor seinem literarischen Idol H.P. Lovecraft verbeugt, sondern auch ein exquisites Nightmare Movie geschaffen, welches die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit, Alptraum und Realität gekonnt wie konsequent verwischt. Fast vergessen in der hintersten Ecke von Carpenters Gesamtwerk, im Schatten von HALLOWEEN, THE THING oder DER KLAPPERSCHLANGE entpuppen sich DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS als ein sträflich übersehener Geniestreich.

 

WERTUNG: 8 von 10 an die Kette gelegte Ehemänner
TEXT © Christian Ade
Dein Kommentar >>
Erich H. | 08.12.2013 17:24
Jawoll, ja! Eine würdige Besprechung für einen kleinen Klassiker und einen der wenigen Verfilmungen, die wirklich von sich behaupten können, Lovecraft zu huldigen. Danke.
>> antworten
Flo | 08.12.2013 11:45
Toller Review zu einem grandiosen Film. Einer meiner Lieblingsfilme, der bei der ersten Betrachtung in jungen Jahren eine Wirkung entfaltet hat, die mich bis heute nie mehr losgelassen hat.

Ein unheimliches Meisterwerk mit unendlich vielen kleinen faszinierenden (Lovecraft-)Details & einer einzigartigen Stimmung.
>> antworten
nicky | 08.12.2013 08:48
Oh ja, lang, lang nicht gesehen. Danke, dass du mich an den
Film erinnert hast. Ich finde ihn auch ganz großartig. Gleich mal
wieder anschaun ...
>> antworten


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