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Die Mhle der versteinerten Frauen

Die Mühle der versteinerten Frauen

OT: Il Mulino delle Donne di Pietra
HORROR: ITALIEN, 1960
Regie: Giorgio Ferroni
Darsteller: Pierre Brice, Scilla Gabel, Wolfgang Preiss

STORY:

Ein junger Kunststudent soll in einer flämischen Windmühle ein seltsames Schauspiel begutachten: Die Mühle mahlt nämlich kein Weizen, sondern treibt ein markarbes Karussel aus Figuren im Augenblick ihres Todes an. Und noch mehr Seltames geschieht: eine mysteriöse Frau etwa, die in der Mühle gefangen scheint und unverhohlen an dem Studenten interessiert ist, sich ihm aber zugleich entzieht. Und der ist eigentlich schon verlobt...

KRITIK:

Ein vergessener Klassiker aus dem Gothic-Horror. Dabei kann man bis zur Hälfte des Films nur erahnen, in welche Richtung der Film geht. Bis dahin versteht sich der Film ausschließlich als athmosphärische Beschreibung: Windmühle, Dorfkneipe und wenige Außenaufnahmen gehen in eine beeindruckende Symbiose und vermitteln ein klassisches Gruselszenario. Was geht in der Mühle vor? Welche Rolle hat dieser seltsame Arzt? Und welche Pläne der geheimnisvolle Mühlenbesitzer? Und vor allem: was ist mit der gefangengehaltenen, mysteriösen Schönheit im roten Kleid los?

In der deutlich zu unterscheidenen zweiten Hälfte des Films überschlagen sich dann die Ereignisse und auch die Rätsel werden alsbald gelüftet. Man ist fast etwas enttäuscht, wie simpel eigentlich das Grundgerüst der Geschichte ist, allerdings wird erst dadurch deutlich, wie überragend stilsicher die erste Hälfte aufgebaut ist. Von einem Regisseur, der ansonsten eher in der zweiten und dritten Reihe der italienischen Regiezunft steht und sich sonst nur mit eher unbekannten Sandalen- und Spaghettiwestern auszeichnete, würde man eine solche Arbeit nicht zwingend erwarten. Zudem besteht in manchen Einstellungen eine derartige Nähe zum Bava'schen Stil, dass bis heute die Gerüchteküche verlauten lässt, Bava selbst hätte beim Film Hand angelegt.

Nun lässt sich das heute nicht mehr zweifelsfrei be- oder widerlegen, aber man darf ruhig festhalten, dass es trotz der offensichtlichen Parallelen eher unwahrscheinlich ist. Zum einen gibt es keine wirklich seriöse Quelle - etwa Tim Lucas - die das bestätigt, zum anderen war Bava in der Zeit schon derart eingespannt, dass es allein daran mangelte. Auffallend bleibt aber die expressionistischen Athmosphäre des deutschen Stummfilms des Films, die auch Bava als Orientierung diente.

Der Mühlenbesitzer etwa ist ein enfernter Verwandter DR. MABUSE. Das Innere der Windmühle selbst mit seinen verkeilten Wänden erinnert nicht von ungefähr an das Design von DAS CABINET DES DR. CALIGARI, und überhaupt ist es ja vom Jahrmarkt in Caligaris Kleinstadt nicht weit zum Karusell der Windmühle. Die bedrückende, verlassene Atmosphäre der hiesigen Kleinstadt atmet zudem deutlich die der Stadt aus DER GOLEM WIE ER IN DIE WELT KAM.

Die Mühle der versteinerten Frauen Bild 1
Die Mühle der versteinerten Frauen Bild 2
Die Mühle der versteinerten Frauen Bild 3
Die Mühle der versteinerten Frauen Bild 4
FAZIT:

Gothic Horror in Reinkultur, inhaltlich ein echter Klassiker, optisch unglaublich ansprechend. Karl Freund, die altehrwürdige Kameraeminenz des deutschen Stummfilms, hätte jedenfalls seine Freude gehabt - jedes Bild ist ein Juwel, welches geschickt das Geheimnis der Mühle zudeckt. Und über das Rätsel, ob nun Bava hierfür verantwortlich war oder nicht, dürfen wir weiter nur mutmaßen.

WERTUNG: 8 von 10 brennenden Windmühlenflügel
TEXT © Marcel
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Chris | 04.08.2010 18:19
Jops, ein schöner Film. Und nicht zu vergessen: Winnetou macht mit! : )
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