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Die Schndung der Dame des Hauses

Die Schändung der Dame des Hauses

OT: Oniroku's Personal Diary
SOFTPORNO/MöCHTEGERNPINK: Japan, 1999
Regie: Nobuyoshi Sasaki
Darsteller: Oniroku Dan, Hitomi Yamazaki, Higashi Yamamoto,....

STORY:

Oniroku Dan ist einer der bekanntesten SM-Autoren Japans. In diesem Film führt er tagebuchartig durch zwei seiner Geschichten.

KRITIK:

"Hey, Ralph!" - "Ja?" - "Du hast doch heute eine neue DVD geschickt bekommen?" - "Ja." - "Was ist es denn?" - "Die Schändung der Dame des Hauses". - "Jaja, sehr witzig. Also was ist es?" - "Die Schändung der Dame des Hauses." - "Bist du heute wieder lustig. Also was ist es...."

Das war mein Mitbewohner.

"Was ist denn das?!!!!" - "Äh, was meinst du?" - "Du weißt genau, was ich meine." -"Oh. Das. Äh. Das ist ein, äh..., Pinkfilm. Das ist so ein japanisches Kunstfilmgenre wo philosophische Diskurse auf erotische Beziehungen übertragen werden." - "Na, dann können wir uns das doch gleich ansehen." - "Nein, das muss ja nicht sein. Ich glaube nicht, dass dich das interessiert...."

Das war meine Freundin.

Ich weiß, ich weiß, es ist erstens furchtbar unseriös und zweitens oute ich mich damit wahrscheinlich als schrecklich verklemmt, aber es ist mir furchtbar peinlich über diesen Film eine Kritik zu verfassen. Vor allem aus dem Grund, weil das Internet nicht vergisst. Irgendwann in vielen Jahren, wenn ich mich einmal durch Großmäuligkeit, Sesselkleberei, Korruption, Freunderlwirtschaft und Größenwahn für eine wichtige Position empfohlen haben werde, wird irgendjemand diesen Text zu "Die Schändung der Dame des Hauses ausgraben". Der FPÖ-Bundeskanzler und sein NPÖ-Vize werden mir Volksschändung und moralischen Bankrott vorwerfen und der Parteistratege Kickl wird aus seiner Pension heraus unter Bezug auf Wolf Martin sein gloreiches Comeback mit dem Reim: "Der Zlabinger ist Türkenpack/Dem hauen wir ihm die Rübe ab" feiern. Karriere adé. Wütender Mob, hallo.

Als dieser Film mir zur Rezension "angeboten" wurde, hieß es, das sei ein Pink-Film. Da dachte ich natürlich sofort an die legendäre Sasori-Reihe, an The Glamorous Life of Sachiko Hanai oder The Strange Saga of Hiroshi the Freeloading Sex Machine, alles - mehr oder weniger - großartige, herrlich schräge und leicht verdauliche Filme, die philosophische und gesellschaftskritische Ansätze in avangardistische Formen pressten und mit Erotik und Exploitationelementen mischten. "Die Schändung der Dame des Hauses" ist nur leider kein Pink-Film. Also zumindest nicht in der Form, wie ich dieses Genre verstanden und lieben gelernt habe. Dass also Movie News von einem "erotischen Meisterwerk von Star-Autor Oni Roku" schreibt halte ich also für einen Etikettenschwindel. Wahrscheinlich ist das bezogen auf die Geschichten, die adaptiert wurden, wo man vermutlich mehr über das Seelenleben der Charaktere erfährt.

Bei der vorliegenden, stark beschnittenen Verfilmung werden nur die ausgetretenen Genrepfade der Softerotik beschritten, die mittlerweile so überholt sind, dass sich nicht einmal mehr die für ihr ausgeszeichnetes Programm bekannten TV-Sender RTL 2 und VOX damit schmücken. Das heißt: Es gibt keine Handlung. Der Film besteht nur aus Sexszenen. Zwei oder mehrere Menschen treffen sich in einem Raum, es wird eine Art sexueller Hierarchie gebildet und dann werden Befehle erteilt und befolgt, und jeder genießt fortan seine eng gesteckte Rolle, sei es als "Befehlsgeber", "Vollstrecker" oder "Opfer".

Es wird fröhlich gefesselt, zum Sex mit Fremden gezwungen und bis aufs Äußerste gereizt. Das wars auch schon. Wer also wie die Kollegen von filmreporter.de meint "der Film bewege nah an der Grenze des Zumutbaren und dürfte nur für Fans des Genres ertragbar sein" hat entweder einen anderen Film gesehen, oder ist im Nonnenkloster aufgewachsen.

Sprichwörtlich natürlich, wir wissen ja, dass die Realität in den meisten Klöstern anders aussieht. Der Film böte also grundsätzlich einen hochinteressanten Blick auf die menschliche Psyche, auf Bedürfnisse und Empfindungen. Man erfährt durch solche Konstellationen und Rollenspiele viel über sich und andere. Und außerdem muss man ihm zugute halten, dass er keine Klischees der SM-Szene bedient. Hier geht es um normale Menschen, falls es solche denn gibt. Aber ganz ehrlich: Wer anpruchsvolle Erotik sucht oder mehr über die SM-Szene erfahren möchte, wird hier nicht wirklich bedient. Wer nach einer Masturbationsvorlage lechzt, kann aufs Internet zurückgreifen.

Wer also soll sich diesen Film zulegen? Die Zielgruppe sind wahrscheinlich internetaverse SM-Liebhaber. Andrerseits ist es wahrscheinlich für ein gemeinsames Schäferstündchen anregender eine DVD einzulegen als Youporn aufzurufen. Aber lieber Leser, du weißt bestimmt am besten, was du mit diesem Film tun würdest. ;-)
P.S.: Erschienen am 30. März 2012 beim DVD-Label Pierrot Le Fou. Keine Extras.

Die Schändung der Dame des Hauses Bild 1
Die Schändung der Dame des Hauses Bild 2
FAZIT:

Die Schändung der Dame des Hauses ist leider nicht mehr als ein billiger (weil beschnittener) Softporno, der natürlich, sofern man dazu in der Stimmung ist (und vor zwanzig Jahren gelebt hat, also bevor man im Internet per Mausklick zu jeder Zeit kostenlos auf wesentlich qualitativere Erotik und Pornografie zurückgreifen konnte) eine Art Einstieg in die Sadomasoszene bieten könnte, ein Zugeständnis, welches aber aber nur von einem sehr wohlwollenden Kritiker gemacht werden kann, der einfach nicht anders kann als überall etwas hineinzuinterpretieren. Daher nicht wirklich empfehlenswert.

WERTUNG: 3 von 10 Sexszenen
TEXT © Ralph Zlabinger
Dein Kommentar >>
Andreas | 20.04.2012 11:13
widerlich der herr zlabinger. was sich der wieder ansieht! das muss ich gleich überall verkünden.

na, ganz im erst: super funny kritik!

es gibt leider sehr viele japanische filme dieser art. vermutlich muss man wohl mehrere hundert davon sehen, damit man darin irgendeinen metaphilosophischen kunstanspruch finden kann. und ja, das kann auch eine gute ausrede sein.

dennoch: nur weil es ein paar wenige wirklich gute pink eiga filme gab / gibt, versuchen tausende von machwerken in diesem fahrwasser einen anspruch davon abzuleiten, sodass niemand sie als schund zu bezeichen wagt. das meiste ist aber in wahrheit grottenschlecht. diese kritik könnte man also wohl auch auf hunderte andere werke copy und pasten.

das finden der cineasischem perlen in diesem trivial-sex-sau-stall überlasse ich dem kollegen ade. das spart mir haarausfall und beschert mir mehr zeit mit ein paar richtig guten pornos, äh, will sagen: kunstfilmen.
Ralph | 20.04.2012 20:50
Und ich dachte immer Pink its eine "gemahde Wiesn".
>> antworten
Johannes | 20.04.2012 08:12
Mönsch Ralph, sone Kritik und das von dir! ^^
Ralph | 20.04.2012 20:49
Hier und da kann man ja seinen Horizont erweitern. Oder auch nicht.
>> antworten
Harald | 19.04.2012 22:38
Hehe, der Kickl-Reim made my day.
Und, habt ihr Euch den Film dann gemeinsam angesehen? *sfg*
Ralph | 20.04.2012 20:49
Ein Gentleman schweigt und genießt... ;-)
Züm | 06.05.2012 22:23
:))))
>> antworten


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