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Die Spur des Fremden

Die Spur des Fremden

OT: The Stranger
THRILLER: USA, 1946
Regie: Orson Welles
Darsteller: Orson Welles, Edward G. Robinson, Loretta Young, Philip Merivale

STORY:

Der zweite Weltkrieg ist vorbei. Jetzt macht sich eine Kommission der Alliierten daran Nazikriegsverbrecher zu suchen. Detektiv Wilson (Edward G. Robinson) lässt den ehemaligen KZ-Kommandanten Konrad Meinike laufen, um sich an seine Fersen zu heften. Er verspricht sich davon den Edelnazi Franz Kindler aufzuspüren. In einem kleinen Kaff in Connecticut wird er fündig ...

KRITIK:

Von diesem Film sagte Orson Welles bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass es sein schlechtester wäre. Aber da musste er als wahrer Künstler ja tun, denn es war sein einziger erfolgreicher Film als Regisseur, so auf die Art "dumm genug für das Publikum".

Andererseits, ein schlechter Orson Welles ist vielleicht immer noch weit überdurchschnittlich im allgemeinen Vergleich. Und, natürlich, wenn ein Film von und mit Orson Welles ist, dann sind die Erwartungen schon sehr hoch. Die Spur des Fremden kann sich natürlich nicht mit Citizen Kane messen, ist aber dennoch ein spannender Thriller geworden, und das auch noch im Jahre 2011, wo dieser Film, der wirklich unmittelbar nach dem Ende des zweiten Weltkrieges fertiggestellt wurde, immerhin schon 65 Jahre auf dem Buckel hat.

Welles Genie als Regisseur und Darsteller kann man auch in letztlich weniger meisterhaften Werken sehen. Dieser "Opa"-Film fetzt nämlich gewaltig. Und die beiden charismatischen Hauptdarsteller tun ihr übriges um die Laufzeit zu einem Vergnügen zu machen. Orson Welles ist einfach einer der Schauspieler, die schon Spannung erzeugen, wenn sie nur das Gesicht verziehen. Und mit ganz ähnlichen visuellen Tricks wie in Citizen Kane erscheint er auch hier als überlegene und unheimliche Person. Die Kamerawinkel sind immer so gewählt, dass er die größte Person im Raum ist und seinen unheilvollen Schatten wirft.

Aber auch Edward G. Robinson lässt sich als klassischer Schnüffler nicht unterkriegen und verfolgt eigenwillig und unbeirrbar, fast schon in Columbo-Manier seinen Widersacher, bis es zum aus heutigen Augen süßen, damals aber sicher spektakulären Showdown kommt.

Das Spannungskonzept erinnert übrigens stark an Hitchcock. Ganz im Sinne nach dessen klassischer Suspense-Theorie steht schon relativ früh fest wie der Hase läuft. Wir wissen, dass Franz Kindler hier untergetaucht ist, wir wissen, dass er sich das Vertrauen seiner Mitmenschen erschlichen hat, wir wissen, dass er sogar verheiratet ist. Die Frage lautet also wie man es ihm beweisen kann und wie seine neue Familie und Dorfmitbewohner mit der schrecklichen Wahrheit umgehen werden. So ist für reichlich Spannung gesorgt.

Was man dem Film jetzt noch vorwerfen könnte, ist, dass er ein bisschen die politische Brisanz seines Themas zugunsten einer straffen Inszenierung als Kriminalfilm aufgibt. Aber immerhin, war dies der erste Spielfilm, der Originalaufnahmen aus den deutschen KZs zeigte. Ob das reiner Effekt oder Mittel zur Aufrüttelung des Publikums war, vermag ich aber nicht zu sagen.

Erschienen auf DVD bei Eurovideo.

Die Spur des Fremden Bild 1
Die Spur des Fremden Bild 2
Die Spur des Fremden Bild 3
Die Spur des Fremden Bild 4
Die Spur des Fremden Bild 5
FAZIT:Orson Welles "Die Spur des Fremden" ist ein kleiner, feiner Krimi im Stil des Film Noir, der mit grandiosen Schauspielern und visueller Wucht die Geschichte der Festsetzung des Nazikriegsverbrechers Franz Kindler schildert. Und das lange bevor der Öffentlichkeit bekannt war, dass die Amerikaner gerne mit diesen Herren zusammengearbeitet haben, um ihre Position im Kalten Krieg zu verbessern. Kein Meisterwerk, aber ein vergnüglicher Krimi, der trotz seines Alters hervorragend zu unterhalten versteht.
WERTUNG: 8 von 10 Aufziehuhren
TEXT © Ralph Zlabinger
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