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Die Tote von Beverly Hills

Die Tote von Beverly Hills

SATIRE: DEUTSCHLAND, 1964
Regie: Michael Pfleghar
Darsteller: Heidelinde Weis, Klausjürgen Wussow, Horst Frank, Wolfgang Neuss

STORY:

Ein Jäger findet in den Hollywood Hills (!) die Leiche der schönen Lu. Obwohl er sie kennt, erkennt er sie nicht wieder (!). Doch er ist nicht der erste, der über die Leiche stolpert, denn zuvor war da sein Freund und Detektiv (!), der schon ihr Tagebuch gefunden hat, welches vermutlich den wahren Mörder entlarvt - und nebenbei Lu's Liebesleben und ihre Faszination für alte Männer entblättert.

KRITIK:

Michaels Pfleghars Film ist vermutlich einer der Sorte, über die man besser schreiben kann, bevor man sie gesehen hat. Denn hinterher ist es deutlich schwerer, ihn in Worte zu fassen, dazu ist das Werk einfach zu ungestüm in seiner Bilderstürmung, während es sich zugleich in seiner eigenen, altmodisch verklemmten Art verstrickt.

Pfleghar, das Wunderkind des Fernsehens, der Macher von Klimbim, suchte sich für sein Kinodebüt den 1951 erschienene, gleichnamigen Roman von Curt Goetz aus, der diesen mit dem Untertitel "Satire auf einen Bestseller" ausstattete und damit das Programm vorgab. Was im Roman (vermutlich) noch einigermaßen sinnig erzählt wird, ist hier aber nicht mehr als eine Schablone, bei dem das Ende an den Anfang gestellt wird, die Logik Purzelbäume schlägt, Ursache und Wirkung die Plätze wechseln und frisch fromm fröhlich frei mit den Erwartungen des Zuschauer Schabernack getrieben wird.

Das funktioniert eine Weile ganz hervorragend, aber dann erinnert sich Pfleghar, dass er ja irgendwann einmal doch eine Geschichte erzählen möchte und um eine gewisse Chronologie auch nicht herum kommt. Und fortan war's das mit der Fröhlichkeit. Plötzlich sind wir mittendrin im bundesdeutschen Moralmief der 50er Jahre, die er doch eigentlich entstauben wollte. Da gibt es einen alternden Lohengrin-Sänger, der dem süßen Fratz Lu verfällt, einen kaum jüngeren Untersuchungsrichter, der den Vorgang klären soll, und einen Archäologen, dessen Alter sich von seinen ausgegrabenen Sachen nur um Nuancen unterscheidet und der Lu vom Fleck weg heiratet.

Natürlich ist das alles überzeichnet und auch entsprechend gedreht. Horst Frank gibt einen sensationellen Lüstling ab, aber der ist ja eigentlich immer sensationell. Der Archäologe gräbt mit dem Bagger für Lu sogar ganze Schneisen in die Landschaft, quasi als Libidoersatz. Nur sind die Skandale von damals heute keine Schlagzeile mehr wert, sofern alles im gegenseitigem Einverständnis geschieht. Das Geschehen auf der Leinwand wird somit ausgesprochen unaufregend.

Bewegung kommt erst wieder ins Spiel, nachdem sich Pfleghar von der Geschichte wieder löst und seinem Sinn für Eleganz und Erotik freien Lauf lässt. Wer's denn nun war, interessiert sowieso keinen, und wer's wissen will, dem wird es zu Beginn des Films sogar verraten. Dafür arrangiert Pfleghar in der letzten halben Stunde Bilder und Situationen, die ihresgleichen erst mal suchen müssen, und die für sich genommen schon komisch sind, ohne dass man mit Überzeichnungen nachhelfen muss.

Da wäre vor allem die Poolparty, die den Begriff wörtlich nimmt. Wenn Heidelinde Weis in ihrem atemberaubenden, kleinen Schwarzen samt High Heels und Cocktailglas in den Pool steigt, ist das ein Bild, welches man sich einfach mal ins Wohnzimmer hängen möchte. Und niemand wundert sich, wenn sie trocken (!) dem Pool wieder entsteigt. Da sind die Kessler-Zwillinge, die tatsächlich anfangs als Engel (mit Flügeln!) die Filmszene betreten und zum Schluss mit ihren ausgefallenen Schukreationen und einer Schachtel Pralinen die Welt des Kinos um eine der absurdesten Verfolgungsjagden bereichern. Und da ist dieses hemmungslos verspielte Tennismatch, drei Vollidioten, die archaisch ermitteln wollen, wer denn nun das Weib als Trophäe verdient.

Die Tote von Beverly Hills Bild 1
Die Tote von Beverly Hills Bild 2
FAZIT:

Jahre vor dem Klamauk mit Klimbim entführt Pfleghar den deutschen Film in einen bunten Reigen voller verrückter, optisch hinreißender Einfälle und skurrilen Szenenabfolgen, die nur eines im Sinn haben: Den Zuschauer aus seinen Sehgewohnheiten zu reißen. Was ihm formal zweifellos gelingt, bleibt aber inhaltlich oftmals stecken, und damit ist DIE TOTE VON BEVERLY HILLS ein Film, der zwischen Extremen, zwischen Ekstase und Langeweile pendelt.

WERTUNG: 7 von 10 Detekteien in Rohbauten eines Hochhauses
TEXT © Marcel
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