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Die Verachtung

Die Verachtung

OT: Le mépris
DRAMA: FRANKREICH, 1963
Regie: Jean-Luc Godard
Darsteller: Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Fritz Lang

STORY:

Sommer an der Riviera. Die Dreharbeiten zum Alterswerk von Fritz Lang werden immer wieder unterbrochen, weil der launische, amerikanische Produzent das Konzept nicht versteht und Änderungen wünscht. Dazu engagiert er einen Drehbuchautor Paul (Michel Piccoli), der unsicher ist, ob er Langs Kunstwerk tatsächlich den Wünschen des Produzenten entsprechend umschreiben soll. Die Entscheidung ist umso härter, da seine Ehefrau Camille (Brigitte Bardot) sich plötzlich von ihm abwendet

Camille beginnt ihren Mann zu verachten, als der aufhört, ein - wie sie sagt - Mann zu sein. Er will es im Prinzip seiner Frau so recht wie möglich machen, ihr ein Appartement finanzieren und das Geld hierfür durch eine Auftragsarbeit reinholen. Doch damit verkauft er sein Ideal, ein Theaterschriftsteller zu werden, und als der Produzent auch noch ganz unverhohlen einen Flirt mit seiner Frau anfängt, schweigt er und lässt ihn gewähren, um den Auftrag nicht zu gefährden.

KRITIK:

Eine also im Prinzip banale Geschichte über Eheprobleme, eingebettet aber in grundsätzliche Fragen, inwieweit wir für Geld unsere Ideale verkaufen, inwieweit wir unseren Partner verstehen, inwieweit wir überhaupt etwas von Liebe verstehen. Tiefe findet diese Geschichte erst dadurch, dass sich diese grundlegenden Fragen bei allen Personen in der einen oder anderen Form stellen.

Etwa sieht man auf einer weiteren Ebene Fritz Lang als altersweisen Regisseur, der den Wutausbruch seines Produzenten gelassen über sich ergehen lässt und einfach nur milde lächelt. Ihm ist klar, dass sich Hollywoods kommerzielle Interessen mit seinen künstlerischen Ansprüchen nicht vertragen, und auch er sich irgendwann verkaufen muss, um den Film zu beenden, der bezeichnenderweise eine Verfilmung von Homers "Odyssee" ist.

Fritz Lang ist dabei natürlich Godards väterlicher Alter Ego. Und so erlebte Godard, wie exakt das Szenario, das der Film beschreibt, am Set Realität wurde. Die Produzenten zwangen ihn, eine Nacktszene mit der Bardot zu drehen. Dennoch ist gerade diese Szene eine von vielen, die sprachlos machen, und sie wurde durch ihre tiefrote Farbgebung und gewagte Sprache (die in der deutschen Synchro etwas entschärft wurde) eine der schönsten Liebesszenen der Filmgeschichte.

Das Spiel mit dem Film-im-Film bekommt dabei noch eine weitere Film-im-Film-Ebene: in der ersten Einstellung, dem (gesprochenen) Titelvorspann, sieht man, wie ein Filmteam eine Szene dreht - eine Szene, die nachher im Film ohne sichtbares Filmteam fortgesponnen wird. Und wenn Fritz Lang seine letzte Einstellung für die "Odyssee" dreht, ist das auch gleichzeitig das Ende Godards Film.

Bis dahin folgt Godard einer strengen Farbkomposition. Die Atmosphäre, ja das ganze Setting wird reduziert auf die Grundfarben Gelb, Rot und Blau. Das gibt ihr - je nach Bedarf - etwas warmes, sinnliches oder auch sehr kühles. Und das bewahrt den Film auch davor, zum reinen Kopfkino zu kommen. Immer wieder sind es die Bilder, die zusammen mit der melancholischen Musik für einen Hormonrausch beim Zuschauer führen, und immer wieder betont Godard, dass ihm diese Emotionen wichtiger sind als irgendwelche geistreichen Dialoge. Die nämlich werden oft genug von der Musik in voller Absicht überdeckt.

Die Verachtung Bild 1
Die Verachtung Bild 2
Die Verachtung Bild 3
Die Verachtung Bild 4
Die Verachtung Bild 5
Die Verachtung Bild 6
FAZIT:

Der Sommerfilm für Cineasten. Godard schwelgt zu Delerues elegischer Musik in hochästhetischen Breitwandbildern, lässt die Bardot nackt baden, ihre Ehe kriseln und philosophiert über das Filmemachen.

WERTUNG: 9 von 10 griechischen Göttern auf Capri
TEXT © Marcel
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Vorname Carmen
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EXPERIMENTALFILM: F, 1983
7/10
Eloge de l'Amour
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FILMGEDICHT: F, 2001
9/10
Dein Kommentar >>
Ralph | 22.08.2010 12:41
Tolles rievew. Danke, einer meiner Lieblingsfilme.
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