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Die fetten Jahre sind vorbei

Die fetten Jahre sind vorbei

KOMÖDIE, THRILLER, DRAMA: D, 2004
Regie: Hans Weingartner
Darsteller: Daniel Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg

STORY:

"Die Erziehungsberechtigten". Unter diesem Kampfnamen brechen Peter und Jan, beide Anfang 20 und weiter links als die Polizei erlaubt, in Berliner Luxusvillen ein. Ihr Ziel: Den Reichen Angst zu machen, denn "Die Ausbeuter sollen sich in ihren Villen nicht mehr sicher fühlen." Gestohlen wird allerdings nichts, lediglich ein Chaos angerichtet und Flugblätter wie "Du hast zuviel Geld" hinterlassen. So weit, so lustig. Als sie jedoch von einem Villenbesitzer ertappt werden, geraten sie in Panik und entführen ihn kurzerhand. Und damit fängt das Chaos erst richtig an.

KRITIK:


"Wer unter dreißig und nicht links ist, hat kein Herz" - heißt es im Film einmal. Und tatsächlich könnte sich die "Mir is alles wurscht"-Generation von den Protagonisten dieses Films eine Scheibe abschneiden: Nämlich wenn es um politisches Bewusstsein, Idealismus und den Willen, Dinge zu verändern geht. Lauter Fremdwörter für die meisten Menschen, ich weiß eh ;-)

Darum in aller Kürze: "Die fetten Jahre sind vorbei" ist ein weiterer Beweis, dass Kino aus Deutschland zugleich unangepasst und kritisch als auch spannend, witzig und unterhaltsam sein kann.

Daniel Brühl und seinen Mitstreitern nimmt man die überzeugten, bisweilen in Fanatismus abdriftenden Kämpfer für eine gerechtere Welt jede Sekunde ab. Und dennoch kommt der Film ohne Pathos und ohne erhobenen Zeigefinger aus, wird niemals zu einer verkrampften Moralpredigt. Dieses Kunststück schafft wohl nur ein Regisseur, der die linke Szene sehr gut kennt und unbeschönigend, ohne romantische Verklärung auf die Leinwand bringt.

Die ausgiebige Verwendung der Handkamera sorgt dabei für eine unmittelbare Authentizität, so dass man sich als Zuseher stets wie mitten im Geschehen fühlt.

Die Message ist allerdings ernüchternd: Die Möglichkeiten zur Veränderung sind leider beschränkt; die Zeit der großen Rebellionen scheint vorbei. Das wird unseren klassenkämpferischen Helden spätesten dann bewusst, als sich ihr millionenschweres Entführungsopfer als Alt-Achtundsechziger entpuppt.

Dennoch: Solange kritische und politisch waches Filme mit dem Herz am rechten - pardon - linken Fleck in unsere Kinos kommen (und auch noch in ordentlicher Stückzahl), ist diese Welt noch nicht ganz verloren :-)

FAZIT:

Deutsche Film machen mir langsam Angst - im positiven Sinne: Nach "Gegen die Wand", "Muxmäuschenstill" und "Sommersturm" ein weiterer intelligenter und spannender Filmtipp aus deutschen Landen.

WERTUNG: 8/10
Dein Kommentar >>
Johannes | 06.09.2005 22:50
eine Gute Idee, viel Mut und schlechte Recherche machen diesen Film zu einem alternativen Überflieger, der es letztendlich doch nicht schafft abzuheben: 5 von 10 Punkten
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