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THRILLER: USA, 2012
Regie: Henry Alex Rubin
Darsteller: Jason Bateman, Hope Davis, Frank Grillo

STORY:

Wir schreiben das zweite Jahrzehnt des bereits jetzt so technikversessenen 21. Jahrhunderts. Dementsprechend sieht auch der Alltag der Menschen aus. Da ist zum Beispiel der Ex-Cop und jetzige Cyberdetektiv Mike Dixon, der durch eine tragische Krankheit seine Frau verloren hat, und nun mit spielerischer Strenge versucht seinen Sohn nicht an die Faszination der Technik zu verlieren. Oder die ehrgeizige Journalistin Nina Dunham, die einen Pornochat-Ring aufdeckt und sich in einen der Jungs verliebt. Die Eltern Rich und Lydia Boyd wiederum sind so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie gar nicht merken, wie ihr Sohn immer heftiger cyber-gemobbt wird. Und Cindy und Derek Hull erst! Die beiden haben ihren Sohn verloren. Ebenfalls durch eine tragische Krankheit, wie es scheint. Während er nun sein Geld beim Onlinepoker verzockt, flüchtet sie sich in Selbsthilfechats. All ihre Daten werden gestohlen, sie versinken in Schulden und wollen nun auf eigene Faust den Onlinekriminellen stellen ...

KRITIK:

In Zeiten des allgegenwärtigen Gebrauchs der digitalen Medien findet sich nun endlich auch ein Film, der sich des Themas ernsthaft annimmt. Ganz im Stil von dem großen L.A. Crash (der etwas schlecht gealterte Short Cuts soll hier keinesfalls erwähnt werden) werden die einzelnen Handlungsstränge kunstvoll ineinander verwoben, ohne dabei jemals gestelzt zu wirken. Gerade bei der wohl gelungensten Erzählung um das Ehepaar Hull zeigt sich, dass das Drama in diesem Film niemals vorprogrammiert ist, sondern aus heiterem Himmel über die Protagonisten hereinbricht. Jeder kann ein Opfer von Onlinekriminalität werden, das bringt der Film deutlich zu Bewusstsein. Und die Ohnmacht mit der man dann dasteht ist erschreckend.

Durch einen großartigen, niemals bedrängenden Score spitzt sich alles immer mehr zu und erschreckenderweise spürt man immer deutlicher, dass alles auf ein tragisches Ende hinauslaufen wird (und muss). Ein großartiger und hochaktueller, vor allem aber ein mutiger Film, der seinem selbstauferlegten Anspruch in jeder Weise gerecht wird. Unbedingt ansehen!

Jetzt aber mal langsam!

Wir sind hier ja nicht bei irgendeinem mittelmäßigen Feuilleton! Das hätte er gern so gehabt, der Henry-Alex Rubin. Viel eher hätte er stattdessen einen Punch auf seine Nase verdient, dafür dass er mir 111 Minuten (gefühlte dreieinhalb Stunden) meines Lebens gestohlen hat. Bereits nach zwanzig Minuten hat man folgende Einstellung ungefähr fünfzig Mal gezählt: in einem dunklen Raum eine Großaufnahme von einem beliebigen, neuzeitlich smarten Technikgerät, dann ein langsamer Schwenk auf den User, der lediglich von bläulichem Flimmerlicht bestrahlt wird, und mit hängendem Kopf vollkommen vertieft in die Zauberwelt der Digitalität ist. Und der Zuschauer ahnt so langsam: hier muss es wohl um das brisante Spannungsverhältnis von Mensch und Maschine gehen! Nun ja.

Erwartungsgemäß schleppt sich alles so dahin. Gerade aber als man sich durchgerungen hat den Mist endlich abzuschalten (es ist einer der Weihnachtsfeiertage und der Wille ist schwach, man überlegt hin und her ob man jetzt wirklich von der Couch aufstehen soll), zieht der Film seine Spannungsschraube an. Man denkt sich natürlich sogleich, dass da wirklich noch was kommen könnte. Man freut sich auch ein bisschen über Frank Grillo, der zwar anscheinend in noch keinem sehenswerten Film mitgespielt hat, aber dessen Gesicht dennoch schön markant ist.

Übrigens das Härteste im ganzen Film, seine Gesichtszüge.

So sinniert man vor sich hin und die Minuten verrinnen. Unversehens und leicht hirngelähmt bleibt man also bis zum Schluss. Ein schwerer Fehler. Gerade als man dachte, man hätte sich jetzt ein bisschen tragische Action auch verdient, passiert schon wieder, naja, rein gar nichts. In einer unsäglichen Zeitlupe werden alle Enden zusammengeschnitten, das Ganze von einer noch viel unerträglicheren Musik übertönt. Ein Film ohne jedwedes Taktgefühl. Spoiler hin oder her, aber da ich nicht will, dass es jemand wie mir geht und er auf ein anständiges Ende hofft: sterben tut rein gar niemand und eigentlich ist alles genauso wie am Anfang des Films. Bis auf einen der im Koma liegt. Aber der ist so ein Abklatsch von einem Außenseiter, dass der leider gar nicht zählt. Und wer jetzt eine richtige Rezension haben will, setzt bitte seine Gedankenkraft ein und übersetzt den zweiten Abschnitt in sein genaues Gegenteil. Vor allem übrigens der Satz über Short Cuts. Vielen Dank.

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FAZIT:

Ein Film, der mir noch immer wie ein Stein im Magen liegt. Es ist immer schwer, wenn man erkennt, dass man sein Leben für zwei Stunden vergeudet hat. Da hätte man vielleicht doch besser ein Nickerchen gemacht. Wegen Frank Grillo, einer Journalistin die irgendwie recht sexy ist und einem gut zehnminütigem spannenden Stück irgendwo in der Mitte des Filmes, vergebe ich noch höchst objektive

WERTUNG: 4 von 10 iPads, die ich dem Regisseur an die Stirn knalle
Gastreview von Bruno
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