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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Eden and After

Eden and After

OT: L´éden et après
DRAMA/EROTIK/MYSTERY: Frankreich, Tsc, 1970
Regie: Alain Robbe-Grillet
Darsteller: Catherine Jourdan, Pierre Zimmer, Richard Leduc, Lorraine Rainer

STORY:

Das "Eden" ist ein Café in Paris, das überwiegend von Studenten besucht wird. Diese betreiben verschiedene abseitige und nihilistische Spiele und Rituale, um sich ihre Langeweile zu vertreiben. Eines Tages erscheint dort ein geheimnisvoller Fremder (Pierre Zimmer), der die schöne Violette (Catherine Jourdan) dazu verleitet eine halluzinogene Droge zu nehmen. Daraufhin hat Violette einen Angsttraum, in dem sich Gewalt und Erotik zu bizarren sadomasochistische Szenerien vermengen. Das "Danach" aus EDEN AND AFTER ist Tunesien, ist eine Dopplung, könnte auch ein "Davor" oder "Daneben" sein...

KRITIK:

Alain Robbe-Grillet ist ein Schriftsteller ("Der Augenzeuge"), der die LIteraturströmung des Nouveau Romans mit ins Leben rief. Später wurde er als Schöpfer des ebenso kryptischen, wie genialen Drehbuchs zu Alain Resnais Klassiker LETZTES JAHR IN MERIENBAD (1961) auch in der Filmwelt bekannt. Doch bis heute kennt kaum jemand, die zehn Filme (TRANS-EUROP-EXPRESS, SLOW SLIDINGS OF PLEASURE, DIE SCHÖNE GEFANGENE), die Robbe-Grillet später als Regisseur zu verantworten hatte. EDEN AND AFTER (1970) war sein erster Farbfilm. Zuvor hatte Robbe-Grillet sich lange geweigert in Farbe zu drehen. Schuld war seine Abneigung gegen die Wirkung, welche die Farbe Grün auf der Leinwand im Zusammenspiel mit anderen Farben hatte...

EDEN AND AFTER ist ein filmisches Gedicht, die Visualisierung eines wilden Drogenrausches und bizarrer sexueller Fantasien. EDEN AND AFTER ist so kühl, intellektuell und distanziert, wie Godard und zugleich so feinfühlig, verspielt und surreal, wie Buñuel. EDEN AND AFTER verbreitet das Aroma gediegener Langeweile und ist zugleich ein Synonym für reine filmische Ekstase. EDEN AND AFTER ist die adäquate filmische Entsprechung zu dem Nouveau Roman, ist reiner nichtnarrativer Strukturalismus, besteht in einer endlosen Abfolge und Variation von Symbolen, die letzten Endes nur auf sich selbst verweisen. EDEN AND AFTER ist was übrig bleibt, wenn der Sturm der Studentenproteste der 68er vorüber ist und die Studenten noch immer da sind. EDEN AND AFTER spielt in der Gegenwart und zugleich in einer zeitlosen Welt quasi-platonischer Symbole.

Das "Danach" das ist wie gesagt Tunesien, ist eine Zweiteilung und Verdopplung des Films und dessen Handlung, die nichts erzählt, aber vieles zeigt: das Männliche und das Weibliche, Widerstreit und Vereinigung, Lust und Mord, Dominanz und Unterwerfung, Sadismus und Masochismus, Europa und Afrika, das Rationale und das Verträumte, das Dekadente und das Ursprüngliche, Banalität und Erhabenheit, Kunst und Kloake, Kaffee und Halluzinogene, das Sehnen und das Ankommen, die Dopplung und die Variation, sexy Frauen und distanzierte Männer, das Lineare und das sich im Kreis drehende, gallertartige Masse und Wannen voll Blut, ein Konzept und seine Umsetzung, ein zweigeteiltes Ganzes und ein halbes Double-Feature, L´ÉDEN ET APRÈS und N. A PRIS LES DÉS...

Eden and After Bild 1
Eden and After Bild 2
Eden and After Bild 3
Eden and After Bild 4
FAZIT:

EDEN AND AFTER will nicht beschrieben, sondern erlebt werden. Alain Robbe-Grillets erster Farbfilm ist ein bizarrer Trip, kopflastig und exotisch, sexy und analytisch, wunderschön und langweilig.

WERTUNG: 8 von 10 ergreifend schöne Alpträume
TEXT © Gregor Torinus
Dein Kommentar >>
Chris | 02.10.2013 20:25
Sehr schöne Review. Kommt noch GRAVIDA?
Gregor | 02.10.2013 20:28
Danke Dir! Du hast den nagel auf den Kopf getroffen: GRADIVA wird wahrscheinlich sogar meine nächste Review werden.
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