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Eiskalte Engel 2

Eiskalte Engel 2

OT: Cruel Intentions 2
DRAMÖDIE: USA, 2000
Regie: Roger Kumble
Darsteller: Robin Dunne, Sarah Thompson, Keri Lynn Pratt, Amy Adams

STORY:

Die beiden verzogenen Stiefgeschwister Sebastian und Kathryn können sich nicht leiden und machen sich und ihren Mitschülern das Leben schwer.

KRITIK:

Die Geschichte von EISKALTE ENGEL war eigentlich abgeschlossen, die Figuren haben geliebt, gelacht, gelitten und… gut, vor allem gelitten. Dennoch, ihre Geschichte wurde in Teil 1 komplett erzählt. Aber es ist so eine eiserne Regel im Filmgeschäft, dass Geld über künstlerischer Integrität steht und deshalb gibt es jede Menge Fortsetzungen, die so nötig sind wie ein Kropf am Bein. EISKALTE ENGEL 2 ist eine dieser Fortsetzungen, die nichts weiter tun, als die Geschichte des ersten Films nachzuerzählen, lediglich mit anderen Figuren, die doch wieder dieselben sind und dies nicht gebraucht hätte – in Bezug auf die Figuren und die Fortsetzung.

Manch einer mag jetzt denken – natürlich sind das dieselben Figuren, das ist ja auch ein Prequel zu EISKALTE ENGEL. Aber, muss ich dann wieder einwerfen, hätte ich nicht im Internet gelesen, dass es ein Prequel sein soll, wäre ich auf den Gedanken nie gekommen. Klar, man kann das Ende so deuten, dass Sebastian und Kathryn dort ankommen, wo sie charakterlich am Anfang des ersten Teils sind. Aber damit das funktioniert, hätten die Figuren auch nur annähernd Ähnlichkeiten haben müssen. Um ehrlich zu sein, hatte ich mich gewundert, dass die beiden dieselben Namen wie in EISKALTE ENGEL haben. Denn als Prequel funktioniert Teil 2 überhaupt nicht, was fast schon schade ist, da die Idee an und für sich genommen dann doch ganz reizvoll wäre. Die Umsetzung allerdings macht EISKALTE ENGEL 2 leider den Garaus. Das fängt schon damit an, wie unglaublich "out of character" die Figuren hier agieren. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, der Drehbuchautor hätte den ersten Teil nie gesehen. Selbst wenn man davon ausgeht, dass Sebastian und Kathryn hier noch nicht die sind, die wir aus Teil 1 kennen, sind sie sich nicht mal im Ansatz ähnlich.

Sebastian wird als lässiger Typ eingeführt, durchtrieben und selbstsicher, der seinen alten Rektor in den Wahnsinn treibt – was unter anderem zu einer schäbigen Kopie der Anfangssequenz in EISKALTE ENGEL führt – und danach noch seine Schulakte durch eine andere austauscht. Im weiteren Verlauf des Films wechselt sein Auftreten aber immer wieder von Ferris Bueler für Arme, hin zum unsicheren Depp. Die anderen Figuren sprechen dabei stets über ihn, als wäre er der Sebastian aus EISKALTE ENGEL. Auch ist der Entwicklungsbogen nicht sauber ausgearbeitet und sein plötzlicher Charakterwechsel am Ende wirkt umso aufgesetzter und ist kaum nachzuvollziehen.

Leider ist auch Kathryns Charakterisierung völlig aus der Luft gegriffen und hat nichts mit der zuvor von Sarah Michelle Gellar verkörperten Kathryn zu tun. Die einzige Gemeinsamkeit ist die Tatsache, dass beide ihr Leben in der von Zwängen bestimmten Gesellschaft der Upper Eastside verachten. Darüber hinaus ist die Kathryn aus diesem Film weniger intrigantes durchtriebenes Luder, denn verzogene und verwöhnte Göre.

Davon abgesehen, hat EISKALTE ENGEL 2 einen recht komischen Ton, sind viele Szenen auf eine Pointe hin ausgerichtet, meistens auf Grund der Tatsache, dass Sebastian ein eher unbeholfener Kerl ist. Aber leider wird das komische Potential nie voll ausgeschöpft. Hätte Regisseur Kumble seine Fortsetzung direkt als Komödie konzipiert, hätte er sich und uns einen großen Gefallen getan, denn in den lustigen Momenten funktioniert der zweite Teil von EISKALTE ENGEL durchwegs am besten. Den Ton des Originals trifft er ohnehin nicht. Wieder gilt auch hier – EISKALTE ENGEL 2 wäre ein besserer Film geworden, wenn er eben nicht EISKALTE ENGEL 2 hätte werden müssen.

In diesem Sinne: "Ihre Familie ist vor den Roten Khmer geflohen, oder? Da haben wir doch was gemeinsam – ich kann die Farbe Rot auch nicht leiden."

Eiskalte Engel 2 Bild 1
Eiskalte Engel 2 Bild 2
FAZIT:

EISKALTE ENGEL 2 funktioniert, sowohl als Prequel als auch als Fortsetzung vom namhaft besetzten EISKALTE ENGEL, leider mehr schlecht als recht. Dennoch hat er einige Qualitäten und zwischen der desaströsen Charakterisierung und der auf Biegen und Brechen auf EISKALTE ENGEL getrimmten Handlung schimmert immer wieder eine nette kleine DTV-Dramödie durch. Zurück bleibt ein Film der, der als eigenständiger Film hätte besser funktionieren können, das meiste seines Potentials blöderweise arglos verschwendet, aber durchaus noch okay geht für laue Freitagabende.

WERTUNG: 5 von 10 Überraschungsbesuchen in der Dusche.
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