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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Emmanuelle

Emmanuelle

EROTIK: FRANKREICH, 1974
Regie: Just Jaeckin
Darsteller: Sylvia Kristel, Alain Cuny, Marika Green, Daniel Sarky

STORY:

Emmanuelle (welche die deutsche Synchronisation ungefragt in Emanuela umgetauft hat) ist die junge Ehefrau des französischen Botschafters Jean. Als dieser nach Thailand versetzt wird, reist Emmanuelle ihm nach. In Bangkok entschließt sich die junge Frau erstmals Jeans Ermutigungen zur offenen Ehe auszunutzen. Nach einigen gleichgeschlechtlichen Erfahrungen begibt sich Emmanuelle in die Hände eines älteren Herren namens Mario, um von ihm in die letzten Geheimnisse der Erotik eingeweiht zu werden…-

KRITIK:

Die Ikone des italienischen Giallo- und Horrorfilm Erika Blanc spielte in den ausgehenden Sechzigern die Titelfigur in IO, EMMANUELLE, der ersten Verfilmung jenes berühmten Meisterwerks der erotischen Literatur, welches Marayat Rollet-Andriane 1959 unter dem Pseudonym "Emmanuelle Arsan" geschrieben hat.

Dieser ersten Filmumsetzung war noch kein kommerzieller Erfolg beschieden und sie ist heute in Vergessenheit geraten. 1974 startete der französische Produzent Yves Rousset-Rouard dann einen neuen Versuch, EMMANUELLE gewinnbringend für die große Leinwand zu adaptieren. Für den Regiestuhl wurde der Erotikfotograf und Werbefilmer Just Jaeckin verpflichtet und die damals unbekannte, aber sehr charismatische 22-jährige Niederländerin Sylvia Kristel schlüpfte in die Rolle der unschuldig aussehenden aber sexuell hyperaktiven Botschaftergattin.

Der Film entpuppte sich nicht nur als gelungene Umsetzung des Romans, sondern auch als phänomenaler Erfolg an der Kinokasse. Mit einem Budget von gerade mal 500.000 Dollar spielte er weltweit über 100 Millionen Dollar ein. Sylvia Kristel wurde zum Star. In ihrer Paraderolle war sie noch in zwei Sequels (EMMANUELLE 2 und GOODBYE, EMMANUELLE) zu sehen.

EMMANUELLE zog nicht nur eine ganze Heerschar von Epigonen nach sich - allen voran Joe D’Amatos BLACK EMANUELLE-Reihe mit Laura Gemser-, sondern bedeutete auch die triumphale Rückkehr des Softcores in die Kinos - und das in der Blütezeit des gerade salonfähig gewordenen harten Pornos.

EMMANUELLE ist unumstritten ein Klassiker des erotischen Films; allerdings nur unumstritten in seinem Publikumserfolg und Stellenwert. Insbesondere Kritiker, aber auch unsere Onlinefilmdatenbanken zeigen sich teilweise wenig begeistert in ihren Rezensionen. Sollen sie doch ihre Fletsch ziehen. Bei mir jedenfalls hat EMMANUELLE schon lange einen Stein im Brett. Und zwar seit ich in Pubertätstagen den Arsan-Klassiker im elterlichen Bücherregal entdeckt und anschließend der Masturbation mit literarischen Anspruch gefrönt habe. Bevor ihr jetzt ins Grübeln verfällt, ob er sich nun einen Scherz erlaubt hat oder nicht, - er hat sich einen - gehen wir rasch zurück zum Film.

Sex- und Nacktszenen sind Legion in Jaeckins EMMANUELLE und werden genüsslich, aber stets ästhetisch zelebriert. Dennoch belässt der Franzose einiges bei der Andeutung und somit vieles der Phantasie des Zuschauers. Häufig gelingt der Coup mit "Weniger ist Mehr" und die Erotikwirkung multipliziert sich. Nur manchmal kommt es zu abrupten Brüchen, die aber nur einmal wirklich negativ ins Gewicht fallen. Ausgerechnet beim Finale, das dadurch leider etwas unrund und überstürzt wirkt. Die Klimax der Schule der Lust, welche Emanuelle Arsan in ihrem Buch exzessiv, ja fast schon kathartisch schildert, verkommt im Film zu einer Handvoll kurz eingespielten Flashbacks, bevor dann - viel zu plötzlich - die End Credits über uns hereinbrechen.

Dennoch nur ein kleiner Fleck auf Emmanuelles Laken; angesichts der prächtigen Schauwerte, die der Film ob seiner exotischen Sets und sinnlichen Frauen in seinen schwelgerischen eineinhalb Stunden bietet. Nicht vermeiden lassen wird sich, dass ein Erotikfilm wie EMMANUELLE bei aller visueller und weiblicher Schönheit den einen oder anderen bestenfalls gepflegt langweilen wird.

Wenn man nämlich nicht gerade die paffende Pussy aus der Stripbarsequenz als solche wertet, spart EMMANUELLE Geschmacklosigkeiten größtenteils aus. Im Gegensatz zur epigonischen BLACK EMANUELLE-Reihe mit ihren Ausflügen in Richtung Sodom und Snuff oder den Entgleisungen in der zweiten Hälfte von Bigas Lunas kontroversen THE AGES OF LULU verzichtet EMMANUELLE auf Skandale und argumentiert fast ausschließlich mit ästhetischen Bildern. Allerdings schwant mir Böses. Weil me thinks, dass diese Argumente in den Zehnerjahren wohl nur noch Connaisseure überzeugen werden.

Emmanuelle Bild 1
Emmanuelle Bild 2
Emmanuelle Bild 3
Emmanuelle Bild 4
Emmanuelle Bild 5
Emmanuelle Bild 6
Emmanuelle Bild 7
FAZIT:

Gerade in der heutigen Zeit, wo auf dem Erotiksektor fast ausnahmslos für den harten Markt (mit seinen stoisch und seelenlos lutschenden, fickenden und spritzenden Akteuren) produziert wird, verdient es ein vergleichsweise seichter, aber gefühlvoller Softporno wie EMMANUELLE mehr denn je wiederentdeckt zu werden. Denn im Gegensatz zum Hardcorefilm der Nachsiebziger hat er sich trotz seiner lediglich angedeuteten Exzesse ein paar entscheidende Dinge bewahrt. Als da wären Ästhetik und wahre Erotik.

Ein schönes Beispiel dafür ist diese in exotischen Sets schwelgende und auf Hochglanz polierte Verfilmung eines Klassikers der erotischen Literatur. Bilderbuchsex mit der wahren EMMANUELLE, das ist ein Fest fürs Auge!

WERTUNG: 8 von 10 Korbsessel
TEXT © Christian Ade
Dein Kommentar >>
Harald | 17.12.2010 23:55
Schöne Review. Wäre ich Bildungsminister, würde ich solche Masturbationsvorlagen mit literarischem Anspruch als eine Möglichkeit erachten, männlichen Jugendlichen das Lesen wieder beizubringen. Aber vielleicht bin ich da zu naiv ;-)
Ralph | 18.12.2010 03:14
Keine blöde Idee. Mit Sicherheit die beste Form um sinnerfassendes Lesen zu lernen ;-)
Nic | 18.12.2010 09:30
6/10 ;-)
Harald | 18.12.2010 09:34
Der Film oder mein bildungspolitischer Vorschlag? ;-)
Nic | 18.12.2010 10:07
da wir hier nicht auf bildungstipps.at sind.. ;)
Chris | 18.12.2010 11:15
@Harald: Danke. : )
Gregor | 18.12.2010 13:03
Ich schließe mich Harald an! - Davon abgesehen ist Just Jaeckin der Meister der wunderbar kitschigen Weichzeichnererotik. Die "O" ist da ja auch nicht ganz ohne... Aber mein persönlicher Favorit bleibt trotzdem der etwas explizitere THE IMAGE!
Chris | 18.12.2010 17:58
Wobei mein persönlicher Lieblings-Jaeckin ja immer noch GWENDOLINE ist. Eine unglaublich unterhaltsame Mixtur aus INDIANA JONES, Komödie, Erotik und Bondage...Und Bachelet at his best!
Marcel | 18.12.2010 19:13
Nur um Missverständnisse der Leser zu vermeiden.
"The Image" ist nicht von Jaeckin. Entstand aber in der Zeit des sogenannten Porno chic.
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