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Ender's Game - Das groe Spiel

Ender's Game - Das große Spiel

SCIENCE-FICTION: USA, 2013
Regie: Gavin Hood
Darsteller: Asa Butterfield, Hailee Steinfeld, Abigail Breslin, Harrison Ford, Ben Kingsley, Viola Davis

STORY:

Die Erde (oder besser gesagt die Menschen) überlebt (überleben) nur knapp einen verheerenden Angriff von Außerirdischen. Um sich fürs nächste Mal besser zu wappnen, und weil Krieg "spielen" irgendwie so ist wie Computer spielen, werden fähige Kinder ausgebildet. Der junge Andrew "Ender" Wiggin scheint wie dafür gemacht zu sein, weil er sogar beim Atmen immer fünf Züge vorausdenkt...

KRITIK:

2013 wird als recht guter Jahrgang in Science Fiction Genre eingehen. Nicht, dass jetzt Solaris oder 2001 um ihren Thron zittern müssten, aber es waren neben den einmal gesehen und sofort zu vergessenden Filmen wie Star Trek, Pacific Rim und Elysium, doch einige recht erfreuliche Stücke dabei, wie Oblivion, Gravity und der schwer zugängliche The Congress.

Und auch Ender's Game ist gar nicht mal so übel. Vor allem weil er das macht, was man (also zumindest ich) sich von einem Science Fiction Film erwartet. Fragen stellen. Und zwar möglichst philosophische. Und hui, die haben es in sich. Kleine Kostprobe? Also lieber Leser, halt dich fest: Wenn unsere Kriege bzw. Schlachten immer hochtechnisierter ablaufen und von Kilometer bis Lichtjahre entfernten Kontrollräumen aus gesteuert werden, liegt es da nicht auf der Hand die Kontrolle in Kinderhände zu legen und ihnen vorzugaukeln, dass es ein Spiel ist? Weil Kinder eben schneller und intuitiver denken und außerdem nicht so richtig wissen, was sie da tun? Als Humanist sag ich: Nein, um Gottes Willen! (äh, ich meine natürlich: Nein, um der Vernunft Willen!).

Aber als Oberbefehlshaber würde ich sagen: Ja, natürlich, wenn es unsere Chancen auf den Sieg erhöht. Der Krieg ist eben ein Spiel, das gewonnen werden will. Und nicht umsonst wird Spieltheorie auf jeder Wirtschafts-, Politik- und Militärakademie gelehrt.

Schauen wir uns das mal im simpelsten Fall an. Wir haben zwei Spieler und zwei Strategien, angreifen oder friedlich sein. Wenn beide Spieler den Frieden wählen wäre es für beide logischerweise am besten. Wenn jedoch einer den Krieg wählt und der andere den Frieden, dann wird der Friedliche draufzahlen, weil er sich ja nicht für den Krieg vorbereitet hat. Deshalb ist es trotz friedlicher Absichten gar nicht so schlau friedlich zu sein, weil man ja nicht darauf vertrauen kann, dass der andere friedlich ist, also sollte man besser angreifen um sich zu verteidigen. Schon ein Dilemma, oder?

Da versteht man auf einmal, warum sich der Iran - ganz zurecht - nicht bei seinem Atomprogramm dreinpfuschen lassen will. Oder warum uns die Amis abhören, obwohl wir nicht ihre Feinde sind. Es bleibt trotzdem zu hoffen, dass es in der Menschheit immer einen großen Teil von Leuten gibt, die das Risiko eingehen "kooperativ" zu sein, weil es eben das beste Ergebnis bringt. Ihr wisst schon, Frieden, Liebe, Glück und so. Ganz schön spannend diese und alle weiteren Dilemmas und Fragen, die Ender's Game aufwirft.

Leider muss man sich daneben durch klischeehafte Militärschuldrills und ausgelutschte Handlungsabläufe quälen (Lauter kleine Westentaschennapoleons, sie ja soooo kompetitiv und männlich sind und das vor allem in der Dusche austragen - Gähn!) und achso genialische Taktiken erklären lassen (Ich wusste bisher nicht, dass ich ein Genie bin, aber wenn Enders Strategien ihn zum Auserwählten machen, dann bin ich Gott, mindestens. Ach ja, und schon wieder ein Auserwählter? - Schnarch!)

Das ganze Geplänkel mutet dann doch teilweise an wie ein eiskalter Science-Fiction-Harry-Potter für Rechts-Außen-Republikaner. Aber eh klar, es handelt sich hier um einen 100-Millionen-Dollar Blockbuster und spieltheoretisch gesehen kann man vermutlich das Risiko nicht eingehen, dem vermeintlich "dummen" Massenpublikum mit differenzierter Handlung oder durch Überlänge vor den Kopf zu stoßen. Fragt sich ob das jetzt Angriff oder Kooperation ist? Mann, das gibt einem wirklich schwer zu denken;-).

Aber ich will mal nicht so sein, lieber ist mir ein mittelmäßiger Film mit einem hervorragenden Ende als umgekehrt in Form dieser grassierenden Blockbusterkrankheit, wo Trailer und erste Filmhälfte riesige Erwartungen schüren, die dann in der zweiten Hälfte durch Größenwahn, Dummheit und Deus Ex Machina vollkommen in sich zusammenstürzen und zur großen Enttäuschung umschlagen.

Wie heißt es so schön bei Drehbuchguru Robert McKee: "Wenn das Ende passt, dann passt auch der Film". Das kann man gerade am Beispiel von Ender's Game unterschreiben. So sieht intelligente Unterhaltung aus. Ja, doch. In diesem Sinne: "In dem Moment, wo du deinen Feind gut genug verstehst um ihn zu besiegen, liebst du ihn auch."

Ender's Game - Das große Spiel Bild 1
Ender's Game - Das große Spiel Bild 2
Ender's Game - Das große Spiel Bild 3
Ender's Game - Das große Spiel Bild 4
Ender's Game - Das große Spiel Bild 5
Ender's Game - Das große Spiel Bild 6
Ender's Game - Das große Spiel Bild 7
FAZIT:

Enders?s Game ist sicher kein Meisterwerk, dafür hetzt der Film zu sehr durch seine Handlung, wodurch Tiefgang und Seele zu sehr auf der Strecke bleiben. Aber durch fähige Darsteller, konstante Spannung und intelligenten sowie moralischen Fragestellungen über den Krieg und die Nebenwirkungen auf seine Akteure ist es zumindest sehr unterhaltsames Kopfkino geworden und daher für Science Fiction Fans uneingeschränkt zu empfehlen.
Prädikat: Thinking Human's Blockbuster. Verdient.

WERTUNG: 7 von 10 besiegten Gegnern
TEXT © Ralph Zlabinger
Dein Kommentar >>
Roman | 21.12.2013 18:15
wie vom Texter Ralph beschrieben werden Fragen aufgeworfen, das
macht die Qualität des Films aus. Das Alter der "Gamer" ist etwas
unglaubwürdig jung, und die beschriebene High-School Atmosphäre
und sonstige Klischees nerven und sind "zu amerikanisch", aber kann
man sich schon ansehen, interessant und unterhaltsam

6 / 10
>> antworten
DavinFelth | 29.10.2013 21:40
komme frisch aus dem Kino und muss sagen endlich mal wieder was fürs Hirn! Nach der ganzen Blockbuster 3D Action scheisse bei denen fürs Drehbuch kein Geld mehr zur Verfügung stand hat mich dieser Film doch recht gut unterhalten. Ich kannte das Buch vorher nicht. Natürlich hat der Film kleinere Schwächen aber das stört das große ganze nicht. Was fürs Hirn und fürs Auge :)

Die Nebenrollen sind übrigens mit Hailee Steinfeld, Abigail Breslin und Ben Kingsley exzellent besetzt!

8/10 Mind Games
>> antworten


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