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Equus - Blinde Pferde

Equus - Blinde Pferde

OT: Equus
DRAMA: USA, 1977
Regie: Sidney Lumet
Darsteller: Richard Burton, Peter Firth, Jenny Agutter, Colin Blakely, Joan Plowright

STORY:

Der bislang unbescholtene Stallbursche Alan Strang hat in einem Anfall plötzlichen Wahnsinns (?) sechs Pferde mit einer Sichel geblendet. Psychiater Dr. Dysart wird auf den Teenager angesetzt und soll die Hintergründe der Tat klären. Die Therapie erweißt sich als zermürbend und konfrontiert den Psychiater schlussendlich mit seinen eigenen Dämonen ...

KRITIK:

Equus? War da nicht mal was mit einem jungem Nachwuchsschauspieler, der für einen publicityträchtigen Skandal sorgte, als er die Rolle des wahnsinnigen Stallburschen annahm und auf der Bühne die Hüllen fallen ließ und damit die Mütter seiner minderjährigen Fans auf die Barrikaden steigen ließ?

Ja, ja die Theaterleute lassen halt gern die Hüllen fallen. Das kennt man ja. Und nennt man dann "Neuinterpretation".

Doch bei Equus sind die Nacktszenen aber tatsächlich Bestandteil des Stücks. Als das Stück in den 70er Jahren das Licht der Bühnen erblickte, hielt sich der Skandal aber in Grenzen. Da war der Aufschrei bei der Verfilmung schon etwas größer. So behauptet es zumindest Wikipedia.

Und auch was die Kritiken betrifft, wurde Sidney Lumets Verfilmung des erfolgreichen Theaterstücks nicht gerade positiv aufgenommen. So fanden vor allem die "naturalistischen Schockeffekte" und das realistische Setting im Allgemeinen harsche Kritik. Manche Kritiker hätten es vermutlich lieber gesehen, wenn im Film auch als Pferde verkleidete Schauspieler herumgehopst wären, oder so ähnlich.

Auch wenn der Film den einen oder anderen Theaterpuritaner vor den Kopf gestoßen haben mag, so ist Equus deswegen noch lange kein schlechter Film. Sicher, ich kenne das dazugehörige Theaterstück maximal vom Hörensagen, aber ich finde der Film kann sich durchaus sehen lassen.

Und das obwohl man dem dialoglastigen Werk seine Theaterherkunft auch durchaus anmerkt. Es sind nicht nur die Dialoge sondern auch die Figuren selbst und ihre Standpunkte und auch die Art wie der Film erzählt wird, die auf die Herkunft schließen lassen.

Grundsätzlich einmal gibt es auffällig wenige Figuren die eine etwas größere Rolle spielen. Außerdem ist das Ganze auch etwas kopflastig und streckenweise auch zäh. Es wird oft ziemlich lange um den heißen Brei herumgeredet, obwohl man als einigermaßen in Psychodramen geschulter Zuschauer eh recht schnell raus hat, wie der Hase läuft.

Man braucht nicht gerade ein Diplom in Küchenpsychologie, um sich denken zu können, dass ein solch gewalttätiger Ausbruch, wie ihn das Blenden von Pferden nun mal darstellt, aus unterdrückten Trieben resultiert. Und wenn sich wie im Falle von Alan auch noch die Religion und ein nicht sehr intaktes Sozialleben hinzukommen, scheint die Sache klar zu sein. Oder etwa doch nicht?

Und über Träume wird auch gesprochen. Der Kernstück ist und bleibt jedoch die Begegnung oder wenn man es so nennen will, Arbeit zwischen Alan Strang und dem Psychiater. Geschildert wird das Ganze aus der Perspektive von Dr. Dysart. Er wendet sich in emotional aufwühlenden Monologen auch immer wieder direkt an den Zuseher um das Gesehene, die Begegnungen mit Alan zu kommentieren oder auch zu erweitern. Während man Zeuge wird wie sich Alan mehr und mehr öffnet, nicht zuletzt durch etwas unkonventionelle, oder besser gesagt trickreichen Methoden des Psychiaters, und man nach und nach erfährt was in der Nacht der Blendung wirklich geschah, beobachtet man auch wie der Psychiater mehr und mehr an seinem eigenen Leben zerbricht.

Der Film kann neben einer spannenden Story auch noch mit Atmosphäre und mit tollen Schauspielern punkten. Manche sagen ja, dass die Rolle des mit seinen eigenen Dämonen konfrontierten Psychiaters eine der, wenn nicht die, Glanzleistungen von Richard Burton darstellt. Ich für meinen Teil kann das eigentlich nicht so beurteilen, weil ich zu wenige Filme mit ihm gesehen habe, aber er hinterließ zumindest in Equus einen bleibenden Eindruck. Einen bleibenden Eindruck hinterließ aber vor allem Peter Firth, der den jungen Alan Strang verkörpert. Firth, der die Rolle auch schon auf der Bühne dargestellt hatte, entpuppt sich als wahrer Glücksgriff. Irgendwie merkwürdig, dass er trotz eines mehr als ersichtlichen Talents nie den wirklich großen Durchbruch geschafft hat.

Auch wenn der Film sich eher einer realistischen Darstellung verschrieben hat, so bekommt der Film auch hin und wieder etwas leicht surreales, wenn zum Beispiel in den Kindheitserinnerung von Alan herumgewühlt wird und man Klein-Alan beim Sandburgbauen sehen kann. Merkwürdig deshalb weil Klein-Alan nicht von einem Kind sondern auch von Peter Firth dargestellt wird.

Equus - Blinde Pferde Bild 1
Equus - Blinde Pferde Bild 2
Equus - Blinde Pferde Bild 3
Equus - Blinde Pferde Bild 4
Equus - Blinde Pferde Bild 5
Equus - Blinde Pferde Bild 6
FAZIT:

Der Fall eines Werbejingle singenden 17-Jährigen lässt einen Psychiater an seiner Tätigkeit und schlussendlich auch an der eigenen Existenz zweifeln. Traumdeutung und Psychoanalyse inklusive. Auch die Grenzen zwischen Normalität und Wahn, oder was manche dafür halten, werden ausgelotet und hinterfragt. Mit knapp 140 Minuten ist Sidney Lumets Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Peter Shaffers zwar etwas lang geraden und wirkt zeitweise auch etwas behäbig, dafür entschädigen jedoch die herausragenden schauspielerischen Performances bei weitem. Außerdem hat der Film streckenweise eine leicht morbide Atmosphäre.

WERTUNG: 8 von 10 eingerahmten Pferdepostern
TEXT © Gerti
Dein Kommentar >>
Ralph | 25.09.2010 10:45
Hört sich sehr interessant an. Werde die Augen nach dem Film offenhalten...
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