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Frauen im Liebeslager

Frauen im Liebeslager

FRAUENGEFÄNGNISFILM: Schweiz, 1977
Regie: Jess Franco
Darsteller: Nanda Van Bergen, Ada Tauler, Monica Swinn, Waldemar Wohlfahrt

STORY:

Irgendwo in Südamerika wird die frisch verheiratete Angela zusammen mit zwei Nutten, einer Jungfrau und jeder Menge anderer Mädchen, auf Befehl des Kommandanten Chino einer Terrorgruppe, entführt. Sie sollen den Söldnern der Gruppe als Sexsklavinnen dienen.

Doch Chino verliebt sich in Angela und sie auch ihn, was dazu führt, dass die beiden jede Menge unbequemer Verrenkungen in einer Hängematte machen. Bis der Tag kommt, an dem Angela eine Gelegenheit zur Flucht bekommt...

KRITIK:

Wenn man nicht alles selber macht. Da unser lieber Chef Harald vor kurzem, nach dem 362. Komplettdurchlauf der TWILIGHT-Reihe, verständlicherweise den Verstand verloren hat und seitdem nur noch aus seinem Büro kommt um Frauenfilme und seichte Komödien in irgendwelchen Multiplex-Kinos zu sehen und Chris auf der Suche nach dem Goreziegenpeter irgendwo auf der SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES verschollen ist, wird FILMTIPPS.at langsam aber sich vom Mainstream übernommen. Da muss ich zur Ehrenrettung unserer schönen Internetseite direkt mal in die Bresche springen und das Niveau wieder etwas heben – oder senken, je nachdem, wie man das sieht. Und was eignet sich dazu besser als ein netter kleiner Frauengefängnisfilm von unser aller liebstem Saubartel Jess Franco? Eben.

Meine Wahl fiel auf den 1977 gedrehten FRAUEN IM LIEBESLAGER. Von Onkel Erwin – wie wir Erwin C. Dietrich hier liebevoll nennen – produziert, macht dieser Frauenknaster wieder eins deutlich: Mit am besten war Franco immer dann, wenn er mit Dietrich zusammengearbeitet hat. Das Drehbuch von Manfred Gregor kommt ohne Umschweife zur Sache – Exposition? Wer braucht die schon. Was sofort auffällt, ist die Sleazigkeit, die hier durchweg an den Tag gelegt wird. Denn Manfred Gregor ist selbstverständlich ein Pseudonym von Onkel Erwin, der sich die ganze Chose höchst selbst ausgedacht hat. Was auch daran erkennbar ist, dass die Geschichte nur eine weitere Variation des von Dietrich gerne genommen „Frauen ins Bordell verschleppen“-Themas ist. Das gab es unter anderem schon in EINE ARMEE GRETCHEN zu „bestaunen“.

Onkel Erwin ist ja einer von der zahmen Sorte und hat es selbst eher mit ausgiebigem Rummgeschrubbe denn sleaziger Härte. Das ist wiederum Francos höchsteigenes Metier. Weshalb ich vermute, dass einige der heftigeren Szenen in FRAUEN IM LIEBESLAGER von Franco auf eigene Faust gedreht wurden und sie einfach deshalb drin geblieben sind, weil sich sowas gut ans Bahnhofskinopublikum verkauft hat. Ich denke auch nicht, dass Dietrich wirklich böse mit Franco war, dass der sein Drehbuch nicht wortegetreu verfilmt hat. Denn mit fortschreitender Spieldauer bekommt man ohnehin das Gefühl, dass ein Großteil des Geschehens erst nachträglich ausgedacht wurde und vorher einfach ein paar nackte Frauen gefilmt wurden.

Es gibt viele Szenen, in denen sich Leute unterhalten, aber niemand zu sehen ist, der gerade spricht. Besonders unterhaltsam ist das in der Szene, in der eine der beiden Nutten ausgepeitscht wird. Mal abgesehen davon, dass diese Szene sowieso zu exzessiven Lachanfällen führt. Die Ausdrücke, die die Dame da an den Tag legt, sind allerfeinste Gesichtsgymnastik – dass sie stets ein paar Sekunden zu früh das Gesicht verzieht, fällt da schon gar nicht mehr ins Gesicht. Jedenfalls ruft Oberaufseherin Isla ein paar der Mädchen auf und jedes Mal, wenn die Antwort kommt, ist zwar jemand in Großaufnahme zu sehen – es spricht aber niemand. Noch skurriler wird es nur, als die Lagerlesbe eine ganze Unterhaltung mit der (Nicht mehr)-Jungfrau führt und beide nicht ein einziges Mal den Mund aufmachen, sondern nur bemüht lasziv gucken.

Da dürfte es auch nicht weiter verwundern, dass die Dialoge eine unterhaltsame Mischung aus feinstem Schnodderdeutsch – „Der geb ich’s, der scheinheiligen Zwiebel!“ – und schwülstigstem Gefasel sind. Freilich bringt kaum einer der Dialoge das bisschen Handlung voran. Die kommt im Mittelteil sowieso fast komplett zum Stillstand. Da wird dann einfach fröhlich rumgehurt und rumgebumst und ausgepeitscht und „verführt“, bis sich die Balken biegen – es ist übrigens mal wieder absolut köstlich, wie überaus deutlich das Frauenbild Francos und auch Dietrichs hier zum Vorschein kommt. Obwohl die Frauen ja alle gezwungen werden und mit einigen der hässlichsten Typen bumsen müssen, die je auf Gottes Erden gewandelt sind, haben sie spätestens nach  der ersten Besteigung Spaß daran. Einer von den Kerlen ist übrigens so fett, dass er seinen Schniedel wahrscheinlich schon Jahre nicht mehr gesehen hat – und auch sonst niemand, denn der ist dazu noch so winzig, dass er völlig im Sackhaar verschwindet.

Nur eine der Frauen wehrt sich – oder so – die komplette Zeit über, nämlich das Lagerküken Lupita – das einschlägige Publikum geht ja schließlich nicht in einen Franco-Film um einvernehmlichen Sex zu sehen, also muss das auch bedient werden. Ihre verbalen Proteste scheinen aber mal wieder drüber gesprochen worden zu sein, was dem Ganzen eine – moralisch fragwürdige – Komik verleiht. Ohnehin dürfte FRAUEN IM LIEBESLAGER zu den trashigsten der Franco-Frauenknaster gehören, weshalb er äußerst flott daher kommt.

Auf technischer Seite ist die Chose dann allerdings wieder handwerklich recht vernünftig runtergefilmt worden. Natürlich dürfen die typischen Stilelemente Francos nicht fehlen und so gibt es einige Szenen durch Fenster gefilmt zu bestaunen und auch der Fokus und die Tiefenschärfe sind hier und da kunstvoll eingesetzt – hüstel – aber ansonsten sieht das für Francos Verhältnisse ordentlich aus. Von der Ausstattung her sind die typisch spartanischen Sets zu bewundern, die in der Regel aus vier Wänden und etwas altem Mobiliar bestehen. Die Hängematte und der Raum in der Angela vom Oberboss durchgenommen wird, erinnert ein wenig an ein Set aus DIE SKLAVINNEN – aber da zwischen beiden Filmen ein Jahr liegt, bin ich mir ziemlich sicher, dass die nicht à la Franco Rücken an Rücken gedreht wurden.

Auf darstellerischer Seite haben wir Owen Wilson… äh, ich meine Wal Davis, der den liebeskranken Kommandant mit genügend Esprit und gar nicht ganz so talentfrei gibt. Nanda Van Bergen als Oberaufseherin ist ganz eindeutig auf die Dyanne Thorne-Type gecastet und sieht ganz gut aus, hat aber nicht viel Ausstrahlung und eigentlich nur einen Gesichtsausdruck. Ada Tauler als Angela dürfte eine der hässlichsten Hauptaktricen sein, die Franco in seinen Filmen eingesetzt hat und spielt so begeistert, wie sich ihre Figur im Liebeslager fühlen dürfte. Der Rest ist eher von typisch wenig Talent gesegnet – vor allem die Komparsinnen die für diverse „Reaction Shots“ gebucht wurden –, haben im Endeffekt aber eh nicht viel mehr zu tun, als zu duschen und sich aufs Bett zu legen.

In diesem Sinne: „Ich könnte diese Lusche von Mann umlegen und seine Frau hinterher noch mal übern Leisten ziehen!“

Frauen im Liebeslager Bild 1
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FAZIT:

FRAUEN IM LIEBESLAGER ist ein gelungener Mix aus Onkel Erwin’schem soften Rumgebumse und Francos sleazigen Bondage-Fantasien. Die knapp 76 Minuten Laufzeit vergehen wie im Flug, dank dümmstem Schnodderdeutsch und allerlei inhaltlichem Schwachfug. Technisch auf – für Francos Verhältnisse – recht anständigem Niveau, könnte man FRAUEN IM LIEBSLAGER wahrscheinlich am ehesten vorwerfen etwas zu generisch zu sein, sich kaum aus der Masse an Franco-Filmen dieser Couleur abzuheben.

Bei weitem kein wichtiges Werk aus Jess Francos Filmographie, das man unbedingt gesehen haben muss, aber es schadet auch nicht. Denn für Unterhaltung ist auf jeden Fall gesorgt – und die Biberfell-Liebhaber kommen eh auf ihre Kosten.

WERTUNG: 6 von 10 falschen Blondinen.
Dein Kommentar >>
Harald | 24.09.2015 20:19
So, bevor der verstandsverlustige Chef sich den nächste seichte
Teenager-Frauenkomödie im Multiplex ansieht, möchte er seinem
allerliebsten Saubartl Johannes für das nahende zehnjährige
Autorenjubiläum auf unserer kleinen sleazigen Mainstream-
Filmseite ein riesiges Dankeschön aussprechen.
Der liebe Chris ist übrigens nicht verschollen, sondern hat hier
eine zweite Heimat gefunden:
italo-cinema.de/autoren/christian-ade
Johannes | 27.09.2015 16:52
Vielen Dank, Harald. :) Und ich gönn' dir deine Frauenfilme ja - ich sorge einfach für das nötige Gleichgewicht... ;)
toxic | 27.09.2015 21:24
Frauenfilme, Frauenknastfilme... wo ist denn da bitte der Unterschied? Auch von mir Glückwunsch zum Jubiläum! 10 Jahre? Oh Mann die Zeit ist eine Dirne.
Ich hab mich wieder köstlich beim Lesen amüsiert und werd mir den Film wohl gleich noch mal anschauen.
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