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Frauenlager der Ninja

Frauenlager der Ninja

OT: Shadows Killer Tiger Force
FRAUENGEFÄNGNISFILM, NINJA-TRASH: HONG KONG, 1987
Regie: Godfrey Ho
Darsteller: Cora Bentley, Louis Coe, Walter Leech, Daniel Wells, Dorothy Yip

STORY:

Mal schauen, was die DVD-Hülle dazu zu sagen hat:

"Immer häufiger verschwinden blutjunge, hübsche Mädchen auf geheimnisvolle Art und Weise. Gekidnappt von den skrupellosen, "Black Ninjas", die weder vor Mord, Folter oder Vergewaltigung zurückschrecken, um an Bordelle oder reiche Amerikaner verkauft zu werden. Als auch Jenny, die Tochter des reichen Geschäftsmanns Jack Bentley, ein Opfer der brutalen Entführer wird, nimmt er das Gesetz in eigene Hände. Ein Ninja-Killer, die ebenso schöne wie gefährliche Tina, soll Jenny und die vielen anderen Frauen aus ihrer qualvollen Gefangenschaft befreien. Ein Höllenjob! In einem lebensgefährlichen Alleingang erreicht Tina endlich das schwer bewachte Lager. Mit dem Mut der Verzweiflung, aber auch in der Gewissheit, daß die geschundenen Mädchen ihren Kampf gegen die "Black Ninjas" unterstüzen, setzt sie alles auf eine Karte..."

Ja, du meine Güte. Dagegen muten X-Rated-Hartboxen ja an wie Meisterwerke der Orthographie und Interpunktion. Mal abgesehen davon, dass eigentlich gar nichts stimmt - schon gar nicht die Namen. Und überhaupt, so wie's aussieht, verkaufen sich die Ninja gerne selbst an Bordelle oder reiche Amerikaner. Sodom und Gomorrha, ich sachs ja.

KRITIK:

In meiner erst kürzlich erschienen Besprechung – wobei kürzlich ja relativ ist, also, wenn Ihr das hier im Jahr 2020 lest, dann bedeutet das… nun in erster Linie bedeutet das, dass Emmerich Unrecht hatte, was mich eigentlich nicht wirklich verwundern würde, und zum anderen bedeutet das, dass wir von FILMTIPPS.at nach der Übernahme der Weltherrschaft inzwischen eisern und mit harter Hand, von unserem Hauptquartier in der Ostmark  aus, herrschen und die Goutierung unserer neusten geistigen Oeuvre inzwischen zur morgendlichen Pflichtlektüre gehört.

Dann ist vermutlich auch die Kommentarfunktion abgeschafft worden und wurde ersetzt durch die Möglichkeit die Besprechung gut zu finden, die Besprechung gut zu finden oder sich über die Bewertung zu beschweren, ohne den Text gelesen zu haben (letzteres auszuwählen wird allerdings mit mindestens 2 TWILIGHT Komplettmarathons bestraft – im IMAX, in 3D und mit Taylor Lautner als Aufpasser. Wer das übersteht und noch mindestens  1%-2% Prozent seines Verstandes übrig hat – moralische Empfindungen sind nicht von Nöten – darf in Hollywood Michael Bay’s „School of Great Story Telling“ besuchen. Die Möglichkeit ist auch gegeben, dass euer Landvogt inzwischen Eric Falk heißt, Jess Franco fürs Justizwesen zuständig ist und Joe D’Amato sich um steuerliche Abschreibungen kümmert… Geschäftsmann war er ja, das muss man ihm lassen.

Alle drei selbstverfreilich als cybergenetisch verbesserte Cyborg/Mensch-Mischwesen, deren sterbliche Hüllen durch aufwändige Prozeduren in Räucherhütten mithilfe Jungfrauenblutes erhalten bleiben. Aber… ich schweife ab… ein wenig. Wo war ich stehen geblieben?

Achja, genau. Meine kürzlich – relativ, nech – besprochene Sichtung des absoluten Trashknallers MAD FOXES – FEUER AUF RÄDER. In eben jener Rezension habe ich sie bereits erwähnt – die allmächtige Troika des Trashfilms. Da hätten wir zum einen – unausweichlich – Ed Woods UFO Invasions-Epos PLAN 9 FROM OUTER SPACE, den auch offiziell schlechtesten Film aller Zeiten. Ein klarer Zehner also.

Weiter im Team ist natürlich auch der Film, mit Erwin C. Dietrich ja mal so gar nichts zu tun haben will, warum auch immer schließlich hat er seinen Namen ja auch prominent in die Credits zu EINE ARMEE GRETCHEN geklatscht. Die Rede ist vom Eric Falk Magnus Opum MAD FOXES – FEUER AUF RÄDER. Damit haben wir schon mal zwei, aber, wer aufgepasst hat weiß, zu einer Troika gehören drei – zu einem  švédska trojska übrigens auch, aber das ist mal wieder was anderes – und damit kommen wir zum Dritten im Bunde, dem Werk heutiger Besprechung, dem FRAUENLAGER DER NINJA. Wah, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen – FRAUENLAGER… DER… NINJA. Und das Beste? Es gibt Frauenlager und Ninja. Ungewöhnlich aber wahr.

Und wem, ja wem nur haben wir diese gewagte Mischung aus Frauenlager-Schund und Ninja-Schund zu verdanken? Dem ominös-omnipotenten Tomas Tang und seiner Billigfilmklitsche Filmark. Über die höchst mysteriösen und äußerst dubiosen Gegebenheiten, die das Phänomen Filmark umschwirren, habe ich bereits in der Kritik zum – ebenfalls von eben jener Produktionsfirma, husthust, gedrehten, husthust – Ninjaklopper DER TODESKAMPF DER NINJA die ein oder andere Zeile Text verloren. Daher werde ich an dieser Stelle nicht genauer drauf eingehen, sondern verweise bequemlicherweise auf eben genannte Besprechung. Stattdessen mache ich flugs weiter mit dem Hinweis, der so ziemlich jedem Ninjafreund und jedem ernsthaften Cineasten die Freudentränen in die Augen treiben dürfte… wenn auch aus jeweils konträren Gründen, dass Tomas Tang – wer auch immer das zu jenem Zeitpunkt gewesen sein mag – niemand geringeren als den Großmeister des Filmkannibalismus auf den Regiehocker setzte: Godfrey "Fuck dat muthafucking continuity“ Ho.

Kein Geringerer also als der „Creative Mind“ hinter solch unbeschreiblichen Klassikern wie DAS TODESSCHWERT DER NINJA oder CRACKDOWN MISSION. Ein Meister seines Fachs, ein Virtuose des „Völlig unzusammenhängendes Ninja-Zeuchs um billig aufgekauftes Material, das keiner sehen, keiner vorführen und keiner haben wollte, Drumrumdrehens“. Und der bekam 1987 schließlich, mit absoluter Sicherheit für’n Appel und ‘n Ei, den damals noch gar nicht so alten GIRLS IN THE TIGER CAGE.

Ein relativ harmloser aber weitestgehend homogener Sexploiter aus Hong Kong angesiedelt irgendwann zur Zeit des zweiten Weltkriegs. Dass alle Akteure asiatischer Couleur sind, dürfte sich von selbst erklären. Aber, den geübten Filmkannibalen von Welt hält das natürlich nicht auf und so‘ne Handlung kann man ja ruhig in der heutigen Zeit – ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT lässt grüßen, ist ja schließlich auch schon gut und gerne 30 Jahre her – spielen lassen. Im Prinzip spielt zeitliche Konsistenz ja aber auch eine eher untergeordnete Rolle. Die Protagonisten und auch die Antagonisten des Films aus zwei Filmen begegnen sich ohnehin nie und die Sets des neu gedrehten Materials sollten durch Ihre Ausstattung und Optik, zumindest theoretisch, den Eindruck erwecken, dass dieser Film aus einem Guss stammt. Dass die eine Hälfte der Schauspieler Asiaten sind, die andere aber Weiße, das lassen wir einfach mal so im Raum stehen. Die Sets jedoch sind mal wieder unter aller Sau und würden nicht einmal bei einem Blinden, der mit dem Rücken zum Fernseher sitzt, den Eindruck erwecken, es handle sich um Darsteller, die im selben Set agierten. Wen also sollten da die paar Anachronismen stören, die uns hier begegnen.

Eine innere Kausalität ist ohnehin nicht gegeben, wenn mal die Ninja rumwärtern, mal japanische (?) Soldaten. Mal ist das Lager voller Ninja, mal nicht. Je nachdem eben, ob Originalmaterial oder neu gedrehtes Material genutzt wurde. Unterscheiden kann man das aber bereits an der Ausstattung; wenn selbst ein 85er drittklassiger Hong Kong Frauenknaster mehr Production Value aufzubieten hat, als ich, der ja eigentlich nur ein bisschen Kohle in die 5 Minuten neues Material stecken muss, dann würde ich mich schämen. Aber, ich bin ja auch nicht Godfrey Ho. Und schließlich will man ja auch Geld verdienen, nicht ausgeben, nech. Es stellt sich ohnehin die Frage, warum die Mädchen des Lagers Tag ein Tag aus bis zum Umfallen und absoluter körperlicher Erschöpfung arbeiten müssen, wenn sie anschließend als Sexsklavinnen an reiche alte Säcke verkauft werden sollen. Wer auf ausgemergelte Körper steht, kann sich schließlich auch ein paar Cracknutten auf’s Zimmer bestellen. Man fragt sich also, wirklich? Ist denn wirklich niemandem eine etwas logischere Erklärung für das Frauenlager eingefallen als ein Umschlagplatz für Zwangsprostituierte? Echt? Das lässt tief blicken – aber, was soll’s ist hier die Attitüde, denn Spaß bringt das Setting allemal. Unfreiwilliger Natur zwar, aber dafür sind wir schließlich hier.

Dabei muss man sagen, dass das Originalmaterial zwar kein unglaubliches Meisterwerk zu scheint, allerdings selbst durch die dämlichen – und daher absolut unterhaltsamen – Dialoge hindurch und trotz des neu eingefügten Materials in gewisser Weise Atmosphäre zu erzeugen mag. Klar, Granate ist auch GIRLS IN THE TIGER CAGE nicht, und frei von den Problemen die auch das Gesamtwerk FRAUENLAGER DER NINJA zu der absolut unterhaltsamen Trashgranate machen, ist auch dieser Film nicht. Von freundlichen Hunden auf Hetzjagd bis hin zu gratious overacting. Achja, wo wir schon bei gratious sind. Gratious nudity gibt’s diesmal leider keine, wenn man mal von dem bisschen Brust absieht, das man durch ein nasses T-Shirt zu Beginn, und Cora Bentleys viel zu tief ausgeschnittenem Ninjadress absieht. Denn während unsere Hauptaktrice frauenlagerfilmseits durchaus nett anzuschauen ist, macht Cora Bentley weder als Darstellerin noch einfach nur als Frau wirklich was her – kurz gesagt, man will ihren Ausschnitt gar nicht sehen.

Für einen Frauenlagerfilm haben wir also wenig Nackigkeit – denn alles Material aus dem Originalfilm in dems mal ein paar Brüstchen zu sehen geben könne, ist der selbstauferlegten Zensur der Macher zum Opfer gefallen, so dass Jess Franco grüßen lässt und allerlei „künstlerisch anspruchsvolle“ Einstellungen dafür sorgen, dass die Nacktheit der Anwesenden nur erahnt werden kann – wobei ich zugeben muss, dass das bei manchen der da Abgefilmten durchaus im Sinne des Betrachters ist.

Wenn wir grad schon bei gratious overacting sind, machen wir doch auch gleich da weiter, wo’s weh tut. Bei den Schauspielern, hrm. Cora Bentley mag zwar den ein oder anderen Tritt austeilen können - auch wenn man das Gefühl nicht loswird, dass sie in der ein oder anderen perfekt auschoreographierten Kampfszene gedoubelt wird – taugt aber als Schauspielerin so viel wie ILSA – SHE-WOLF OF THE SS als Familienunterhaltung.

Ihre Versuche, durch entsprechende Mimik und Gesten den Eindruck zu vermitteln, tatsächlich etwas mit dem Geschehen, das im Frauenlager stattfindet, etwas zu tun zu haben, sind absolut unerreicht. Die absolute Negation der Schauspielerei. In etwa so wie auch der Rest der Nasenbärenriege, die sich absolut unbeholfen durch dieses absolute Trashüberwerk krampfen. Ein reichhaltiges Quell an absoluter schauspielerischer Unfähigkeit. Ich bin begeistert.

Harmoniert diese Unfähigkeit doch fantastisch mit dem gigantischen Plothole das Ho und Schergen da als Pseudohandlung verkaufen wollen um zu rechtfertigen, dass Ninja an einem Exploiter vorbeihopsen, der von – wahrscheinlich – Kriegsgefangenen im zweiten Weltkrieg handelt und dann eine Geschichte von Zwangsprostitution und, auf dem Bildschirm, nicht wirklich stattfindender Rettung eben jener Zwangsprostituierten – na gut, zumindest einer davon – zusammenzimmert.

In diesem Sinne: „Die Ninja sind zu schlau. Unter dem Fußboden ist alles vermint!“ – tz, diese Ninja, verminen einfach das Niveau.

Frauenlager der Ninja Bild 1
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FAZIT:

Das absolute Maximum. Mehr Schwachfug geht nicht. Niemals, nie. DAS FRAUENLAGER DER NINJA ist das absolute Nonplusultra des Ninjaschwurbels, der totale Feuchttraum eines jeden Filmkannibalenfreundes. Mit diesem Schundwerk hat sich Godfrey Ho selbst übertroffen. Klar, die Ninja bekommen hier vergleichsweise wenig Zeit auf der Mattscheibe zugesprochen und fungieren rein prinzipiell eher als nettes Schmuckwerk um den Titel zu rechtfertigen, denn als wirkliche Film…helden. Aber das tut wahrlich nichts zu Sache, denn Ninja-Action gibt’s auch hier und was für welche. Da wird munter teleportiert, auf Wolken gewandert, Boot gefahren, Torpedos losgelassen, Wilhelm Tell gespielt und vor an Schnürfäden hängenden Raketen geflohen was das Zeug hält. Und das alles in einer Handlung, die eigentlich keine ist, mehr ein Konstrukt lose zusammenhängender Filmfehler, verbunden durch absolut Lachkrampf verursachende Dialoge par excellence. Ein Vollpfostenepos allererster Güte. Lehnt euch zurück, wärmt das Handgelenk auf – nein, nicht dafür, herrje, für die Gesichtspalmen natürlich -, schaltet das Gehirn aus und genießt dieses Konglomerat aus Frauenlager, Ninja und Schwachfug³.

WERTUNG: 10 von 10 verbuddelten Ninja-Wärtern.
Dein Kommentar >>
Chris | 17.02.2012 17:28
Als ich den Originaltitel las, musste ich lachen. Meine Söhne gingen
nämlich heute verkleidet in den Kindergarten. Einer als Ninja und
einer als Tiger.^^ Aber um beim Thema zu bleiben: In Sachen
Ninjafilm warte ich ja sehnsüchtig auf ein ordentliches DVD-Release
des großartigen Shô Kosugi-Kultklopper DIE HERRSCHAFT DER
NINJA.
Harald | 17.02.2012 20:14
ich wünsch mir eine große Sho Koshugi-Sammelbox.
Chris | 17.02.2012 22:31
ENTER THE NINJA! : )) Featuring: Shô Kosugi & Franco Nero...
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