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Freddy vs. Jason

Freddy vs. Jason

HORROR: USA, 2003
Regie: Ronny Yu
Darsteller: Robert Englund, Ken Kirzinger, Monica Keena, Jason Ritter, Kelly Rowland, Chris Marquette, Brendan Fletcher

STORY:

Die Bewohner Springwoods haben Freddy Kruger verdrängt und vergessen. Nur so konnten sie sicherstellen, dass er keine Macht mehr über sie ausüben kann. Freddy stinkt das natürlich gewaltig, weshalb er einen diabolischen Plan ausheckt. Er dringt in die Träume des gerade mal wieder nicht allzu lebendigen Jason Voorhees ein und bringt ihn dazu in Springwood ein kleines Blutbad zu verursachen. Die Einwohner Springwoods halten dies für das Werk Krugers, weshalb der immer stärker wird. Als er sich schließlich wieder selbst um blutige Handwerk kümmern will, weigert sich Jason allerdings ihm einfach so das Feld zu überlassen.

Ein blutiger Kampf der Giganten entbrennt.

KRITIK:

Und da soll noch mal einer behaupten, Kubrick hätte lange an seinen Filmen herumgewerkelt. Die zwei, der drei, bekanntesten Serien-Serienkiller Freddy Kruger und Jason Voorhees haben immerhin 16 Jahre gebraucht, um sich endlich mal die Flosse zu schütteln und mit FREDDY VS JASON ein Duell der Giganten auszurufen – allerdings nicht das DUELL DER GIGANTEN, das ist ‘ne ganz andere Geschichte. Nachdem Robert Englund bereits ‘84/’85 von Fans darauf angesprochen wurde, gab es um 1987 rum die ersten Pläne die beiden Charakterköpfe – hrhr – aufeinander treffen zu lassen. Doch während Kubrick die unzählige Zeit – kleines Wortspiel – die er in seine Filme investierte weitestgehend sinnvoll nutze, passierte seiner Zeit das, was wohl immer passiert und passieren wird, wenn zwei große Studios – in diesem Fall Paramount und New Line – zusammenarbeiten müssen – sie streiten sich. Und zwar mächtig. Keiner will klein beigeben, jeder will die kreative Kontrolle über alles und zu diesem Zweck die Rechte an der Figur des jeweils anderen. Und das die eigene Figur gewinnt, ist gar keine Frage. So kam man denn 16 lange Jahre nicht auf einen gemeinsamen Nenner – rückwirkend betrachtet allerdings, eine glückliche Fügung – und insgesamt wurden wohl ca. sechs Millionen Dollar ausgegeben, um 16, letztlich in der Versenkung verschwundene, Drehbücher schreiben zu lassen.

Nachdem Sean S. Cunningham sich nach FREITAG DER 13. Teil 8 – TODESFALLE IN MANHATTAN – dem letzten Film der Reihe, der unter dem Freitag der 13te-Banner erscheinen sollte, Darwin hab es selig – die Rechte an seinem Franchise zurückkaufte und diese letztlich an New Line Cinema gingen, waren dem Projekt Freddy K. gegen Jason V. im Prinzip wieder Tür und Tor geöffnet. Trotzdem sollten noch einmal etliche Jahre – ja, sogar ein ganzes Jahrzehnt – vorübergehen, eine wirklich und wahrlich abgrundtief schlechte (JASON GOES TO HELL) und eine bombastische, spaßige (JASON X) Fortsetzung folgten. Das Ende von JGtH deutet es im Prinzip schon an, das große Aufeinandertreffen der beiden – nun New Line gehörenden – Ikonen des Slasherfilms und kann somit als Einleitung gesehen werden. Regisseur Adam Marcus ließ im Audiokommentar jedoch verlauten, dass die Finale Szene in der Freddy Jasons Maske packt, mehr als kleiner Witz zu verstehen war, da ja nun beide demselben Unternehmen gehörten, als wirklich ein Hinweis auf einen bald folgenden FREDDY VS JASON.

Im Nachhinein ist man ja immer schlauer und rückwirkend betrachtet, muss ich sagen, dass es durchaus eine glückliche Fügung war, dass dieses Projekt nicht bereits früher zustande kam. Sicher, für die Fans mag es durchaus kein Spaß gewesen sein, so lange zu warten, doch was lange währt, wird endlich gut – so unterschrieb Robert Englund bereits 1999 für diesen Film. Mit FREDDY VS JASON ist letztlich ein Projekt zustande gekommen, dass ich mir anders nicht hätte vorstellen können, ein Fest für den Fanboy, an dem es nicht viel zu meckern gibt – ihr merkt, ich greife dem Fazit ein wenig vor, aber ich wollte es schon mal erwähnt haben – die wahrscheinlich bestmöglichste Realisation des großen Duells Böse gegen Böse.

Die Idee, Freddy genau das machen zu lassen, was er am besten kann, nämlich Träume zu manipulieren und auf genau diesem Weg Jason Voorhees zum gefügigen und fähigen Handlanger im Schnetzelgeschäft zu machen, ist in meinen Augen überaus geschickt. Schließlich können wir mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen – was schließlich in FREDDY VS JASON noch einmal bestätigt wird –, dass Jason niemals stirbt, sondern eher in eine Art tiefen Schlaf verfällt, in dem er dann von saftigen Titten an blutjungen, drogennehmenden und wenig gottesfürchtigen Schlampen träumt, die ihre letzten Stunden mit vollpfostigen, Drogen eigentlich nicht mehr brauchenden, Oberspackos in seinem geliebten Camp Crystal Lake verbringen. Ob Jason in FREITAG DER 13. Teil 6 – JASON LEBT nun durch den Blitz wirklich wiederbelebt wurde oder einfach nur verdammt unsanft geweckt – was wiederum erklären würde, warum er den Rest des Films über so schlecht drauf ist und jedem den Gar ausmacht, der ihm über den Weg läuft, wo er sich doch vorher zu vornehm zurückgehalten hatte – wurde, ist eine Diskussion wert, ich bin jedoch seit jeher eher Anhänger letzterer These. Meiner Meinung nach, war Jason bereits seit dem Unfall, der ihn das Leben kostete, nicht mehr als eine wandelnde Leiche und somit kaum in der Lage wirklich zu sterben.

Sich nun auszumalen, was passiert, wenn zwei durchgeknallte und eigentlich schon lange tote Serienmörderpsychopathen im selben blutigen Sandkasten – also der Elm Street – sitzen und sich um’s Schippchen – also, dauergeile, kiffende und saufende Jugendliche – streiten, ist ein Leichtes. Was jedoch nicht bedeutet, dass die Kernidee hinter FREDDY VS JASON, die das ganze Duell der Giganten letztlich ins Rollen bringt, langweilig oder gar doof wäre. Nein, sie ist so genial wie einfach und unglaublich unterhaltsam.

Überhaupt ist das Drehbuch die große Stärke FREDDY VS JASONS. Während auch Teil 1 und Teil 2 noch so etwas wie Drehbücher aufweisen konnten – auch JASON X nehme ich hier nicht aus – zeichneten sich vor allem die Nachfolger oftmals eher durch Titten und Gore aus. Hier jedoch zeigen Damian Shannon und Mark Swift, was sie als Schreiberlinge wirklich drauf haben. Es fällt gar schwer zu glauben, dass die beiden nur sechs Jahre später das hingerotzte Stück Scheiße verbrochen haben, dass Marcus „Wär ich doch mal bei Musikvideos geblieben“ Nispel in das unglaublich hingerotzte Stück Scheiße verwandelte, das das Remake einer der größten Slasher-Reihen aller Zeiten darstellen sollte. Hier jedoch haben die Beiden ganze Arbeit geleistet. Zwar mag das Ganze am Anfang noch etwas wirr sein, doch ist es schließlich auch keine einfache Aufgabe, beide Franchises sinnvoll miteinander zu verknüpfen und gleichzeitig jenen, die entweder nur eine der beiden Serien kennen oder gar komplette Novizen im Slashergenre sind, möglichst simpel das nötige Hintergrundwissen zu vermitteln. Zusätzlich zeigt sich auch die Sorgfalt, mit der die beiden beim Schreiben gearbeitet haben. So wird schon die sogenannte Nasenszene Kelly Rowlands bereits in der Exposition angedeutet – und zwar dezent und nicht mit aller Gewalt. Mir persönlich ist das sogar erst nach Sichtung des äußerst unterhaltsamen Audiokommentars mit Robert Englund, Ronny Yu und Ken Kirzinger aufgefallen.

Klar, eine super detailreiche Charakterisierung sucht man auch hier vergebens, wobei man vermutlich gar nicht danach sucht, denn was man letztlich sehen will ist ein Kampf auf Leben und Tod – beziehungsweise wohl eher auf Tod und Tod oder so –, dennoch gaben sich Shannon und Swift keinerlei Blöße und machten zumindest aus den Hauptcharakteren mehr als simple Abziehbilder billiger Wichsvorlagen. Man schafft es sogar so etwas wie Mitgefühl – vor allem für Will und Mark und vor allem für Lori – aufzubringen, weshalb es einem auch nicht schnurzpiepegal ist, ob einer dieser Charaktere draufgeht oder nicht. Man möchte gar, dass sie überleben. Was man von Trey, dem ersten Opfer nicht gerade behaupten kann, man freut sich gar schon auf dessen Ableben, was vom Drehbuch allerdings auch so vorgesehen ist. Auch das finale Aufeinandertreffen der beiden Giganten des Schlitzerfilms – der im Übrigen einige sehr intime Momente für die beiden bereithält – wirkt nicht konstruiert, sondern ergibt sich einfach auf Grund der Begebenheiten.

Die Regie des kampferprobten Ronny Yu tut ihr Übriges um das Seherlebnis FREDDY VS JASON abzurunden. Der Film fühlt sich die gesamte Laufzeit über an, wie einer seiner Verwandten, wie ein waschechter Slasherfilm, auch wenn man ihm sein Entstehungsjahr natürlich anmerkt – vor allem am Bild, dem jegliches Grobkörnige fehlt, das früher einen jedem Film seinen ganz eigenen Charme verlieh. Dennoch strahlt das große Finale unglaublich viel Energie aus, wird es zu etwas mehr als dem bloßen Aufeinandertreffen zweier Slasherikonen, verleiht dem gesamten Showdown etwas Explosives – im wahrsten Sinne des Wortes – und fühlt sich fast an, als würde Godzilla auf Mechagodzilla treffen. Yus Regie treibt den Film stark voran, lässt einem keine Sekunde Atempause, nimmt sich dabei dennoch trotzdem Zeit für die kleinen Dinge des Horrorfilms. So gibt es genug Szenen in denen durchaus Spannung aufkommt, in denen man nicht genau weiß, wird jetzt jemand Jasons Machete spüren oder nicht – ein Umstand, den man die letzten 8 Filme über völlig vermissen durfte. Auch die Traumsequenzen sind unglaublich gut in Szene gesetzt, erkennt man doch nie sofort, wo der Traum beginnt, wo die Realität endet. Stück für Stück werden diese Sequenzen immer surrealistischer, bis man sich schließlich sicher ist, dass die armen Opfer nun in Freddys Welt angekommen sind. Kleine Hinweise zu Beginn der Sequenzen lassen den aufmerksamen Zuseher allerdings ahnen, wann es soweit ist. Das ist wirklich schön gemacht – kann man gar nicht anders sagen.

Auf Seiten der Schauspieler haben wir es hier sogar mit Schauspielern zu tun… auch wenn Kelly Rowland ja eigentlich eher Musikerin ist, und somit dem ein oder anderen vermutlich aus der Gruppe Destinys Child bekannt ist. Dabei muss ich sagen, dass sie zwar kein überragendes Schauspieltalent ist, ihre Sache aber wirklich gut macht und als Fachfremde eine bessere Leistung abliefert, als alle Nasenbären zusammen, die bisher durch die Teile 3 bis 8 gegeistert sind. Monica Keena als Lori ist überaus überzeugend und eine durchaus sympathische Damsel in distress, der man es sogar gönnt, am Ende durchzukommen. Brendan Fletcher als Mark Davis hat mich genauso überzeugt, den geistig Verwirrten, der eigentlich gar nicht geistig verwirrt ist, nimmt man ihm definitiv ab. Robert Englund braucht man eigentlich gar nicht extra erwähnen, er ist Freddy und Freddy ist er – das passt einfach. Ken Kirzinger in der Rolle Jasons – im Übrigen ist Kirzinger Stuntmann, durfte allerdings aus versicherungstechnischen Gründen keine Stunts machen, da er als Schauspieler unter Vertrag stand – gefällt mir sehr viel besser als Kane Hodder. Zum einen ist seine Größe gewaltig, vor allem in Vergleich zu Robert Englund – was ja ursprünglich auch der Grund ist, warum Kirzinger gecastet wurde. Außerdem weiß seine Leistung als Jason sehr zu überzeugen.

Ein großes Lob geht nun noch an die Spezial Effekte-Abteilung, die wirklich vorzügliche Arbeit geleistet hat. Bei den Dreharbeiten wurde nämlich dankenswerterweise auf den Einsatz von digitalen Splattereffekten verzichtet. Das sieht man und das sieht wirklich gut. Vor allem die Effekte im Finale sind unglaublich spaßig anzusehen. Echte Handarbeit ist CGI-Dreck doch immer noch in jedem Fall vorzuziehen – im Übrigen sind die Stahlstreben von denen Jason aufgespießt wird, ein häufiger Unfallgrund auf Baustellen… oft genug nämlich fallen Leute drauf und spießen sich selbst auf. Denen tut das dann allerdings mehr weh als Jason.

In diesem Sinne: „Oooh, wie süß. Du hässliches Stück Scheiße!“

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FAZIT:

Mit FREDDY VS JASON ist zweierlei geglückt. Zum einen, einen – bis jetzt – wirklich gelungenen Endpunkt für das FRIDAY THE 13TH-Franchise zu setzen und zum anderen ein wirklich zufriedenstellendes – und ich denke das gilt für Anhänger beider Fraktionen – Aufeinandertreffen der beiden Horrorfilmikonen zu schaffen. FREDDY VS JASON macht unglaublichen Spaß, und das fern ab trashiger Schauwerte, sondern überzeugt durch technisches Geschick. Mit einem wirklich feinen Drehbuch, dass kleine Insider für Freunde beider Reihen bereithält, teilweise richtige Charaktere einführt und die beiden Titanen geschickt in die bombastische Schlacht schickt sowie der Regie Ronny Yus gestaltet sich FREDDY VS JASON zum puren Sehvergnügen – das sogar meine Freundin überzeugen konnte, und das will was heißen. Schlitzereien, Humor und eine vernünftige Handlung, was will man mehr. „The best of both worlds“ kann man nicht nur Shemale-Pornos untertiteln, nein, diese Phrase trifft in vollem Umfang auch auf FREDDY VS JASON zu, der mitunter spaßigsten Schlachtplatte des neuen Jahrtausends.

WERTUNG: 9 von 10 Nickerchen auf 'nem Rave.
Dein Kommentar >>
Marcel | 25.09.2011 20:43
Von den späteren auf jeden Fall der beste. Mein Klassiker bleibt aber der dritte.
Marcel | 25.09.2011 22:53
Oh, ehm, da hab ich mich aber selbst ziemlich übel reingelegt, mein Lob bezog sich eigentlich auf Jason X. Wie ich das jetzt hier untergebracht habe, ist mir selbst etwas schleierhaft.
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