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Girl from the Naked Eye

Girl from the Naked Eye

THRILLER: USA, 2012
Regie: David Ren
Darsteller: Sasha Grey, Jason Yee, Gary Stretch, Ron Yuan, Samantha Streets

STORY:

Jake (Jason Yee) hält, traurig auf dem Boden kauernd, eine tote Frau (Samantha Streets) in seinen Armen. Verantwortungsbewusst wie er ist, informiert er gleich die Polizei, die aber in ihrer grenzenlosen Dummheit natürlich nichts Besseres zu tun hat, als in Jake den Mörder zu sehen. Da sie aber nichts beweisen können, lassen sie ihn laufen und er beschließt in seiner Trauer um die tote, geliebte Prostituierte, deren Chauffeur er war, sich an ihrem Mörder zu rächen.

KRITIK:

Die Handlung und ihr Ablauf sollten also mehr oder weniger bekannt sein. In der Hinsicht wird also nichts Revolutionäres geboten, aber zu so einem Film greift man ja auch nicht, um eine komplexe, fesselnde Handlung zu erleben.

Na gut, dann halt zum nächsten Gesichtspunkt: Atmosphäre. Ein Film, der von sich behauptet, im Stile der Film Noirs aus den Vierzigern zu sein und dessen ganze Aufmachung schreit: "HE SCHAUT HER ICH BIN WIE SIN CITY!", sollte doch diese altbekannte, dreckig, coole Atmosphäre vermitteln, doch was die Bilder an sich vielleicht noch in einer etwas trashig überstilisierten Art und Weise schaffen, vereiteln die schlechten, teilweise etwas paradoxen Dialoge (unvergesslich bleibt der Dialog zwischen den Protagonisten Jake und dem bösen Puffvater Simon (Ron Yuan) über die eben erst verstorbene Sandy: Schreit Simon zuerst noch: "Sie war doch nur 'ne Nutte!", ist er eine Minute später ganz sanftmütig und tröstet: "Wir sind doch alle traurig, wir mochten sie alle.") und die Wagenladungen an inhaltsleeren Monologen von Jake, welche er im übrigen meist Auto fahrend hält, was in mir die Vermutung aufsteigen lässt, dass man auch noch etwas vom Erfolg des atmosphärischen DRIVE profitieren wollte.

Enttäuschend ist auch das Fehlen von Frauen in diesem Film: Bereitet einen das Cover noch auf einen actiongeladenen Film mit vielen leicht bekleideten Frauen vor, so hat man am Ende nur ein paar Brüste die durch das Bild gehüpft sind, einen drei Minuten Cameoauftritt, der am Cover noch so prominent besetzten Sasha Grey und ein paar Rückblenden, die daran scheitern, der toten Sandy einen tieferen Charakter zu geben.

Wobei diese Rückblenden noch das Beste am Film sind, zwar kennt man Derartiges (und besser inszeniertes) schon aus TAXI DRIVER oder LEON: DER PROFI, doch in diesen Momenten entwickelt der Film annähernd etwas wie Substanz.

Was vielleicht daran liegen mag, dass dort auch kaum Actioneinlagen enthalten sind, die bis auf die Kämpfe gegen den Schwarzen mit dem tänzelnden Capoeirakampfstil allesamt ziemlich langweilig inszeniert wurden. Da hilft es nicht einmal wenn man den Kampf in einem schmalen Gang etwas zu sehr an OLDBOY anlehnt. Wenigstens gibt es bei harten Schlägen ins Gesicht immer unecht wirkende CGI Blutwolken, die einem hin und wieder wenigstens, wenn auch ungewollt, ein Lächeln entlocken können.

Löblich finde ich eigentlich nur die Leistung von Gary Stretch, der den korrupten Polizeiboss Frank übermächtig, bedrohlich verkörpert und immer dann glaubwürdig macht, wenn ihm nicht wiedereinmal das Drehbuch einen Strich durch die Rechnung macht.

Selbst der Höhepunkt des Films, bei dem leichte Spannung aufkam wurde zerstört, als nach einem kurzen Dialog, der ruhig länger hätte sein können, ein Deus ex Machina auftaucht und damit die gesamte Handlung zum abrupten Abschluss bringt.

Girl from the Naked Eye Bild 1
Girl from the Naked Eye Bild 2
Girl from the Naked Eye Bild 3
Girl from the Naked Eye Bild 4
Girl from the Naked Eye Bild 5
FAZIT:

Ein trashig daherkommender Neo-Noir, der an seinen Vorbildern scheitert. Für einen feuchtfröhlichen Abend mit Freunden kann er gern einmal herhalten, aber auch da gibt es Besseres.

WERTUNG: 3 von 10 absurden Verstecken
TEXT © Dorian Pirpamer
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