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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Girls Trip

Girls Trip

KOMÖDIE: USA, 2017
Regie: Malcolm D. Lee
Darsteller: Regina Hall, Jada Pinkett Smith, Tiffany Haddish, Queen Latifah, Larenz Tate

STORY:

Vier Freundinnen mittleren Alters jetten nach New Orleans. Einige Absinth-Abstürze, zweckentfremdete Grapefruits und Goldene Duschen später haben sie ihr Ziel erreicht: Das Essence Music Festival, auf dem Ryan, ihres Zeichens prominente Autorin von trivialer Ratgeber-Literatur, eine Rede halten soll. Sie wird ein wenig improvisieren müssen ...

KRITIK:

"Rated R for crude and sexual content throughout, pervasive language, brief graphic nudity, and drug material". Das MPAA-Rating liest sich schon mal wie ein Versprechen - und siehe dar: Alles wahr.

Dabei konnte man in der Schwemme der Mädels-wollen-Spaß-und-landen-im-Chaos-Filme schon mal den Überblick verlieren. In dieser Saison hatten wir schon BAD MOMS 2 (besser als erwartet), GIRL'S NIGHT OUT (mit Scarlett Johansson zwar, aber sonst eher vernachlässigenswert), MÄDELSTRIP (mit Amy Schumer und Goldie Hawn, durchaus amüsant) und jetzt GIRLS TRIP.

Was die erlebnisorientierte Mädelsrunde aus GIRLS TRIP von der Konkurrenz unterscheidet, ist die Hautfarbe: Star-Autorin Ryan (Regina Hall), Gossip-Journalistin Sasha (Queen Latifah), Krankenschwester Lisa (Jada Pinkett Smith) und Schandmaul Dina (Tiffany Haddish) sind schwarz. Das hauptsächlich afroamerikanische Publikum war begeistert und ließ 100 Millionen Dollar an den amerikanischen Kinokassen liegen. Nicht übel für eine kleine, lustige Komödie, die sich auf gut wienerisch gesagt nix scheißt. Soll heißen: Die Schmähs sind ein gutes Stück tiefer gelegt als bei der weißen Konkurrenz. Höhepunkt des ausgelassenen Treibens dürfte dabei die Natursekt-Dusche über der Fußgängerzone sein, ein WTF-Moment möglicherweise historischen Ausmaßes.

Es ist ja so: Bei wirklichen guten Komödien erinnert man sich immer an die eine Szene: Das Sperma-Haargel in VERRÜCKT NACH MARY. Die Nackt-Wrestlingszene in BORAT. Die Elefantenbukkakeparty in DER SPION UND SEIN BRUDER. Die kollektive Brechdurchfall-Attacke in BRIDESMAIDS. Und von GIRLS TRIP wird, so prophezeihe ich, die besagte feucht-fröhliche Szene in Erinnerung bleiben. Aber seht selbst.

Wer gut gemachten Klamauk derberen Zuschnitts zu schätzen weiß, sitzt jedenfalls goldrichtig. Dass gegen Ende hin die Tonart wechselt und der Film ein bisschen ins Schmalzige - Verzeihung - Emotionale kippt, soll nicht verschwiegen werden. Grund zur Klage ist dies aber keiner: Theatralisch dick aufgetragene Freundschaftsbeschwörungen gehören schließlich zur Buddy-Komödie wie die Kruste zum Schweinsbraten. Und hier wird tatsächlich sehr dick aufgetragen. Hat aber gepasst.

Als Problemfall erweist sich allerdings die deutsche Synchronisierung. Ich meine: Einen Film, der sich wortreich darüber lustig macht, dass Weiße keinen schwarzen Slang verstehen, muss man einfach im Original sehen. Und zumindest in meinem Fall mit Untertiteln. Aber sag das mal unseren Kinobetreibern. Es läuft nämlich nur die deutsche Fassung. Vor circa 1000 Jahren war das noch anders. Das Wiener Votivkino hat damals ausgewählte US-Komödienhits (Austin Powers, Big Lebowski etc.) in Originalfassung mit Untertiteln gespielt. Der Slogan damals: "Hören Sie Mike Myers im Original und verstehen Sie jedes Wort." Das war eine der besten Ideen überhaupt. Zumindest für Leute wie mich, die eben keine Native-Speaker sind und dennoch gerne mehr als nur jeden dritten Satz verstehen möchten.

Girls Trip Bild 1
Girls Trip Bild 2
Girls Trip Bild 3
Girls Trip Bild 4
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Girls Trip Bild 6
FAZIT:

Wehe, wenn sie losgelassen: Vier Party-Gören unter der fachkundigen Leitung von Queen Latifah machen New Orleans unsicher. Niveau ist eine Hautcreme in dieser herrlich tiefergelegten, im Wortsinne schwarzen Chaos-Komödie mit viel Musik und Gast-Auftritten von P. Diddy, Estelle und Mariah Carey. Hat mir getaugt.
In diesem Sinne: "Nimm deinen Arm da weg!" - "Das ist nicht mein Arm."

WERTUNG: 7 von 10 Grapefruits
Dein Kommentar >>
Valentin | 09.12.2017 13:15
Nachdem Frauen in Komödien Jahrelang eher nur der langweilige Gegenpart zu den lustigen Männern war, ist es ja zu begrüßen, dass sich in den letzten Jahren auch derebere Frauenrollen im Mainstream durchsetzen. Aber bei dem Film, ähnlich wie bei Ghostbusters find ichs einfach zuviel des guten wenn 80% der Dialoge sich um Geschlechtsteile, Geschlechtsverkehr, das was aus dem geschlecht rauskommt oder sonst irgendwas mit Geschlecht drehen. Bei "Männerkomödien" ist das meist nur auf eine Rolle beschränkt. Ja mittlerweile hab ichs kapiert, auch Frauen können (und sollen") derb sein, aber in diesen Film wirds irgendwann nur Platt und nervig. Bei Bridesmaids gabs sowas z.B. zwar auch zuhauf, aber da wurde irgendwie trotzdem genug Platz für die Charaktere gelassen. Find deshalb den Film relativ furchtbar.
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