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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Gruber geht

Gruber geht

TRAGIKOMÖDIE: A, 2014
Regie: Marie Kreutzer
Darsteller: Manuel Rubey, Bernadette Heerwagen, Doris Schretzmayer, Pia Hierzegger

STORY:

Gruber geht es gut: Lukrativer Job in der Werbung, Sportwagen, Designermöbel, jede Menge "Weiber", wie er sich auszudrücken pflegt, teuren Wein und gerne mal ein Naserl. Mehr braucht einer wie Gruber nicht zum Glücklichsein. Gruber geht es gar nicht gut: Diese verdammte Krebsdiagnose zieht ihm den Boden unter den Füßen weg. Gruber geht? Nein, denn da gibt es eine Frau aus Berlin, Sarah, die für Gruber etwas empfindet. Und er für sie auch. Das ist neu für Gruber. Und Sarah wird Gruber so schnell nicht gehen lassen ...

KRITIK:

Mit dreijähriger Verspätung hab ich das Buch von Doris Knecht doch noch gelesen. Und bin - hurra - rechtzeitig vor dem Kinostart fertig geworden. Kurz-Fazit vorweg: Buch sehr gut, Film fast noch besser.

Meine Befürchtung war ja, dass die Regisseurin versucht sein könnte, den atemlosen, schnoddrigen, aber auch sehr rhythmischen Schreibstil Knechts in eine ebensolche Filmsprache zu übersetzen. So was kann bekanntlich leicht ins Auge gehen. Ein Beispiel siehe hier.

Die frohe Botschaft: Marie Kreuzer hat diesbezüglich nahezu alles richtig gemacht. Die Regie verzichtet auf Effekthascherei und entscheidet sich für klare, ruhige, im durchaus positiven Sinne mainstreamige Bilder. Wer sich vor der unangenehmen Krebsdramatik fürchtet, dem sei gesagt, dass wir es immer noch mit einer Komödie zu tun haben. Okay, einer Tragikomödie, einer (unkitschigen) Lovestory, einer Entwicklungs- und - ich denke, die Spoilerwarnung kann ich mir schenken - Überlebensgeschichte.

Die Pointen sitzen - wiewohl einige Ecken und Kanten des Romans doch glattgebügelt wurden. Doris Knecht schreibt beispielsweise sehr ausführlich und gekonnt über Sex aus weiblicher Perspektive. In den Film haben es diese Passagen nicht geschafft. Auch die Drogenvergangenheit von Grubers Schwester und das Alkoholproblem ihres Mannes (von Gruber nur verächtlich "der Spießer" genannt) werden dem Kinobesucher verheimlicht.

Aber im Großen und Ganzen fallen diese Straffungen nicht weiter ins Gewicht. Im Film halten sich Komik und Dramatik in etwa die Waage. Ein Film dieser Art steht und fällt natürlich mit seinen Darstellern. Manuel Rubey ist ausgesprochen souverän als schnöseliges Wiener Yuppie-Arschgeigerl, das man in all seiner goscherten Lässigkeit schon auch irgendwie gernhaben muss. Man stelle sich einen Typ wie Hugh Grant in ABOUT A BOY vor, nur halt nicht ganz so fesch, dafür mit Wiener Schmäh und mehr Rock 'n Roll-kompatiblen Substanzen in der Blutbahn. 

Auch Doris Schretzmayer als Schwester Kathi und Bernadette "Todesengel" Heerwagen als spröd-charmante Berliner Musikerin fügen sich gut in ihre Rollen. Wie sie den Yuppie Gruber zum Menschen machen, das ist solides Unterhaltungskino mit emotionalem Mehrwert.

Oder weniger gestelzt ausgedrückt: Ein schöner, witziger, kluger und dem Sujet angemessen melancholischer Film, in dem auch die Musik eine wichtige Rolle spielt. Neben einigen Bob Dylan-Songs, deren Rechteerwerb man durchaus als Coup bezeichnen kann, kommt die österreichische Indie-Avantgarde (Naked Lunch, Bilderbuch, Gustav) zu Soundtrack-Ehren.

Gruber geht Bild 1
Gruber geht Bild 2
Gruber geht Bild 3
Gruber geht Bild 4
Gruber geht Bild 5
FAZIT:

Einem Kotzbrocken, der eigentlich gar keiner ist, geht es (beinahe) an den Kragen. Buch sehr gut, Film fast noch besser. Unpeinliches, von einem geschmackssicheren Soundtrack angetriebenes Unterhaltungskino aus Österreich, das die Balance zwischen Komik und Dramatik perfekt hinkriegt. Geht's ins Kino!

WERTUNG: 8 von 10 ungeöffnete Briefe
Dein Kommentar >>
Monika | 13.02.2015 14:00
Lass dir von einer Frau gesagt sein: Manuel Rubey ist viel fescher als Hugh Grant! ;-)
Im übrigen hab den Film ich gestern in seiner 3.(?) Woche in einem bummvollen Kino gesehn. Das freut dann schon sehr bei einem österreichischen Film.
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