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Halloween 2 - Das Grauen kehrt zurck

Halloween 2 - Das Grauen kehrt zurück

OT: Halloween II
HORROR: USA, 1981
Regie: Rick Rosenthal
Darsteller: Jamie Lee Curtis, Donald Pleasence, Charles Cyphers, Jeffrey Kramer, Lance Guest, Pamela Susan Shoop

STORY:

Michael Myers hat den Angriff durch Doktor Loomis in Teil 1 überlebt. Nachdem Laurie Strode ins Haddonfield Memorial Hospital gebracht wurde, macht sich auch Michael auf den Weg um sein blutiges Werk zu beenden. Währenddessen versucht Dr. Loomis verzweifelt ihn aufzuhalten.

KRITIK:

Im Jahre 1978 schrieb ein kleiner, recht billig produzierter Horrorfilm aus der Feder Debra Hills und Johne Carpenters, sowie unter seiner Regie, Kinogeschichte. Die Rede ist von HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS. Ein Film, der die Massen das Grauen lehrte, das Horrorgenre revolutionierte und ein neues Subgenre erschuf. Und, was wohl aus Studiosicht das Wichtigste ist, ein Film der unglaublich an den Kinokassen abräumte.

Wenig verwunderlich ist es also, dass das Grauen 1981 nach Haddonfield zurückkehrte – auch wenn es nie wirklich verschwunden war, doch dazu gleich mehr. Wie schon bei Teil 1 wurde das Drehbuch zu HALLOWEEN 2 – DAS GRAUEN KEHRT ZURÜCK vom Autorengespann Carpenter/Hill verfasst. Letzterer bestieg allerdings für die Fortsetzung nicht mehr den Regiestuhl sondern überließ ihn Rick Rosenthal. Einem Anfänger, für den HALLOWEEN 2 die erste Regiearbeit für die große Leinwand bedeutete. Ein gewagtes Unterfangen, doch wie das mit gewagten Unterfangen so ist, manchmal gelingen sie, manchmal nicht. Und in diesem Fall ist dieses gewagte Unterfangen mal so was von gelungen. Inzwischen ist Rick Rosenthal der einzige Regisseur, der mehr als einen Teil der HALLOWEEN-Reihe inszenieren durfte. Und man könnte glatt meinen, er hätte sein Talent verloren und sein Handwerk verlernt, wäre seine Inszenierung nicht das einzige, dass HALLOWEEN: RESURRECTION vor dem Totalabsturz bewahrt hätte.

Rick Rosenthal hat’s drauf, das sei gleich zu Beginn einmal gesagt. Gut, er startete auch zu den günstigsten und besten Bedingungen, denn es galt für ihn das fantastische Drehbuch zu verfilmen, das John Carpenter und Debra Hill ihm als Vorlage lieferten. Hier stimmt eigentlich so gut wie alles. HALLOWEEN 2 schließt nahtlos an die Geschehnisse des ersten Teils an. Denn nachdem Doktor Loomis Michael erschossen hatte und der aus dem Fenster gestürzt ist, war er nicht mehr da. Nun erfahren wir, was danach passiert ist. Und es beginnt ein irre spannendes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Loomis und seinem Nemesis Michael Myers. Während der Zuschauer bereits früh erfährt, wo sich Michael Myers aufhält und dass die Gefahr für Laurie Strode noch lange nicht vorüber ist, tappt Doktor Loomis noch immer im Dunklen und bekommt von den örtlichen Polizeibehörden, seinem Arbeitgeber und sogar dem Gouverneur, auf der Jagd nach Myers, immer neue Steine in den Weg gelegt. Die Zeit läuft ab, doch Loomis scheint sich immer weiter von einer Lösung des Problems wegzubewegen.

Während man nun denken könnte, es sei ein grober Schnitzer, ein plumper Handlungsfehler im Drehbuch, dass niemand im Krankenhaus nachsieht, ist genau dem eben nicht so. Es gibt keinen wirklichen Grund zu vermuten, dass Myers noch immer hinter Strode her ist, denn nicht einmal Dr. Loomis selbst weiß, was die beiden verbindet. Und so scheint Laurie auf den ersten Blick bloß ein weiteres Opfer auf den mörderischen Pfaden Michael Myers zu sein. Seine Motivation, sein innerer dunkler Antrieb ist in diesem Teil noch nicht einmal seinem Psychater Dr. Loomis bekannt, der bloß vermuten kann, welch dunkle Mächte in Michael arbeiten und ihn dazu veranlassen dies oder jenes zu tun. So, wie die unbestimmte dunkle Macht ihn dazu verleitete 15 Jahre in fast völliger Regungslosigkeit zu warten, bevor er sich am 31. Oktober des Jahres 1978 völlig unvermittelt auf den Weg machte um Haddonfield heimzusuchen.

Die Figuren sind dabei durchgehend ziemlich fein gezeichnet. Klar, dass übliche Schlachtvieh ist natürlich dabei und nicht für jeden, der da lediglich 10 Minuten durchhält, um anschließend von Michael Myers auf ziemlich kreative Weise um die Ecke gebracht zu werden, dürften Hill und Carpenter weitreichende Charakterbiographien verfasst haben, um ihren inneren Antrieb offen zu legen. Aber das verlangt auch niemand. Wichtig ist bloß, dass keine der auftretenden Figuren den Eindruck macht, bloß ein billiges Abziehbild zu sein, das man einfach mal an die richtige Stelle geklebt hat. Und, ganz wichtig, keine der Figuren nervt – außer vielleicht Budd, aber der ist auch genauso gedacht, denn solche Leute gibt’s. Der Vorteil im Film ist allerdings, dass Myers uns alsbald von ihnen erlöst. Spannend ist übrigens über die gesamte Reihe hinweg die Entwicklung Dr. Loomis‘ zu betrachten.

In diesem Teil ist der Psychiater in Bezug auf Michael noch ziemlich unerfahren, und das obwohl er bereits 15 Jahre mit ihm gearbeitet hat – 15 Jahre allerdings, die Michael in einer Art Starre, schweigend, in seinem Zimmer verbracht hat. Er ist nicht Herr der Lage und nicht nur äußerst fahrig, sondern fast schon ein wenig hysterisch bei seinen Versuchen, seinem Widersacher endlich das Handwerk zu legen. Im weiteren Verlauf der Handlung wurde Dr. Loomis dann sicherer, bevor er begann durch die Arbeit mit Michael und dessen ständiger Bedrohung den Verstand zu verlieren und völlig irre wurde. Rückwirkend betrachtet gefällt mir dieser Loomis hier am besten. So wie er versucht sich zu erklären und die anderen vor der absolut tödlichen Bedrohung durch Myers zu warnen, durch seine fahrige Art jedoch ständig mit einem Bein in einer Arrestzelle oder seiner eigenen psychiatrischen Einrichtung steht.

Auch Michael Myers ist in HALLOWEEN 2, als zurückkehrendes Grauen, so verspielt wie nie mehr danach. Wie er durch die Gänge schleicht und seinen Opfern lauernd eine letzte Gnadenfrist gewehrt, wie er seine Spielchen spielt – mit Mr. Garrett zum Beispiel, dem Wachmann – und dann auf absolut bösartige Weise zuzuschlagen und mit allem, was eine Klinik so her gibt, für einen ordentlichen Bodycount zu sorgen. Der Michael Myers wie wir ihn hier sehen, ist weit entfernt vom bloßen Stalker wie wir ihn in späteren Filmen zu sehen bekommen. An das sadistische Vergnügen, welches er sich hier bereitet, reichte bislang kein Myers – auch nicht in den guten Fortsetzungen – mehr heran. Dies liegt vor allem auch an Dick Warlock, der hier den Michael Myers mimt. Obwohl er mit 1,75 Meter den kleinsten Myers der gesamten Reihe darstellt, fällt dies nicht auf, nein, in gewisser Weise überragt er seinen Vorgänger und seine Nachfolger sogar. Wie er mit stoischer Ruhe und Gelassenheit seinen Opfern hinterherhumpelt, wie er sie mit seinem Blick durchdringend ansieht – und das obwohl man seine Augen durch das Spiel aus Licht und Schatten oftmals nur erahnen kann. Dieser Michael Myers jagt einem auch heute noch, 31 Jahre nach seiner Premiere, Schauer über den Rücken.

Der 1981 nicht mehr junge, aber durchaus noch jung aussehende Donald Pleasence spielt seine durchaus interessante Rolle auf eine tolle Weise. Immer haarscharf an der Grenze zum Overacting, aber dennoch dosiert eingesetzt, und sehr überzeugend. Auch Jamie Lee Curtis, meiner zweitliebsten HALLOWEEN-Scream Queen, steht der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Dass sie nach einer solch schrecklichen Nacht nicht mehr kann, ist absolut verständlich und wie sie da so geschunden durch die Gänge kriecht, immer auf der Flucht vor Michael Myers, da kann man gar nicht anders als mitzufiebern.

Allein schon deshalb nicht, weil die Inszenierung von HALLOWEEN 2 – DAS GRAUEN KEHRT ZURÜCK dem Zuschauer keine Sekunde Verschnaufpause gönnt. Die Spannung steigert sich, stetig und langsam ansteigend vom Anfang bis zum Ende, ins schier unerträgliche bis es im großen Finale letztlich endlich kracht und die Anspannung von Laurie als auch vom Zuschauer abfällt. Die Szene in der Laurie auf der Flucht vor Michael versucht durch ein hochgelegenes Kellerfenster zu entkommen, während der stoisch und ohne schneller zu werden langsam hinter ihr her schleicht, ist dabei das Kernstück und an Spannung kaum zu überbieten. So geht Spannung. Die bedrohliche Atmosphäre, das Gefühl, dass Laurie Michael Myers in dem verlassenen Krankenhaus regelrecht ausgeliefert ist, tut da ihr Übriges.

In diesem Sinne. „Warum stirbst du nicht?!

Halloween 2 - Das Grauen kehrt zurück Bild 1
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FAZIT:

Selten war HALLOWEEN so gut, nie war Michael Myers bedrohlicher als in HALLOWEEN 2 – DAS GRAUEN KEHRT ZURÜCK. An Spannung und Atmosphäre kaum zu überbieten, erschufen Debra Hill, John Carpenter und Regisseur Rick Rosenthal ein pures Goldstück des Slasherkinos, der sich die 10 von 10 Punkten auf der patentierten FILMTIPPS.at-Skala mit jeder Filmsekunde verdient. Die Morde sind brutal und kreativ, die Situation scheint ausweglos, Myers spielt mit seinen Opfer mit einem sadistischen Vergnügen, das seines Gleichen sucht und der gelungen Score verbindet sich mit den nervenaufreibenden Bildern zu einem atmosphärisch dichten Horrorfilm, der auch über 30 Jahre nach seiner Premiere absolut zu überzeugen weiß.

WERTUNG: 10 von 10 Nadeln im Auge. Aua.
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