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Halloween 5 - Die Rache des Michael Myers

Halloween 5 - Die Rache des Michael Myers

OT: Halloween 5: The Revenge of Michael Myers
HORROR: USA, 1989
Regie: Dominique Othenin-Girard
Darsteller: Donald Pleasence, Danielle Harris, Ellie Cornell, Beau Starr, Jeffrey Landman, Tamara Glynn, Jonathan Chapin

STORY:

Ein Jahr nach HALLOWEEN 4: Michael Myers hat sich 'ne Auszeit genommen und etwas ausgeruht, weshalb er es jetzt wieder so richtig krachen lassen kann. Schließlich lebt seine Nichte Jamie noch. Und was ein richtiger Michael Myers ist, kann das natürlich nicht auf sich sitzen lassen.

KRITIK:

Ähnlich wie schon Teil 2 schließt auch HALLOWEEN 5 – DIE RACHE DES MICHAEL MYERS fast nahtlos an seinen Vorgänger – den überaus bombastischen HALLOWEEN 4 – DIE RÜCKKEHR DES MICHAEL MYERS – an und führt die Geschichte fort. Während HALLOWEEN 2 die Geschichte allerdings fortführte und durchaus als guter Film bezeichnet werden kann, geht der fünfte Teil ganz andere Wege. Ums kurz zu machen und schon mal ein wenig vorzugreifen – hier haben die Macher so ziemlich alles versemmelt was man bei einem HALLOWEEN-Film nur versemmeln kann.

Alles was DIE RÜCKKEHR DES MICHAEL MYERS richtig gemacht wurde – und das war einiges, der Film kann mit Fug und Recht als einer der besten Beiträge zur Reihe bezeichnet werden und hat daher auch 9 Punkte auf der patentierten filmtipps.at-Punkteskala bekommen – wurde bei seinem direkten Nachfolger falsch gemacht. Und nicht nur das, nein, man ging noch einen ganzen Schritt weiter und fügte dem Franchise dermaßen schwere Wunden zu, dass es ein leichtes war ihm mit dem folgenden sechsten Teil (HALLOWEEN 6 - DER FLUCH DES MICHAEL MYERS) den finalen Todesstoß zu versetzen. Aber, schön der Reihe nach.

Man merkt es schon am Vorspann, dass hier ein ganz anderer Ton angeschlagen wurde als noch ein Jahr zuvor – jap, richtig, kein ganzes Jahr hat es gedauert, bis HALLOWEEN 5 zum ersten Mal auftauchte, was mit Sicherheit an dem Recht großen Erfolg des Vorgängers liegt. Während Teil 4 schon in den ersten fünf Minuten eine absolut bedrohliche Atmosphäre aufbaute, geht’s hier um einiges generischer zur Sache. Schön und gut, nachdem man den Vorspann hinter sich gebracht hat, bekommen die ganz vergesslichen unter den Zuschauern noch einmal die Geschehnisse von Teil 4 vorgespielt – so wie’s auch bei FREITAG DER 13. – TEIL 3 der Fall war. Da man an genau diesen Geschehnissen anknüpfte wurden die Ereignisse dieser Nacht zu Ende erzählt und genau da fängt dieser Film auch schon an zu nerven – und wie er das tut. Und das ist vor allem einem geschuldet: dem Drehbuch. Diesem unsäglichen, verdammten, einfach dahingerotzten Stück Papier, das sich Drehbuch schimpft. Da schleicht sich Michael Myers durch die Mine, in die er gestürzt ist, davon wie einst Sylvester Stallone als RAMBO, nur um dann von einem einsamen Eremiten mit Papagei – oder ist’s ein Penner? Man kann’s nicht genau sagen – aufgelesen und gesund gepflegt zu werden. Zeitsprung und es ist ein Jahr später.

Michael Myers hat plötzlich ein Tattoo mit einer seltsamen Rune am Handgelenk und eine andere Maske – vielleicht war ja an der anderen was dran und der nette Eremit, der trotzdem seinen Kopf für den ersten Mord des Films hinhalten muss, hat sie ausgetauscht… was weiß ich. Man merkt also wohin das führen soll. Mystischer Nonsense. Gut, ich habe ja bereits im letzten Review geschrieben, dass ich ein Freund der „Michael ist das personifizierte Böse“-Theorie bin, aber ach du guter Herr, was soll denn das bitte schön mit heidnischen Kulten und Runen zu tun haben? Je mehr man versucht den Hintergrund Michaels Verhalten zu erklären, desto mehr büßt er von der dunklen Faszination des Unbekannt ein, die ihn umgibt. Das wird noch dadurch verstärkt, dass man Michael zwei Mal ohne Maske sieht – ja einmal zieht er sogar kurzzeitig eine andere an. „Was zum Geier?“ kann man da nur fragen, denn das ist nicht der Michael Myers, den wir kennen und lieben. Auch sonst verhält er sich sehr ungewohnt und Myers untypisch – muss wohl am einjährigen Koma gelegen haben. Was dieser Schwachfug überhaupt soll, kann mit Sicherheit nicht mal Daniel Farrands beantworten. Der gute Schlachtermeister Michael steckt ja in der Regel so allerlei weg – Prügel, Kugeln über Kugeln (und im Finale dieses Teils noch so einiges anderes) –, aber von einem gefühlten 1,50 Meter Sturz fällt er ein Jahr ins Koma. Ja, nee, is‘ klar.

Zu Gute halten kann man Farrands ja, dass er einige wichtige Figuren aus Teil 4 auch in diesen Film mit rüber rettete, aber da hört‘s dann auch schon wieder auf. Rachel – Jamies Stiefschwester –, die meiner Meinung nach sympathischste Figur in beiden Filmen, wird hier nach gut und gerne 20 Minuten bereits verwurstet und zur damsel in distress wird ihre beste Freundin (warum haben wir von der eigentlich bisher nichts gehört?) Tina – und damit eine Person die so nervig ist, dass man ihr schon nach 10 Sekunden einen grausamen Tod wünscht. Aber, so ist das halt mit Michael Myers, nie isser da wenn man ihn braucht. So müssen wir Tina fast den gesamten Film hindurch ertragen. Und als wäre eine Tina nicht genug hat sie dann auch noch einen Freund – Michael heißt der und ist ein Schmock wie er im Buche steht. Ein Arschloch sondergleichen, dessen Tod nicht annähernd proportional zu seiner Nervigkeit steht.

Ihr merkt schon, hier haben wir ein weiteres großes Problem des Drehbuchs erkannt. Die Figuren die sich in Haddonfield tummeln sind allesamt nervige Hohlbratzen, klischeehafte und nervige Abziehbilder, wie man sie selten in einem FREITAG DER 13.-Film findet – und die sind ja dafür bekannt nerviges Kanonenfutter an die Front zu schicken, dem man den Tod förmlich an den Hals wünscht. Das Fass zum Überlaufen bringen dann die beiden comic relieve-Bullen, deren erster Auftritt allen Ernstes mit irgendwelchen Zirkus-Clown-Geräuschen unterlegt wurde. Heilands Sack – kann man noch tiefer sinken? Ja, die Clowns, die diesen Film hier verbrochen haben können, denn schwupps wird der „Der schwarze Mann“-Handlungsstrang eingeführt der, mehr oder weniger, im nächsten Teil aufgelöst wird. Supsense, Thrill… sucht man vergebens, denn diese Figur und der gesamte mit ihr zusammenhängende Handlungsstrang sind an Lächerlichkeit kaum zu überbieten und kumuliert schließlich in den Geschehnissen, die der Reihe mit dem 6. Teil schließlich den Todesstoß verpassen sollten.

Man merkt es klar und deutlich, das Drehbuch ist einziges Verbrechen an der Figur Michael Myers, am Franchise und an John Carpenter, der sich mit Sicherheit heimlich schämt, dass sein Name in Zusammenhang mit diesem Werk genannt wird. Denn als wäre all das oben genannte nicht schon schlimm genug, strotzt dieses Drehbuch auch nur so vor Plotholes und Logikfehlern. Allein dass Dr. Loomis überall da materialisiert, wo er gerade gebraucht wird, ist schon ein kleines Wunder. Aber, dass ein kleines Kind auf freier Strecke vor einem Auto davonrennen kann – und überhaupt, ein Michael Myers der versucht seine Opfer übern Haufen zu fahren? Das ist als hätte er im letzten Teil geschossen anstatt des Sherriffs Tochter mit der Flinte an die Wand zu nageln – man achte auf die Details, an die Wand zu nageln, nicht an der Wand zu nageln, hrhr.

Lediglich Loomis geistiger Verfall und sei immer größer werdender Wahnsinn, der ihn dazu treibt die kleine Jamie auch nicht unbedingt liebevoller zu behandeln als Michael es tun würde, sind eine gelungen Handlungsentwicklung. Getragen wird das natürlich vor allem von Donald Pleasence‘ grandioser Darstellen als Dr. Loomis – gratious overacting voraus. Danielle Harris liefert auch in DIE RACHE DES MICHAEL MYERS wieder eine sehr gute Vorstellung als Michaels Nichte Jamie Lloyd ab. Vor allem da Jamie seit sie ihm letzten Teil Michaels Hand berührt hat irgendwie mit ihm verbunden zu sein scheint – absoluter Käse, wenn mich wer fragt – und somit einige extreme Anfälle zu spielen hatte. Das macht sie auch ziemlich gut und mit viel Überzeugungskraft. Allerdings ist die kleine Jamie bereits im letzten Teil haarscharf am „auf die Nerven gehen“ vorbeigeschrammt, hier jedoch kracht sie mitten rein. Trotz der wirklich guten Darstellung Harris ist Jamie einfach nur verdammt nervig und passt sich damit im Prinzip nur an den restlichen Cast an. Beau Starr, der ein Jahr zuvor noch einen charismatischen Sheriff spielen durfte, könnte hier in den fünf Minuten Screentime auch von einem Kartoffelsack gespielt worden sein und wie erwähnt sind die restlichen Figuren dermaßen nervig, dass selbst der Versuch ihrer Darsteller sie weniger nervig zu machen, absolut scheitern würde – versuchen tun sie’s allerdings gar nicht.

Das einzige – und ja, das wirklich einzige – das HALLOWEEN 5 – DIE RACHE DES MICHAEL MYERS davor rettet ein absoluter Rohrkrepierer vor dem Herrn zu sein, ist Dominique Othenin-Girards gekonnte und gelungene Inszenierung – zumindest teilweise. Denn weiter könnte sie von der durchgehend düsteren und atmosphärisch dichten Inszenierung Littles (also von Teil 4, nech) kaum entfernt sein. Hier ist alles ein bisschen bunter, ein bisschen lauter, ein bisschen nerviger. Und doch versteht Othenin-Girard sein Handwerk so gibt es doch einige wenige wirklich spannende Passagen zu begucken. So zum Beispiel die Jagd nach Jamie auf die sich Michael während der Klimax begibt. Das war’s dann aber auch schon wieder und reicht nicht wirklich aus um den Film gänzlich zu retten. Grundlegend kann man also sagen, dass Othenin-Girads Arbeit einerseits das Beste aus dem grottigen Drehbuch rausholt, andererseits aber seinen Teil – die dämlichen Bullen und ihr Clowns-Auftritt – dazu tut um Teil 5 der HALLOWEEN-Reihe zu dem zu machen was es ist. Und was ist es letztlich? Dazu mehr im Fazit.

Halloween 5 - Die Rache des Michael Myers Bild 1
Halloween 5 - Die Rache des Michael Myers Bild 2
Halloween 5 - Die Rache des Michael Myers Bild 3
Halloween 5 - Die Rache des Michael Myers Bild 4
Halloween 5 - Die Rache des Michael Myers Bild 5
Halloween 5 - Die Rache des Michael Myers Bild 6
FAZIT:

Oh, da seid ihr ja schon wieder. So, beantworten wir die Frage was HALLOWEEN 5 – DIE RACHE DES MICHAEL MYERS eigentlich ist. Nun, zu allererst und vor allem ein verdammtes Verbrechen am HALLOWEEN-Franchise und ein verdammt schlechter Slasher. Schauen wir mal, ob wir drei Gründe zusammenbekommen um sich HALLOWEEN 5 anzuschauen. 1. HALLOWEEN 5 ist ein fester Bestandteil der zweiten HALLOWEEN-Trilogie. 2. Dr. Loomis – denn dessen wachsender Wahnsinn zusammen mit Pleasences gratious overacting ist nicht ganz uninteressant. 3. … ja, da hört’s schon auf. Nicht mal als Party-Film würde ich dieses Werk empfehlen, da rate ich dann eher zum Kollegen Jason Voorhees und seiner FREITAG DER 13.-Reihe, denn da hatte man schon früh angefangen einzusehen, dass Sex und Teenieschlachten die überzeugenden Verkaufsargumente sind und fast durchgehend dafür gesorgt, dass das nervige Fußvolk schnell und grausam – vor allem expliziter als bei HALLOWEEN 5 – ins Gras beißt. Interessant wird’s somit also allenfalls für Komplettisten und beinharte HALLOWEEN-Fans die die Jamie Lloyd-Trilogie nicht aus dem Kanon der HALLOWEEN-Reihe streichen wollen.

Wenn man’s so sehen will, haben wir hier das HALLOWEEN-Äquivalent zu JASON GOES TO HELL.

In diesem Sinne: „Hier gibt’s nichts zu sehen!“ – sagt zwar keiner im Film, passt aber ganz gut.

WERTUNG: 3 von 10 kleinen Miezekätzchen.
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