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Heute ist Freitag

Heute ist Freitag

DDR-FERNSEHFILM: DDR, 1975
Regie: Klaus Gendries
Darsteller: Nina Hagen, Dieter Montag, Ursula Werner

STORY:

Jutta und Peter sind ein Paar und in der Deutschen Demokratischen- wird mit Sexualität bei weitem nicht so prüde umgegangen wie in der Bundes Republik. Eines Tages dämmert es Jutta, dass sie vielleicht schwanger sein könnte. Sie macht sich auf zu ihrem Arzt, doch weil Freitag ist, muss sie übers Wochenende auf die Testergebnisse warten...

KRITIK:

Seht sie euch an, ist sie nicht niedlich die Jutta. In HEUTE IST FREITAG ist Nina Hagen gerade mal zwanzig und, man möge mir verzeihen, auch wesentlich netter anzusehen als Heute. Nina (geb. Catharina) Hagen ist 1955 in Ost-Berlin zur Welt gekommen und macht deshalb ihre ersten Filmerfahrungen folgerichtig in der DDR. Perfekt passt sie in die kindlich-naive Rolle der Jutta, die an einem Wochenende ihr gesamtes Leben gleich mehrmals umkrempelt (zumindest gedanklich). Schauspielerische Qualitäten kann man Nina Hagen nach diesem Film kaum mehr absprechen, auch wenn sie von der Staatlichen Schauspielschule zu Berlin abgelehnt wurde. Auch Dieter Montag wurde für die Rolle des Peters sehr gut besetzt. Sechs Jahre älter als Hagen und bei weitem erfahrener, nimmt er die junge Nina an die Hand und so fügen sich beide zu einem durchaus authentischen Paar, welches mit den für eine unerwartete Schwangerschaft typischen Fragen des Lebens zu kämpfen hat.

Manch jemand wird sich jetzt wohl fragen, warum der Typ (also ich), einen bald 40 Jahre alten DDR-Fernsehfilm bespricht. Nun ja, HEUTE IST FREITAG gehört zu jenen Filmen, die sich mit einem solide verarbeiteten Möbelstück vergleichen lassen. Dezent, zurückhaltend aber auch eindringlich und beherzt - gute alte Handwerkskunst eben. Das verwundert kaum, ist dieser Film laut imdb.com doch bereits das neunzehnte Werkstück des Regisseurs Klaus Gendries (zählt man Serienepisoden mit, sogar das Siebenundzwanzigste). Dabei sind bis dorthin alle seine Regiearbeiten Fernsehfilme und alle für das Fernsehen der DDR, respektive für den Deutschen Fernsehfunk gemacht. Der Herr Gendries weiß also ganz genau was der Durchschnittsrealsozialist sehen will. Die im Film enthaltenen DDR-Klischees müssen dabei innerhalb seines Produktionsumfelds natürlich als deutschdemokratische Gegebenheiten gelten.

Die handwerkliche Gestaltung ist es, was den Film in meinen Augen so interessant macht. Filmisch gesehen etwas bieder und auf den ersten Blick wertefrei, neutral und nüchtern wird das Thema einer ungewollten Schwangerschaft abgehandelt. Liest man den Film allerdings politisch, erscheint HEUTE IST FREITAG als authentisches (Lauf)Bild des Sozialsystems in welchem er entstanden ist. Die einfachste Methode aufzuzeigen, warum dem so ist, ist ein wenig aus dem beiliegenden Booklet zu zitieren, bzw. meine Anmerkungen direkt in das Zitat zu integrieren, da darin eigentlich alle Informationen zur politischen Analyse enthalten sind.

"Auf behutsame und differenzierte Weise wird in dem Film ein Bekenntnis zum Kind [lies: DDR] abgegeben. Der dominierende Aspekt ist das Zurechtkommen mit scheinbar unabänderlichen Situationen [lies: ökonomische Krisen und Mangelerscheinungen], der durch das Lied "Einer trinkt Wasser [lies: DDR], einer trinkt Wein [lies: BRD]" musikalisch eindringlich unterlegt wird. Alle handelnden Personen [lies: das Volk der DDR] sind mit ihrem Leben zufrieden, doch immer glücklich sind sie nicht. Sie tun auch nichts um Lösungen zu finden. Das verdeutlichen besonders die handelnden Frauen, wie Juttas und Peters Mütter, die Wirtin, eine Arbeitskollegin, eine Freundin und eine ehemalige Schulkameradin. Die weiblichen Zuschauer bekommen die Möglichkeit sich mit ihnen zu identifizieren, oder ihre Lebensweise abzulehnen. Jutta versucht durch Gespräche mit den Einzelnen zu einer Entscheidung zu kommen: für oder gegen ein Kind [lies: für oder gegen das System]. Sie entscheidet sich selbst und möchte das Kind behalten [lies: sie entscheidet sich für das System und bekennt sich zur DDR]. Dabei ist es letztlich uninteressant, dass sich ihre Schwangerschaft nicht bestätigt [lies: obwohl man 1975 schon ahnen konnte, dass das politisch-soziale System der DDR keine Zukunft mehr hat, bekennt man sich doch zu diesem]. Ein heiterer Film ohne erhobenen Zeigefinger."

"Ohne erhobenen Zeigefinger" heißt hier politische Statements innerhalb einer netten Geschichte zu verpacken, einer Geschichte wie sie das Leben schreibt. Dabei muss man nicht einmal annehmen, es handle sich um gezielt affirmative Absichten des Regisseurs oder des Drehbuchschreibers Dieter Scharfenberg (einem Langzeitmitarbeiter der DEFA), viel eher kann davon ausgegangen werden, dass sie ihre eigene Wahrnehmung der DDR in filmischer Form reflektierten. Diametral zur westdeutschen, bzw. wiedervereinigten Ostalgie liefern deshalb Filme wie HEUTE IST FREITAG ein relativ authentisches (Lauf)Bild des damaligen Zeitgeists der DDR und ist somit ein äußerst spannendes Betrachtungsobjekt.

Heute ist Freitag Bild 1
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Heute ist Freitag Bild 5
FAZIT:

HEUTE IST FREITAG ist ein handwerklich fein gemachter und mit Nina Hagen & Dieter Montag gut besetzter DDR-Fernsehfilm, der ein relativ authentisches (Lauf)Bild des damaligen Zeitgeists liefert und deshalb ein sehr interessantes Betrachtungsobjekt darstellt.

WERTUNG: 7 von 10 lecker Stullen
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