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Hitch-Hike

Hitch-Hike

OT: Autostop rossa sangue
EXPLOITATION: ITALIEN, 1977
Regie: Pasquale Festa Campanile
Darsteller: Franco Nero, Corinne Clery, David Hess, Joshua Sinclair

STORY:

Der etwas zu trinkfreudige Reporter Mancini und seine schöne Frau fahren mit dem Wohnwagen quer durch die USA. Doch Urlaubstimmung mag sich nicht einstellen, denn das Paar hat gravierende Eheprobleme und scheint sich nur noch zu verabscheuen. Irgendwo an einer einsamen Landstraße lesen sie einen Anhalter auf. Ein folgenschwerer Fehler - denn ihr Fahrgast ist ein gesuchter Schwerverbrecher mit sadistischer Ader, der mit einer Millionenbeute aus einem Bankraub in der Tasche schnellstens über die mexikanische Grenze will… -

KRITIK:

Den folgenden Spruch hat sicher schon jeder Führerscheinfrischling von seinen fürsorgenden Eltern zu hören bekommen: "Mädchen (oder Jung), nimm bloß keine Anhalter mit!" Gut, mir haben das meine Eltern damals nicht extra sagen müssen; schließlich hat man im zarten Alter von 12 oder so, schon HITCHER, DER HIGHWAY-KILLER gesehen und wusste daher, dass spontaner Samariter-Dienst auf der Landstraße böse nach hinten los gehen kann.

Aber schon neun Jahre bevor der Serienkiller Rutger Hauer ins Auto von C.Thomas Howell gestiegen ist, wurde ein Film gedreht, der ebenfalls die Tücken der Trampermitnahme äußerst intensiv behandelt.

Die Rede ist von AUTOSTOP ROSSA SANGUE, auf Englisch HITCH-HIKE, auf zart-deutsch WENN DU KREPIERST- LEBE ICH! Und was soll man da machen, außer Niederknien und Pasquale Festa Campanile posthum nochmals für diese Exploitation-Offenbarung zu danken. Beim Blick auf die Vita des Filmemachers könnten unbedarfte, mißtrauische Gemüter anfangs skeptisch werden, denn Einträge wie ALS DIE FRAUEN NOCH SCHWÄNZE HATTEN (Nix Transen-,sondern Steinzeitspaß!) sind nun mal nicht wirklich aussagekräftige Empfehlungsschreiben für den Regiestuhl in einem räudigen Exploitationflick.

Doch Campanile, ein nobler Meister seines Fachs, wischt alle Bedenken schon mit den ersten Szenen vom Tisch und tritt sie in den Staub des amerikanischen, öhm, italienischen Highways. Weil gedreht wurde nicht in den USA, sondern beim Campo Imperatore in Italy. Egal - laut Drehbuch geht´s gen Mexiko und dabei wird´s schmutzig und grob und schmuddelig und bisweilen richtig, richtig bösartig! Manche werden wohl bei der Inhaltsangabe schon gegähnt und spöttisch gedacht haben: Oho! Ein Gangster will nach Mexiko und besorgt sich ein kostenloses, unfreiwilliges Taxi in Form eines Touristenwohnwagens… - Hatten wir das erst tausendmal oder schon zweitausendmal vor der Linse?

Diesen Zweiflern sei versichert, dass im Fall von HITCH-HIKE in der grundsätzlich wenig originellen Geschichte mehr als nur eine böse Überraschung auf alle Beteiligten wartet und so manchen Twist nicht mal ein alter Genrefuchs erahnen würde.

HITCH-HIKE ist eine Tour de Force vor dem Herrn. Hochspannung und Sleaze wurden selten so virtuos unter einen Hut gebracht wie hier in meinem persönlichen Lieblings-Roadmovie aus Bella Italia. Und der Film ist eine verdammt intensive Angelegenheit. Dafür gibt es gute Gründe. Drei davon seht ihr schon auf den meisten DVD-Covern einträchtig (?) hinter einer Windschutzscheibe sitzen.

Am Steuer die nicht nur schöne, sondern auch schauspielerisch begabte Französin Corrine Clery aus DER GESCHICHTE DER O und MOONRAKER. Daneben versoffen, flegelhaft, aber irgendwie cool der italienische Star Franco Nero, der hier eine ähnlich eindringliche und beeindruckende Leistung wie seine Filmgemahlin abliefert. Ganz groß wie die Zwei sich schon ab der ersten Minute gegenseitig zerfleischen; das muss man gesehen haben. Das ist so authentisch, als hätten die Beiden tatsächlich schon fünfunddreißig gemeinsame Ehejahre auf dem Buckel.

Hinten auf dem Rücksitz mit Knarre und Geldsack: der Amerikaner David Hess - einmal mehr in der Rolle des sadistischen Gewalttäters. Ja, der gute David Hess: Im wahren Leben ein sympathischer, herzensguter, auf der Gitarre einfühlsame Lieder komponierender Musiker, dessen Serienvergewaltigervisage ihm in den Siebzigern und Achtzigern Schänderrollen am Fließband verschafft hat; wie die des Teenagermörders Krug in Wes Cravens LAST HOUSE ON THE LEFT oder dem partycrashenden Triebtäters im HOUSE AT THE EDGE OF THE PARK.

Auch wenn Corrine Clery in einem Interview gesagt hat, dass sie sich den netten David während des Drehs nie und nimmer als Psychopathen hatte vorstellen können, meistert der Mann seinen Job als Vorzeigepsycho einmal mehr ordentlich. Obgleich er in LAST HOUSE ON THE LEFT etwas fieser und schmieriger rüberkommt als hier, hält ihn das freilich auch im vorliegenden Film nicht von Mord und Vergewaltigung ab.

Nero, Clery, Hess - diese drei in ihren jeweiligen Rollen optimal besetzten Akteure sorgen mit ihrem glaubwürdigen und eindringlichen Auftreten dafür, dass ihr für einen besser gespielten Exploitationflick schon verdammt tief graben müsst. Auch optisch und vor allem akustisch lässt der Film keine Wünsche offen: Für die staubtrockenen, imposanten Landschaftsbilder haben gleich zwei renommierte Cinematographen gesorgt: nämlich Franco di Giacomo, der sich mit FOUR FLIES ON GREY VELVET und THE CHILD ebenso höchste Giallo-Weihen wie sein Kollege Ruzzolini mit MALASTRANA erfilmt hat.

Der ganz große Trumpf ist allerdings die Musik von Morricone, die mit Banjo und Gitarre fast schon nach Italo-western-Art unpompös, aber unablässig die Atmosphäre boostet. Vollkommen unverständlich ist, dass ca. 300 verschiedene CDs mit Morricone-Soundtracks im Handel erhältlich sind, aber der von HITCH-HIKE nicht wieder aufgelegt worden ist. Dabei hat sich in diesem übersehenen Exploitationflick eine der brillantesten Arbeiten des Maestros versteckt. Ich übertreibe? Dann hört euch mal die Sounduntermalung zur berüchtigten Clery/Hess-Szene an. Das hundsgemeine Vergewaltigungsszenario ist an sich schon harter Tobak, aber hier gehen Bilder und Musik eine derart unheilige Allianz ein, dass das Geschehen auf dem Bildschirm beinahe körperlich spürbar wird. Da schmeckt man fast den Wüstensand - samt der Qual, Pein und Erniedrigung.

Danach hat es den Anschein, dass da nichts mehr Fieseres kommen könnte - doch glaubt mir- Campanile hat sein Pulver zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht verschossen. Die heimtückischsten Kugeln erwischen uns am Ende - aus heiterem Himmel.

Hitch-Hike Bild 1
Hitch-Hike Bild 2
Hitch-Hike Bild 3
Hitch-Hike Bild 4
Hitch-Hike Bild 5
Hitch-Hike Bild 6
Hitch-Hike Bild 7
FAZIT:

Mit Italowesternheld Franco Nero, der betörenden O Corinne Clery und unserem herzallerliebsten Vorzeigepsychopathen aus dem LAST HOUSE ON THE LEFT David Hess unterwegs auf den einsamsten und staubigsten Wüstenstraßen, der entweder in die Freiheit nach Mexiko oder direkt in die Hölle führt… - HITCH-HIKE ist eine Tour de Force vor dem Herrn. Hochspannung, Intensität und sleazige Gewalt wurden selten so virtuos unter einen Hut gebracht wie in dieser italienischen Genre-Glanztat von Pasquale Festa Campanile. Dazu ein genialer Banjo- und Gitarrensoundtrack von Maestro Morricone und fertig ist die als Roadtrip getarnte Exploitationgranate!

WERTUNG: 9 von 10 nackten Gewehrträgerinnen
TEXT © Christian Ade
Dein Kommentar >>
Marcel | 04.03.2010 15:45
gekauft! :-)
aber schön auch der aka-titel Hitch Hike - Last House on the Left. Damit auch wirklich jeder versteht, woher er den Schauspieler kennt....
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