OT: Hopeu
ACTION: KOR, 2026
Regie: Na Hong-jin
Darsteller: Hwang Jung-min, Zo In-sung, Jung Hoyeon, Alicia Vikander, Michael Fassbender
Dorfpolizist Bum-seok hat einen richtig beschissenen Tag, der mit einem verstümmelten Kadaver auf der Landstraße anfängt. Wer oder was hat das Rindvieh so übel zugerichtet? Ein Tiger aus Nordkorea vielleicht? Schnell stellt sich heraus, dass hier etwas wesentlich Größeres, Gefährlicheres sein blutiges Unwesen treibt - und mächtig Wut im Bauch hat.
"Too much is not enough" lautet eine schöne Textzeile aus einem Lied von Suede, und sie passt auch super für diesen Film. Alles an HOPE ist too much, die ausufernde Laufzeit von fast drei Stunden, die hyperkinetische Nahezu-Nonstop-Action, die CGI, an der sich die Geister scheiden, der weirde, ultraschwarze Humor und dass nach dem Abspann die Namen Michael Fassbender und Alicia Vikander auftauchen. Too much und trotzdem noch nicht genug. Ich kann das alles noch gar nicht wirklich fassen und will den sofort noch einmal sehen. Koreanisches Spektakelkino, die Kunst der bewegten Bilder in Reinform. Arg.
Diese Zeilen hab ich direkt nach dem Kinobesuch euphorisiert in mein Handy getippt, und auch jetzt, 24 Stunden später, bin ich immer noch geflasht. HOPE ist der teuerste koreanische Film ever, und man kommt aus dem Staunen nicht mehr raus: Der Film beginnt praktisch mit einem einstündigen Showdown, in dem sich ein gehetzter Polizist keuchend und fluchend durch einen Quasi-Kriegsschauplatz schießt. Eine monströse Kreatur hat eine Schneise der Verwüstung durch eine Kleinstadt gezogen und nichts als Häuserruinen, rauchende Autowracks und Leichenberge zurückgelassen. Und das ist erst die Ouvertüre zu einem zweiten und dann noch einem dritten Akt.
Wenn man Film als die Kunst der bewegten Bilder feiert, muss man hier mindestens einen Champagner aufmachen: Es gibt nur sehr wenige Filme, die sich praktisch ausschließlich über Action und Bewegung definieren: SPEED kommt einen in den Sinn, der MAD MAX - FURY ROAD natürlich, und der großartige frühe Spielberg-Film DUELL.
Mich hat die atemberaubend choreographierte Action von HOPE förmlich in den Kinosessel gedrückt. Noch nie, glaube ich, habe ich derartig spektakulär gemachte, fast schon musikalisch rhythmisierte Autoverfolgungsjagden gesehen, die - man will es kaum glauben - mit echten Fahrzeugen und nur minimaler Computerunterstützung gedreht wurden. Alles großartig also? Für mich: Ja. Ich will aber nicht verschweigen, dass es auch deutlich weniger euphorische Stimmen gibt: Facebook-Freund P., der lustigerweise in derselben Vorstellung saß (insgesamt waren gerade mal drei Leute im Saal. Immer dasselbe Elend: Beim slash prügeln sich die Leute um Karten, und wenn der Film dann regulär startet, interessiert sich keine Sau mehr). Sorry, wo war ich?
P. hat jedenfalls ziemlich geschimpft. Vermutlich hat der Film abgefärbt, da werden nämlich ziemlich viele ziemlich garstige Worte in den Mund genommen. P. monierte das "teilabsurde" dreistündige Chasing, den wenig ergiebigen Plot und einzelne "hirnbeleidigende" Szenen mit Menschen, die 10 Meter hoch durch Bäume geschleudert werden und dann immer noch aufstehen können, oder Monster, die 400 Kugeln oder 3 Granaten aushalten und dann von einem schnöden Laster tödlich überfahren werden.
Ja, das stimmt auch alles. HOPE ist schon eher auch ein No-Brainer, sieht man von den sozialsatirischen Untertönen ab, die einem der Film in bewährter koreanischer brachialhumoristischer Art um die Ohren haut. Aber ein super-leiwander No-Brainer. In ein paar Kinos läuft er noch, und dort sollte er auch gesehen werden.
In diesem Sinne: "Hasta la Vista, Arschloch!"
Zumindest auf Festivals hat der vierte Film von Na Hong-jin (THE CHASER, THE WAILING) einen kleinen Hype ausgelöst. Jetzt ist der unglaublich kinetische Non-Stop-Action-Monsterfilm regulär im Kino zu sehen. Ich bin komplett euphorisiert.