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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Hugo Cabret

Hugo Cabret

OT: Hugo
HISTORISCHES JUGENDABENTEUER: USA, 2011
Regie: Martin Scorsese
Darsteller: Asa Butterfield, Ben Kingsley, Chloe Grace Moretz, Sacha Baron Cohen, Helen McCrury, Christopher Lee, Jude Law, Michael Stuhlbarg

STORY:

Der Waise Hugo Cabret wird von seinem versoffenen Onkel aufgenommen und kümmert sich forthin um die Richtigkeit der Uhren in einem Pariser Bahnhof. Einzige Erinnerung an seinen Vater, einen Uhrmacher, ist ein "Automat", dessen Reparatur nicht mehr vollendet werden konnte. Hugo will das schaffen und stiehlt darum Kleinteile von einem Spielzeugladen. Leider wird er vom Ladenbesitzer Georges erwischt und der nimmt ihm ein Notizbuch mit Zeichnungen seines Vaters ab. Um dieses zurückzubekommen, arbeitet Hugo im Laden und freundet sich mit dem griesgrämigen Georges an und noch mehr mit dessen Patentochter Isabelle. Mit Isabelle gemeinsam sucht er sein Buch und findet dabei ein Geheimnis über den Ladenbesitzer Georges heraus, das auf mysteriöse Weise mit Hugos Automaten zu tun hat.

KRITIK:

Es war 2008, als ich bei einer Buchpräsentation anwesend war, die etwas wunderlich war. Denn das über fünfhundert Seiten starke Werk war mehr, war anders - war ein Film. Ich habe darin gestöbert und, kaum einmal umgedreht, habe ich in meinem eigenen Exemplar gelesen, eigentlich geschaut. Denn es gab viel zu sehen. Schwarz-Weiß gezeichnete Kamerafahrten von der Totalen bis ins letzte Detail. Grobkörnige Fotos aus der Frühzeit des Mediums Film. Dann wieder Zeichnungen, schön, ein wenig unheimlich und mit Herz. Dazwischen Text, vernachlässigbar wenig, trotzdem spannend und mit einen unheimlichen Takt, so wie Zahnräder klicken und Metallstangen quietschen.

Das Buch, äh, der Film oder doch das Buch hieß "The Invention of Hugo Cabret" ("Die Entdeckung des Hugo Cabret") und Brian Selznick, ein gefeierter Illustrator, war der Verfasser dieses Zauberwerks, gedacht für ein jugendliches Publikum.

2010 hörte ich, dass sich Martin Scorsese die Filmrechte für "Hugo Cabret" gesichert hatte. Scorsese! Ich musste mich verhört haben. Dieses Buch. Scorsese? Weit und breit keine Mafia, nicht einmal wirkliche Wahnsinnige kommen darin vor. Es musste ein Irrtum sein. Doch 2011 wurde es amtlich. "Hugo Cabret" von Scorsese, produziert von Johnny Depp, in 3D.

Onkel Martin rief und viele kamen. Schauspieler wie Christopher Lee, Jude Law und Ben Kingsley stellten sich nur so an. Sacha BORAT Baron Cohen gibt den Bösewicht (?), DER JUNGE IM GESTREIFTEN PYJAMA Asa Butterfield spielt Hugo, und KICK-ASS Chloe Grace Moertz Hugos Freundin Isabelle.

Viele Golden Globe-Nominierungen (einen gewonnen: Regie Martin Scorsese) und noch mehr Oscar-Nominierungen, daneben viele andere Nominies and Wins.

Aber wie war der Film? Gute Frage. Ich hasse 3D, aber man muss erstens zugeben, dass es nur konsequent war, es zu diesem Thema einzusetzen und zweitens, dass Scorseses Herangehensweise doch eine etwas andere als sonst ist und finally drittens, dass 3D in Uhrwerken und hinter fauchenden und dampfenden 1930er-Bahnhöfen eigenen Charme hat. Des Weiteren wurde größtenteils vorlagengetreu verfilmt, wenn auch, wie so oft, einige wichtige Szenen nicht bzw. verfremdet bis falsch übernommen wurden.

Schauspielerisch sind gute Leistungen gelungen, aber keine so, dass sie im Kopf bleiben wird. Bedauerlicherweise ist der Film mit etwas über zwei Stunden zu lang geraten, was bei 3D-bedingtem Kopfweh sich nach guten drei Stunden anfühlt. Ein spannendes Abenteuer, wie es nur aus Kinder- und Jugendbüchern entstehen kann. Denn das mit den Träumen ... Ach was, schaut ihn euch einfach an. Oder noch besser, das Buch und den Film und natürlich natürlich die Website theinventionofhugocabret. Nur so lernt ihr kennen, was echtes Multimedia ist.

Hugo Cabret Bild 1
Hugo Cabret Bild 2
Hugo Cabret Bild 3
Hugo Cabret Bild 4
Hugo Cabret Bild 5
Hugo Cabret Bild 6
FAZIT:

Dickens'sche Kinderwelten treffen industrialisierte Frankenreiche. Ein stimmiges Jugendabenteuer in Scorseses 3D-Uhrwerken mit dem rechten Hauch Spannung, Träume und Abenteuer. Für echte FilmliebhaberInnen sind sowohl Buch als auch Film sowieso Musts. Und Sitzfleisch mitbringen. Eventuell auch Popcorn, wenn man's (frau natürlich auch) denn mag. Korrekter wäre wahrscheinlich ein Häferl Heißgetränk und ein Croissant dazu.

WERTUNG: 8 von 10 geheimnisvollen Tintenstrichen
TEXT © Erich H.
Dein Kommentar >>
Hans Peter | 21.04.2012 20:42
Sry aber ich verstehe den Hype um diesen Film nicht und werde es auch nie verstehen. Ich meine ich will zwar nicht sagen, dass die anderen Unrecht haben, aber der Film hat mich einfach nicht mitgerissen.
>> antworten
Josef | 01.03.2012 16:51
Ich bin ja meistens einer Meinung mit dem Team von filmtipps.at
und da es wenige vergleichbare Seiten mit Niveau gibt, auch sehr
dankbar für deren Existenz.

Dieses eine Mal muss ich allerdings vehement wiedersprechen, da
unsere Meinungen in diesem Fall einfach zu weit auseinander
gehen.


Für mich hatte dieser Film wirklich kein bißchen von der erwarteten
Magie, er konnte mich zu keinem Zeitpunkt mitreißen, ich konnte
diesem Film einfach keinen Glauben schenken.
Das liegt zum einen an Scorseese's "Paris". Es wirkt zu überzeichnet
- mehr künstliche Kulisse als verzauberte Stadt und zudem besetzt
von Briten ?! (in der original Fassung).
Wieso trifft Scorseese diese Entscheidung? Sie ist für den Film nicht
förderlich, sondern wirft nur Fragen und Verwirrung auf.
Die Dialoge der beiden Hauptakteure sind lasch, lahm und
langweilig, ebenso wie der einfach zu vorhersehbare Plot. Zu
keinem Zeitpunkt empfinde ich Sympathie für auch nur einen der
Beiden oder kann mich mit ihnen identifizieren. Dafür ist das Spiel
der Zwei einfach zu simpel.
Dass der Gegenspieler des kleinen Hugo mit sacha baron cohen
besetzt ist, nimmt der verzweifelten Situation des kleinen
Uhrmachers jede Ernsthaftigkeit.
Plot und erzählerische Dramaturgie sind fade und einfallslos, die
gekünstelte Umwelt nicht ernst zu nehmen, aber auch nicht
einladend genug, um dem träumen zu verfallen.
Der Film erzählt von der Magie des Kino's, kann dem aber bei
Weitem nicht nahe kommen.

Wer den Film mag ist selbst schuld, meiner Meinung nach ein
Schnellschuss der italienischen, sonst so exzellenten Feder.
Ein gutes Beispiel für einen Film, dessen einzige Berechtigung der
3D-Effekt ist, welcher auch zu genüge bedient wird.
Fazit:

Technik statt erzählerischer Raffinesse - Martin, bleib bei deinen
Leisten!
Erich H. | 02.03.2012 08:33
Hallo Josef,
schade, dass wir nicht einer Meinung sind, aber anderseits, das muss ja auch nicht sein.
Die Wahl der britischen Schauspieler fußt vermutlich darauf, dass Brian Selznick, der Autor der Vorlage, zwar Kanadier ist, seine berufliche Karriere und seinen Ruhm hauptsächlich in Großbritannien auslebt. Was Cohen betrifft, gebe ich zu, dass gerade seine Rolle von der Vorlage differiert - das habe ich allerdings einerseits auf sein spracharmes literarisches Vorbild (in einem sowieso nicht dialogstarken Buch/Film) als anderseits auch auf die Erwartungshaltung des zu erhoffenden SeherInnenpublikums in irgendeine Darstellung durch Cohen geschoben.
Paris ist nicht gut dargestellt, da hast du recht, spielt aber für die Handlung nicht wirklich eine Rolle.
Auch gebe ich zu, dass ich bei der Bewertung die 7 gewählt habe, weil ich befinde, jedEr Film(geschichts)liebhaberIn sollte den Film sehen.
Langer Rede, kurzer Sinn: Ich hoffe, dass du trotzdem filmtipps.at treu bleibst, denn die Besprechungsqualität hier ist schon spitzenmäßig ;)
Marcel | 02.03.2012 14:52
Ich kann aber die Kritik an den Film verstehen, denn mir geht es ähnlich. HUGO fehlt die Magie, die Kino ausmacht. Er schafft es viel zu selten, dass der Funke überspringt, man verbleibt auf der bloßen Oberfläche des Staunens ob der Effekt. Dabei begeht er einen elementaren Denkfehler: er will mit modernsten Mitteln und Technik das Geheimnis der Bildersprache des Frühfilms vermitteln. Abgesehen davon, dass damit Scorcese mehr oder weniger zugibt, entweder das Geheimnis der Stummfilme nicht zu verstehen oder - viel schlimmer - der Magie des alten Kinos nicht zu vertrauen (wie es etwa The Artist tut): Das ist ein gordischer Knoten, den selbst ein so begnadeter Regisseur wie Scorcese nicht auflösen kann. So sind denn auch die wenigen, wirklich gelungenen Momente die, in der Scorcese sich von der Technik löst und Melies zaubern lässt. Und als der 30-sekündige Abriss der Filmgeschichte(darunter auch Caligari und Die Büchse der Pandora) zu sehen ist, konnte ich mir nicht verkneifen, die Brille abzulegen, einen Stirnrunzeln aufzulegen und theatralisch "HEY - DAS IST JA GAR NICHT 3D!" auszurufen. ;-)
Erich H. | 02.03.2012 17:20
Du bist ein Spielverderber - verrätst vermutlich auch, wer der Mörder ist, oder? ;-) Lass sie doch selbst draufkommen und so ein wenig in der Filmhistorie herumschnuppern.
Marcel | 02.03.2012 21:15
Mörder? Hab ich den verpasst? ;-)
Erich H. | 02.03.2012 21:44
Ne, zumindest nicht in diesem Film - obwohl - sagtest du nicht, du hast die 3D-Brille abgenommen - also, wer weiß? :-D
>> antworten
Gregor | 14.02.2012 00:46
Mist, da war einer schneller! ;-)
Sind wertungstechnisch aber auf jedem Fall auf einer Linie (7,5-3D-Pünktchen).
Erich H. | 14.02.2012 17:49
Sorry.
Trotzdem wär's für mich wünschenswert, was dir gefallen (oder auch nicht) hat. Und kennst du auch das Buch? Und wenn ja, wie siehst du's? Denn da tat ich mir fast am schwersten, was denn mehr Kino ist - der Film oder das Buch.
>> antworten


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