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I Am You - Mrderische Sehnsucht

I Am You - Mörderische Sehnsucht

OT: In Her Skin
DRAMA/THRILLER: Australien, 2009
Regie: Simone North
Darsteller: Guy Pearce, Sam Neill, Miranda Otto, Ruth Bradley, Kate Bell

STORY:

Am 1. März 1999 erscheint die 15-jährige Rachel (Kate Bell) nach dem Balletttraining nicht am vereinbarten Treffpunkt, an dem ihr Vater (Guy Pearce) sie abholen sollte. Michael und seine Frau Elisabeth (Miranda Otto) sind sofort extrem besorgt und alarmieren die Polizei. Dort werden sie jedoch zuerst nicht ernst genommen, weshalb sie sich auf eigene Faust auf die Suche nach ihrer Tochter begeben. Erst einige Tage später widmet sich die Polizei tatsächlich dem Fall, den sie erst jetzt als einen solchen anerkennen ...

KRITIK:

I AM YOU ist das Spielfilmdebüt der Australierin Simone North, welche zuvor nur in Fernsehserien Regie geführt hatte. Für ihren ersten Film für die große Leinwand hat sie sich die reale Geschichte eines der aufsehenerregendsten Kriminalfälle ihrer Heimat der jüngeren Zeit auserwählt. Solch eine erschütternde reale Mordstory ist sicherlich ein sehr anspruchsvolles Thema für einen ersten Film. Kann eine Regie-Debütantin solch einer Geschichte wirklich gerecht werden?

Zunächst einmal springt dem Betrachter von I AM YOU sofort ins Auge, dass dieses Thriller-Drama von seiner handwerklichen Seite her von einer - nicht nur für ein Spielfilmdebüt - geradezu beängstigenden Perfektion gekennzeichnet ist. Die Kameraarbeit ist erlesen. Zu den optischen Höhepunkten gehören einige wirklich virtuose Kamerafahrten. Das Ganze wird von der perfekt passenden Musik sehr stimmig und äußerst eindringlich untermalt. Dazu gesellt sich ein Cast, der mit Schauspielern wie Guy Pearce (MEMENTO) einige hervorragende australische Schauspieler vereint.

SPOILER ANFANG

Besonders beeindruckend ist die Leistung von Ruth Bradley, welche die Mörderin Caroline Reid verkörpert. Caroline steht eindeutig im Zentrum dieser aus komplexen Rückblenden und Zeitsprüngen aufgebauten multiperspektivischen Erzählung und verleiht dieser den emotionalen Mittelpunkt. Alle anderen Darsteller bleiben da fast eindimensionale Abziehbilder, welche zugleich Carolines übersteigert eindimensionale Wahrnehmung ihrer Umgebung spiegeln.

Diese Caroline ist eine gequälte Seele, eine zutiefst psychotische junge Frau. Ihre Ausbrüche sind von einer derartigen melodramatischen Intensität, wie man sie in dieser Form nur selten im Kino sieht. Überhaupt bringt uns dieser Film näher an den psychotischen Kern eines geistesgestörten Mörders, als den meisten Betrachtern lieb sein dürfte. Die erschütternd reale Darstellung der eigentlichen Tat bildet da nur den grausigen Höhepunkt, einer übersteigerten, verwirrten Emotionalität, welche ganz sicherlich alles andere, nur nicht unterhaltsam ist.

SPOILER ENDE

Vieles ist diesem Film bereits vorgeworfen wurden: Er sei zu plakativ, zu einseitig, zu unausgegoren, zu wirr und letzten Endes auch ohne klare Aussage. All dies trifft sicherlich zu, verkennt jedoch die wahre Absicht von I AM YOU: ein schonungsloses und dabei zugleich nicht wertendes Portrait eines Menschen zu zeichnen, dessen Selbsthass schließlich in einen Mord mündet.

Da lässt sich sicherlich einiges, aber ganz bestimmt nicht alles durch das Versagen der Umgebung erklären. Gerade die Irrationalität der Tat steht hier im Mittelpunkt. Dass diese sich nicht aus einer rational vollkommen nachvollziehbaren Motivation heraus ergeben hat, liegt da in der Natur der Sache. Deshalb konzentriert sich I AM YOU gerade auf die gestörte Subjektivität des Täters - und dies in einer gleichermaßen beängstigenden, wie auch unangenehmen Intensität.

I Am You - Mörderische Sehnsucht Bild 1
I Am You - Mörderische Sehnsucht Bild 2
I Am You - Mörderische Sehnsucht Bild 3
I Am You - Mörderische Sehnsucht Bild 4
I Am You - Mörderische Sehnsucht Bild 5
FAZIT:

I AM YOU ist das erstaunlich souverän inszenierte Spielfilmdebüt der australischen Regisseurin Simone North. Dieses Thriller-Drama ist sehr intensiv, oft sehr anstrengend und streckenweise auch sehr unangenehm. Sicherlich ist dies nicht die richtige Wahl für einen entspannten Filmabend. Aber wer den Mut der Macher teilt dort hinzusehen, wo es so richtig weh tut, den wird diese teilweise abstoßende und zugleich nicht wertende Darstellung einer nicht rational nachvollziehbaren Tat doch so einiges zu denken geben.

WERTUNG: 8 von 10 symbolischen Selbsttötungen bzw. Verwandlungen
TEXT © Gregor Torinus
Dein Kommentar >>
Diamant13 | 16.08.2012 21:13
Wow,guter Film und sehr gut gespielt!
>> antworten
toxic | 26.11.2011 19:12
Das Lied zur Beerdigung, was auch am Anfang läuft, finde ich unpassend. Da hätte man etwas Düstereres nehmen können. Ansonsten ein wirklich anspruchsvoller und handwerklich kompetenter Film. Puh, erstmal verdauen.
8,5 von 10 verzerrte Selbstwarnehmungen
toxic | 26.11.2011 19:14
* Selbstwahrnehmungen
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pascal | 03.10.2011 09:23
wow die ersten 5 minuten des films sind ja unglaublich schön! natur, musik und tanz.. :)
allgemein hat mich der film sehr beeindruckt!
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