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I Come with the Rain

I Come with the Rain

DRAMA/THRILLER: F/HK/GB, 2009
Regie: Tran Anh Hung
Darsteller: Josh Hartnett, Lee Byeong-heon, Elias Koteas

STORY:

Nach einem unerquicklichen Zusammentreffen mit einem Serienkiller verliert der L.A.-Cop Kline (Josh Hartnett) den Boden unter den Füßen: Post-traumatischer Stress, Paranoia, Psychiatrie-Aufenthalt, Selbstmordversuch. Kline quittiert den Polizeidienst und schlägt sich als Privatdetektiv durch. Ein Auftrag führt ihn auf die Phillippinen. Er soll den verschollenen Sohn eines Großindustriellen finden. Geld spielt keine Rolle. Die Einheimischen schwören Stein und Bein, dass der Gesuchte ermordet wurde. Doch Kline findet eine Spur, die ihn weiter nach Hongkong führt. Das wird kein einfacher Job, so viel steht fest. Und Kline wird seine Fähigkeit, sich voll und ganz in die Gedankenwelt von Killern hineinzuversetzen, noch dringend nötig haben ...

KRITIK:

Nach seinen Kritiker-Erfolgen DER DUFT DER GRÜNEN PAPAYA (1993) und CYCLO (1995) wurde es still um den französisch-vietnamesischen Regisseur Tran Anh Hung. Erst mit dem erschütternden, tieftraurigen Drama NAOKOS LÄCHELN - wenn ihr mich fragt, einer DER Filme 2011 - gelang ihm ein unerwartetes wie höchst verdientes Comeback. Im Zuge dessen auch vorliegender Film aus den Archiven geholt wurde.

I COME WITH THE RAIN ist ein schwer zu fassendes Film-Ereignis: Stockdüsterer Cop-Thriller, brutaler Serienkiller-Flick, existentialistisches Drama mit religiösen Bezügen. Ein Film, der sich zwischen allen erdenklichen Stühlen bequem macht und, wie ein Blick auf die gefürchteten Ratings bestimmter Filmdatenbanken offenbart, vom Publikum nicht gerade mit bedingungsloser Liebe aufgenommen wurde.

Dabei gäbe es so viel zu entdecken: Alleine die Art und Weise, wie Kameramann Juan Ruiz Anchia den Wolkenkratzer-Dschungel Hongkong in düstere Neo-Noir-Bilder taucht, sollte bei Zusehern, die die Kunst des Sehens noch nicht verlernt haben, für Gänsehaut sorgen. Wie schon in CYCLO steuert die Band Radiohead zwei Songs zum Soundtrack bei. Und die Besetzungsliste wird von prominenten Namen aus Ost und West geschmückt: Dass Josh Hartnett ein Guter ist, hat ja Kollege Ralph erst kürzlich ausführlich erläutert. Einer seiner Gegenspieler ist Charakter-Gesicht Elias Koteas (CRASH, EXOTICA), ein anderer der auf Berserker-Rollen abonnierte koreanische Publikums-Liebling Lee Byeong-heon (I SAW THE DEVIL, BITTERSWEET LIFE).

Diese beiden Herrschaften sorgen im Film für Momente, bei denen man sich sprachlos die Augen reibt und sich fragt, ob einem die Sinnesorgane nicht eben einen Streich gespielt haben. Schon mal gesehen, wie ein Obdachloser mit seinem eigenen Hund totgeprügelt wurde? Zurückhaltung ist Tran Anh Hungs Sache nicht. Zu den zahlreichen Gewaltexzessen, die durchaus auch einem Takashi Miike zur Ehre gereichen würden, ist auch ein Hang zur plakativen religiösen Symbolik spürbar, der selbst einem Abel Ferrara die Freudentränen in die Augen treiben dürfte.

Warum konnte der Film trotzdem kein Leiberl reißen, wie man in Wien so schön sagt? Vielleicht lag es am Willen (a.k.a. Sturheit) des Regisseurs, die Macht der Bilder über die Geschichte zu stellen. Soll heißen: So hypnotisch der Bildersog, so verwirrend die Erzählung. Ein bissl muss man den Verrissen in den Untiefen des weltweiten Netzes schon recht geben: Man blickt streckenweise einfach nicht mehr durch; zahlreiche Handlungsfäden werden aufgenommen und verlaufen bedeutungsschwanger ins Nichts.
Oder sie fanden möglicherweise am Boden des Schneideraums wieder zusammen, was weiß man schon. Missverstandene Filmkunstwerke nach finanziellen Flops radikal zu kürzen ist ja gängige Praxis seit fast einem Jahrhundert, fragen Sie mal Fritz Lang, wie es ihm mit Metropolis (1927) ergangen ist ...

I Come with the Rain Bild 1
I Come with the Rain Bild 2
I Come with the Rain Bild 3
I Come with the Rain Bild 4
I Come with the Rain Bild 5
I Come with the Rain Bild 6
I Come with the Rain Bild 7
FAZIT:

Der vietnamesischstämmige Regisseur Tran Anh Hung schickt Hollywood-Beau Josh Hartnett in die Großstadthölle Hongkong, wo Drogenmafia und psychopathische Killer zum Sound von Radiohead mit seinen inneren Dämonen tanzen. Optisch und atmosphärisch atemberaubender Neo-Noir-Cop-Thriller-Serienkiller-Flick, der leider an storytechnischen Unzulänglichkeiten leidet. In den Händen eines David Fincher wäre I COME WITH THE RAIN wohl zum Jahrhundert-Film geworden.

WERTUNG: 7 von 10 Stigmata
Dein Kommentar >>
djan | 11.01.2012 11:23
Ein wenig merkwürdig, hatte immer das Gefühl der Film
schrammt immer knapp am ganz großen Wurf entlang...leider
wirken die Dialoge, wie in vielen asiatischen filmen, ziemlich
platt und das Skript war irgendwie nicht konsequent
genug...verdammt schade, hätte wirklich fincher machen
sollen...
>> antworten
Ralph | 09.01.2012 19:47
Das war echt ein toller Film. Aber ich stimme zu, da hat es mit der Story ein wenig gehapert. Trotzdem, ich habe es nicht bereut die Geduld für diese zwei Stunden aufzubringen.
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