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Ilsa - Die Hndinnen vom Liebeslager 7

Ilsa - Die Hündinnen vom Liebeslager 7

OT: Ilsa - She Wolf of the SS
NAZIPLOITATION: D/USA, 1975
Regie: Don Edmonds
Darsteller: Dyanne Thorne, Gregory Knoph, Tony Mumolo, Maria Marx, Nicolle Riddell, Jo Jo Deville

STORY:

In dem Lager der skrupellosen Kommandantin Ilsa werden weibliche Gefangene für grausame sexuelle Experimente missbraucht und die Männer schieben Liebesdienst.

Doch genug ist genug. Die Gefangenen begehren auf und es kommt zur Revolte...

KRITIK:

Und nun, kommen wir zu einer Legende. ILSA – SHE WOLF OF THE SS ist verdientermaßen einer der berüchtigtsten Filme, wenn nicht gar DER berüchtigtste Film der (S)exploitation-Filmgeschichte. Und sich so einen Status zu verdienen, das ist gar nicht mal so einfach, wenn man bedenkt, wie berüchtigt das Genre an sich schon ist. Es stellt sich da natürlich sofort die Frage, ob der Film letztlich auch mit seiner Reputation mithalten kann, denn wie wir alle wissen ist das mit dem Ruf und dem was wirklich dahinter steckt, gerade im Bereich des Abseitigen Films, so eine Sache für sich. Doch langsam, fangen wir von vorne an.

Produziert wurde ILSA – DIE HÜNDINNEN VON LIEBESLAGER 7 – ich kann mich nur schwer entscheiden ob der englische oder der deutsche Titel der bessere von beiden ist… räudig sind sie beide – von keinem geringeren als dem weltberühmten Herman Traeger. Was? Nie gehört? Achso, ja. Könnte daran liegen, dass der gute Herr mit seinem richtigen Namen David Friedman heißt – jap, genau der. Der David Friedman, der uns zusammen mit Herschell Gordon Lewis, den wohl ersten Splatterfilm der Geschichte schenkte: BLOOD FEAST. Davor jedoch, verdingte er sich als Regisseur und Produzent von billigen kleinen Sexfilmchen bzw. Nudistenfilmchen, denn von Sex in Sexfilmen konnte zu damaliger Zeit noch gar nicht die Rede sein. Egal, der Mann hat Schmuddelware gemacht. Und wenn so jemand einen Film produziert und aus Scham bloß unter einem Pseudonym arbeitet, dann ist das doch schon mal ein todsicheres Indiz dafür, dass der Film, den er da erschaffen hat, ein echter Exploitation-Kracher ist.

Ein Exploitation-Kracher ist ILSA auf jeden Fall, denn hier wird ausgebeutet, was ausgebeutet werden kann. Wir bewegen uns hier in den Niederungen – wie Kollege Chris vor Kurzem so schön geschrieben hat – der Naziploitation, einem Genre, das von Natur aus schon besonders anrüchig ist. Doch während es bei vielen Genrevertretern überwiegend darum geht, dass Frauen für die Deutsche Wehrmacht oder die SS oder sonst irgendwen zu willigen und fähigen Sexsklaven gemacht werden sollen – Beispiele hierfür wären zum Beispiel PRIVATE HOUSE OF THE SS GIRLS, der ultraschnarchige FOLTERZUG DER GESCHÄNDETEN FRAUEN oder auch der fast schon seriöse Klassiker SALON KITTY –, gibt es auch härter Vertreter, vornehmlich von Italo-Schmuddler Bruno Mattei.

Und dann gibt es da noch ILSA – SHE WOLF OF THE SS. Dieser Film genießt in gewisser Weise eine Sonderstellung im Naziploitation Sub-Subgenre. Denn dieser Film zählt nicht nur mit zu den Begründern des Genres – zusammen mit dem 69er Film LOVE CAMP 7 –, sondern gleichzeitig auch zu den härtesten. Während es ja generell im Sexploitationbereich, und im Besonderen bei Frauenlagerfilmen und Konsorten, nicht gerade zimperlich zugeht, geht hier alles noch einen Schritt weiter. Zwar werden die grausigsten der grausigen Details entweder ausgeblendet oder durch geschickte Einstellungen der Fantasie der Zuschauer überlassen. Doch grafisch wird es oft genug und selbst an den Stellen, an denen es selbst den Machern zu viel des Guten war und die Kamera nicht direkt draufhält, wird dem Zuschauer doch deutlich gemacht, wohin seine Fantasie schwenken sollte. Während auch einige Nachfolger sich daran versuchten den Härtegrad von ILSA – SHE WOLF OF THE SS zu erreichen oder gar zu übertreffen, sind die meisten von ihnen doch an der schlampigen und nicht gekonnten Umsetzung der Splattereffekte gescheitert. Dadurch erhalten viele Szenen in späteren Naziploitern einen ungewollten komischen Charakter, nehmen dem Ganzen dadurch die Härte und regen eher zum Lachen an.

Bei ILSA jedoch, bleibt einem das Lachen des Öfteren im Halse stecken. Denn wenn einer am Set so richtig – böse Zungen mögen nun sagen wollen „oder überhaupt“ – etwas von seiner Arbeit verstanden hatte, dann war das Joe Blasco. Seine Effekte und sein Make up sind es letztlich auch, die diesem Film, unter anderem, seinen bis heute geltenden Ruf als Naziploiter aller Naziploiter eingebracht hat. Wenn hier Fußzehen mit der Zange bearbeitet oder Frauen bei 90 Grad im Wasserbad durchgekocht werden, dann mag das ob der realistischen Effektarbeit Blascos für genreunerfahrene Mägen zu viel des Guten sein, doch auch für altgediente Naziploitation-Recken ist das, gerade ob der überaus sleazigen Atmosphäre, kein Alltagserlebnis.

So abwegig das nun klingen mag, aber diese zahlreichen Folterszenen, die immerhin einen Gutteil des Films ausmachen, sind dennoch eingebettet in eine direkt schon stringente Geschichte. Natürlich ergibt es wenig bis gar keinen Sinn, dass Ilsa herausfinden will, ob Mann oder Frau mehr Schmerz ertragen kann. Und auch warum die zahlreichen sexuellen Experimente fast ausschließlich an Frauen stattfinden, wenn’s doch um einen Vergleich geht, ist nicht schlüssig – also, zumindest in der Handlung. Dass es dabei hauptsächlich um die Lust- und Triebbefriedigung des männlichen Publikums geht, ist eh klar. Doch lässt man diese Logiklöcher sowie die zahlreichen skurrilen Momente weg, die hauptsächlich der exploitativen Darstellung der SS-Mannen und der dämlichen Dialoge geschuldet sind, haben wir es mit einer doch recht runden Sache zu tun.

Die Gefangenen kommen in das Lager 9, werden dort während sexueller Experimente oder einfach nur so gefoltert, wenn sie Frauen sind, oder müssen versuchen die Lagerkommandantin Ilsa sexuell zu beglücken, wenn sie Männer sind, und werden so bis zu ihrem Tode gequält – auch wenn’s Schlimmeres gibt als mit Ilsa in die Kiste zu springen, möchte ich an dieser Stelle anmerken. Man sollte bloß nicht zu früh kommen, sonst kommt man in Zukunft gar nicht mehr. Dann regt sich bei den Gefangenen, angestachelt durch die neue und äußerst starke Anna, Widerstand. Sie planen einen Aufstand und bereiten ihn vor und übernehmen schließlich während einer Revolte das Lager. Wie gesagt, eine runde Sache. Dass dann die SS das Lager überrennt und die nicht geflohenen Insassen tötet, bevor sie ihre Rache nehmen können, aber auch Ilsa erledigen – sie also von dem mörderischen System, dem sie gedient hat, ermordet wird –, gibt dem Ganzen einen besonderen Kniff, fast schon einen nihilistischen Touch.

Dass man von all dem nicht besonders viel mitbekommt, liegt vor allem daran, dass die Geschichte kaum erzählt wird. So zum Beispiel die Liebesgeschichte zwischen Wolfe – Ilsas Reithengst, höhö – und Rosett – zu dem Namen sag ich jetzt mal nix – die sich förmlich aus dem Nichts entwickelt. Ein interessierter Blick zu Beginn von beiden, dann erst mal eine dreiviertel Stunde nichts und plötzlich ist Rosett aus dem Häuschen und kann es nicht ertragen, dass Wolfe ständig bei Ilsa seine Ladung verschießt – dem scheint das, nebenbei bemerkt, nicht so viel auszumachen. Und am Ende, da fliehen die beiden zusammen, nur um als glückliches Liebespaar dem finalen Massaker zu entkommen. Schön, schön, wäre aber noch schöner, wenn die Liebesgeschichte vorher auch wirklich von Relevanz gewesen oder etwas weiter bearbeitet worden wäre. Gut, andererseits, ist es vielleicht auch gar nicht schlecht, dass die Folter- und Bumsszenen fast schon wie Werbeblöcke zwischen die rudimentäre Handlung geschnitten werden und so den Sleazefreund bei Laune halten. Denn dass es einem Film dieses Genres durchaus schadet, wenn versucht wird, eine Geschichte auf traditionelle Weise so richtig zu erzählen aber trotzdem den Sexploitation-Highway hinunterunterzufahren, zeigt das Beispiel NAZI LOVE CAMP 27. Natürlich wirkt ILSA – SHE WOLF OF THE SS so auch noch um einiges dreckiger, da auf einen Blick ersichtlich ist, dass es für Regisseur Don Edmonds und Friedrich vor allem darum ging, die schnelle Kohle zu machen und dem sabbernden Publikum das zu geben, was es will – nämlich Sleaze und Gewalt galore.

Umso erschreckender wirkt das alles, auf Grund der Tatsache, dass Dyanne Thorne tatsächliches Schauspieltalent besitzt und die Figur der Lagerkommandantin Ilsa somit nicht durch schieres Overacting oder andere Ausfälle der Lächerlichkeit preisgegeben wird, sondern eine gewisse Ernsthaftigkeit besitzt. Natürlich wird das so manches Mal durch die Skurrilität und Over-the-top-Attitüde einiger Szenen relativiert, doch gerade wenn sie in ihrem Folterkeller mal wieder mit ihrem Elektroschockvibrator – nur echt mit Stromkabel, so richtig schön authentisch, nech – ihre Gefangenen bearbeitet, dann hat das etwas Abstruses aber doch gleichzeitig erschreckend Ernsthaftes an sich. Für den comic relief sorgen dann allerdings wieder Thornes Schauspielerkollegen, die das mit dem Schauspielern nicht so ganz verstanden haben und später auch keine großen Karrieren in Hollywood gemacht haben – oh Wunder, oh Wunder. Wobei Sandy Richman später noch jahrelang als Stuntfrau gearbeitet hat, unter anderem für GHOSTBUSTERS 2. Aber ausgerechnet die mit Abstand größte Nulpe von allen, Richard Kennedy – der mit seinem gratious over-the-top-acting und hässlichen schwarzen Zähnen für Trashmomente vom Feinsten sorgt –, hat es immerhin noch zu 44 IMDb-Credits als Schauspieler geschafft. Zwar nur zu so Sachen wie die Statistenrolle als „Man“ in einer Folge der Serie 3 ENGEL MIT CHARLIE – ja, liebe Kinder, das gab’s schon vor Drew Barrymore, Lucy Liu und Cameron Diaz – oder als Sheriff in UNSERE KLEINE FARM, wenn man mich fragt, eine der schnarchigsten Serien der letzten 30 Jahre, aber immerhin.

Wie das Leben halt manchmal so spielt. In diesem Sinne: „Was für ein Leben sollte es da draußen schon für ein halbes Drehbuch einen halben Mann geben.“

Ilsa - Die Hündinnen vom Liebeslager 7 Bild 1
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FAZIT:

ILSA – SHE WOLF OF THE SS ist wahrlich einer der berüchtigtsten Naziploiter, Frauenlager- und gar Sexploitationfilme, die es gibt. Und es gibt einige davon. Anders als viele Genrekollegen denen ein ähnlicher Nimbus des Verruchten anhaftet, hält ILSA jedoch was der Ruf verspricht. Als wäre das Konzentrationslager/Sexuelle Experimente für den Endsieg-Setting nicht schon anrüchig genug, wird das Ganze noch mit derben Folterszenen und, fast schon zu überzeugenden, Spezialeffekten garniert.

Eben diese realistischen und grausigen Effekte, sorgen zusammen mit dem ernsthaften und teilweise gruslig-guten Spiel Dyanne Thornes auf der einen und der totalen Inkompetenz vieler anderer Mitwirkender auf der anderen Seite, für eine schwer in Worte zu fassende, aber interessante Atmosphäre irgendwo zwischen Sleaze, Klamauk und irritierender Ernsthaftigkeit in einer moralischen Grauzone.

WERTUNG: 7 von 10 besonderen Tischdekorationen.
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