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Insanitarium

Insanitarium

HORROR: USA, 2008
Regie: Jeff Buhler
Darsteller: Jesse Metcalfe, Kiele Sanchez, Peter Stormare, Kevin Sussman

STORY:

Jacks psychisch labile Schwester wird in der Nervenklinik des sinistren Dr. Gianetti behandelt. Jack argwöhnt, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht. Um seine Schwester aus der Anstalt zu befreien, sorgt der eigentlich geistig gesunde Jack dafür, dass er ebenfalls als Patient in die Klapse eingeliefert wird. Dort stellt er schnell fest, dass seine Sorgen ums Schwesterherz allzu berechtigt sind. Der teuflische Gianetti testet nämlich das eigens kreierte Medikament "Orpheum" an seinen Patienten. Mit verheerenden Nebenwirkungen. Alsbald verwandeln sich die Insassen in blutrünstige Tobsüchtige und brechen aus ihren Zellen aus. Und Jack sitzt samt Schwesterlein in einer tödlichen Falle!

 

KRITIK:

2008 stellte Jeff Buhler, seines Zeichens der Mann, der nach einer Vorlage Clive Barkers das Drehbuch zum mächtigen MIDNIGHT MEAT TRAIN geschrieben hat, seine erste Regiearbeit fertig. Titel: INSANITARIUM, Mixtur: Ein Drittel Anstaltsthriller, ein Drittel Mad Scientist, ein Drittel Tollwutflick a la 28 DAYS LATER.

2009 veröffentlichten Sony Pictures das Ding ohne FSK-Freigabe, aber mit dem Segen der juristischen Kommission ungeschnitten in Deutschland. Doch lange stand der Film nicht in den Regalen von Saturn, Media Markt und Co., denn just nach dem sich der Verfasser dieser Zeilen noch ein Exemplar gesichert hat, wurde INSANITARIUM auf die den deutschen Filmfans wohl (oder übel) bekannte Liste B gesetzt. B wie böse, wie brutal, wie bluttriefend, wie ... beschlagnahmt.

Das war natürlich der Ritterschlag für Buhlers Debüt in den Augen hiesiger Gorehounds, deren Interesse jetzt natürlich erst recht geweckt war; nachdem man die DVD ob ihres unscheinbaren, plumpen Covers (aufgezogene Giftspritze und die Visagen der Hauptdarsteller im Hintergrund) zuvor im Laden geflissentlich übersehen hat. Aber gut. Wenn INSANITARIUM überhaupt jemand empfohlen werden kann, dann wohl nur der Fraktion der Freunde des deftigen, selbstzweckhaften Gemetzels.

Denn in seinem letzten Drittel, wenn die durch unlautere Medikation ihres Onkel Doktors bis zum Kannibalismus aufgeputschten Irren durch die Korridore der Klapsmühle jagen, scheint INSANITARIUM selbst eine Spritze der aggressiv machenden Droge "Orphium" (Warum nicht "Spirin" oder "Buprofen" oder "Urchfallkapsel"?) abgekriegt zu haben ... Kaum eine Stichwaffe bleibt länger als zwei Sekunden in der Hand und dann landet sie auch schon in einem Auge, einer Arterie, einem Brustkorb oder einer Bauchdecke.

Doch der Weg zum finalen Schlachtfest ist ein Pfad der Unglaubwürdigkeit, welcher mit den Steinen der Unlogik gepflastert ist. Beispiele? - Hier mal nur zwei von ungefähr tausend: Die psychisch labile Schwester des Helden wird offenbar vom bösen Psychiater himself entmündigt, obwohl es noch einen geistig gesunden Angehörigen (eben den Helden) gibt. Da Bruderherz (gespielt vom DESPERATE HOUSEWIVES-Star Jesse Metcalfe) das Schwesterlein mit der lockeren Schraube nicht einmal besuchen darf (Warum darf er das eigentlich nicht?), bleibt ihm - um Schwesterchen aus der Klapse zu befreien - ja gar nichts anderes übrig als wie dereinst Jack Nicholson über das Kuckucksnest zu fliegen, den Irren zu spielen und sich ebenfalls einweisen lassen...

Die Irrenanstalt ist übrigens auch obskur. Insbesondere ihr Personalschlüssel. Es gibt Peter Stormare als Direktor & Mad Scientist, eine Assistenzärztin, eine Oberschwester, eine Stationsschwester, einen bulligen, schwarzen Pfleger und eine Wäschereifrau. That's all! Und dabei nennt die Anstalt sogar einen Hochsicherheitstrakt mit einem ganzen Haufen geisteskranker, gemeingefährlicher Schwerverbrecher (inklusive einem Hannibal Lecter für Arme) ihr Eigen, die sicherlich einer besserer Bewachung bedürfte... Doch sollte dies am Ende gar keine Ungereimtheit sein, sondern ein sozialkritischer Einschub des Drehbuchautors, der uns damit auf die Problematik des finanziell und personell angeschlagenen Gesundheitswesens aufmerksam machen will...- und warum lacht ihr jetzt?

Wie dem auch sei. Ein halbwegs realistisches Ambiente sieht natürlich anders aus und an dieser Stelle erspare ich mir das Auflisten weiterer Logik-Askesen. Weil Logik in der Prioritätenskala eines Splatterfilms sicherlich nicht an erster Stelle stehen muss und der Bluthund wohl auch dann zufrieden ist, wenn nur genügend blutbesprenkelte Irre durch die Anstalt rennen. Und das tun sie in diesem Fall; Gliedmaßenabreißender- und auffressenderweise.

Darüber hinaus gelingt es dem Film mittels rasanter Inszenierung und der überbordender Gewalt ganz gut, seine Dümmlichkeit zu kaschieren und zumindest keinen Leerlauf in seinem logikleeren Raum entstehen zu lassen. Wobei die grobe Gorekelle erst spät in der Handlung ausgepackt wird. Aber dann haut sie im Stakkato zu. Denn auch unsere von Jesse Metcalfe angeführten Überlebenden, die nun versuchen müssen aus einem mit rasenden 28 DAYS LATER-Tollwütigen verseuchten Gebäudekomplex zu entkommen, haben ihr Scherflein zur bundesdeutschen Beschlagnahme des Films beigetragen. Sie setzen sich alles andere als zurückhaltend zur Wehr und töten Infizierte auch mal präventiv. Doch schließlich ist nach ungeschriebenen Genre-Gesetzen nur die Würde des nicht von "Orpheum" infizierten Menschen unantastbar! Da sich dies noch nicht bis zur Bundesprüfstelle rumgesprochen hat, ist dann wohl Pech.

Am Ende war es aber nicht die Unlogik (mit der kann ich leben; wenn der Rest stimmt) und auch nicht die fest angezogene Gewalt- und Sadismusschraube (Hey, ich schlafe manchmal in Herschell Gordon Lewis-T-Shirts!), die dafür gesorgt haben, dass ich Buhlers Klapsmühlenamoklauf etwas weniger begeistert aufgenommen habe als viele hiesige Splatterfreunde. In deren Reihen erfreut sich das INSANITARIUM nämlich und wahrscheinlich nicht zuletzt wegen Vitamin (Liste) B großer Beliebtheit.

Und okay, stehen Rasanz und Blut oben auf der persönlichen Prioritätenliste dürfte in diesem Fall einem erquicklichen Filmabend nichts im Wege stehen. Doch solange es dort draußen einen RE-ANIMATOR, der mit intelligenten, makabrem Witz schon in den 80ern Zombie- und Mad Scientist-Motive ungleich wertiger zusammengefügt hat oder ein infernales Irrenhaus-Pandämonium wie HELLBOUND gibt; solange kann ich in INSANITARIUM beim besten Willen nicht mehr sehen als einen Splatterfilm, der einerseits rasant und blutig durch seine Laufzeit hetzt, aber andererseits viel zu plump ist, um in der ersten Horrorliga mitzuspielen.

Insanitarium Bild 1
Insanitarium Bild 2
Insanitarium Bild 3
Insanitarium Bild 4
Insanitarium Bild 5
Insanitarium Bild 6
Insanitarium Bild 7
FAZIT:

Peter Stormare treibt als wahnsinniger Irrenarzt verbotene Experimente mit seinen Patienten und verwandelt diese nach und nach in kannibalistische Tollwütige. -  Spätestens nachdem die aus ihren Zellen ausbrechen und die Korridore der Nervenklinik unsicher machen, sichert sich dieses im Endspurt rasante, aber recht plumpe Splatterfilmchen im Klapsmühlenthrillermilleu seinen Platz auf der Liste der in Deutschland beschlagnahmten Horrorfilme, aber gewiß keinen im Genre-Olymp. Wer jedoch fröhlichem Armabnagen und Lobotomien mit schwerem Gerät mehr Priorität als einem glaubwürdigen Ansatz und einer logischen Story einräumt, könnte dennoch auf seine Kosten kommen! Überlassen wir Peter Stormare das Schlusswort, der nach einer erfolgreich durchgeführten Lobotomie sprach: "Was habt ihr? Er ist doch nicht tot. Er ist jetzt nur etwas weniger engagiert..."

WERTUNG: 5 von 10 Ampullen Orpheum
TEXT © Christian Ade
Dein Kommentar >>
DriesVanHegen | 06.11.2011 14:07
Ich fand ihn recht unterhaltsam...

Viel mehr interessieren würde mich aber, seit wann
der Streifen beschlagnahmt ist!?
Chris | 06.11.2011 14:48
In Deutschland seit Juni 2009 mit Aufnahme auf der Liste B (Quelle:
Schnittberichte.com)
DriesVanHegen | 06.11.2011 15:04
Ist doch aber nur auf Liste B indiziert, ein
expliziter Beschlagnahmebeschluss ging nicht
ein.

Wie dem auch sei & ich werde mich versuchen
zukünftig vermehrt zu Wort auf eurer schniecken
Seite melden :)
Chris | 06.11.2011 15:33
Hm, wahrscheinlich hätte ich besser "verboten" als "beschlagnahmt"
geschrieben. Ging davon aus, dass eine Aufnahme auf der Liste B
gleichzeitig die Beschlagnahmung bedeutet. Aber korrekt ist wohl,
dass Liste B zwar das Verbreitungsverbot, aber nur die Empfehlung
zur Beschlagnahme bedeutet. Mein Denkfehler, sorry. Aber danke
für den Hinweis und für das Kompliment für unsere Seite. : )
>> antworten
Nic | 04.11.2011 08:31
wirklich mies. stormare wasted. a shame!
>> antworten


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