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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Katzenmenschen

Katzenmenschen

OT: Cat People
HORROR: USA, 1982
Regie: Paul Schrader
Darsteller: Nastasssja Kinski, Malcom McDowell, John Heard

STORY:

Die Geschwister Irena (Nastassja Kinski) und Paul Gallier (Malcolm McDowell) sind keine gewöhnlichen Menschen, sondern die letzten Nachkommen einer eigenen Art. Einst wurden ihre Vorfahren den Pantern geopfert, wobei der Geist der Raubkatzen von diesen Menschen Besitz ergriff. Nun können sie nur mit Wesen ihrer Art Sex haben. Schlafen sie hingegen mit einem gewöhnlichen Menschen, verwandeln sie sich selbst in einen Panter. Erst wenn sie einen Menschen getötet haben, erlangen sie dann wieder ihre menschliche Gestalt. Deshalb möchte Paul mit seiner eigenen Schwester eine Beziehung eingehen. Doch diese verliebt sich in den Zoodirektor Oliver Yates (John Heard). Zugleich tötet ein schwarzer Panter in New Orleans mehrere Menschen.

KRITIK:

Der von Paul Schrader 1982 gedrehte Horrorfilm KATZENMENSCHEN ist ein Remake des gleichnamigen Universalfilms von Jacques Tourneur aus dem Jahre 1942. Doch Schraders Film ist alles andere, als ein reiner Neuaufguss eines bekannten Klassikers. Bereits das Original war kein gewöhnlicher Horrorfilm, sondern eher ein Mystery-Drama und von seiner Ästhetik her ein frühes Beispiel des Film noir. Paul Schrader schuf mit seinem genau 40 Jahren später entstandenen Film eine ganz eigene Version von KATZENMENSCHEN. Ohne zu vergessen, dass dies ein Horrorfilm ist, hebt Schrader insbesondere den mystischen Teil der Geschichte und dessen sexuelle Symbolik hervor.

Der Drehbuchautor Paul Schrader steht bis heute ein wenig im Schatten seiner einstigen Wegbegleiter aus der Zeit des New Hollywood. Dabei avancierte Schrader bereits mit seinen ersten Drehbüchern zu einem der wichtigsten Drehbuchautoren der siebziger Jahre. So schrieb er zusammen mit seinem Bruder Leonard Schrader und dem gleichfalls begnadeten Drehbuchautor Robert Towne das Skript zu YAKUZA (Sydney Pollack, 1974) und schrieb zwei Jahre später für Brian de Palma das Drehbuch zu OBSESSION. Für Martin Scorsese schrieb Schrader die Skripte zu dessen zwei wohl herausragendsten Filmen: TAXI DRIVER (1976) und WIE EIN WILDER STIER (1980). Bereits Paul Schraders erste eigene Regiearbeit BLUE COLLAR (1978) wurde ein Achtungserfolg. Sein dritter Spielfilm AMERICAN GIGOLO (1980) gilt bis heute als einer der Filme, die am besten den Zeitgeist der achtziger Jahre verkörpern. Direkt darauf folgte KATZENMENSCHEN.

KATZENMENSCHEN fällt als einziger Horrorfilm auf den ersten Blick ein wenig aus dem mehr dramatisch geprägten Gesamtwerk Paul Schraders heraus. Doch auch dieser Film kann als ein Drama verstanden werden. Allerdings steht in diesem ersten Film Schraders, zu dem er nicht selbst das Drehbuch geschrieben hatte, noch weit mehr die mystische Komponente im Vordergrund. So springt KATZENMENSCHEN von dem in der Gegenwart angesiedelten Geschehen in New Orleans zwischenzeitlich immer wieder in die mystische Vergangenheit zurück. Die Anfänge des Geschlechts, dem die Geschwister Gallier angehören, haben sich in einer orangenen Wüstenlandschaft abgespielt, die fast einer Art von Parallelwelt gleicht. Von seiner optischen Seite her erinnert die Szenerie an den zwei Jahre später entstandenen Film DER WÜSTENPLANET. Doch Schrader zeigt keinen fremden Planeten, sondern eine zeitlos wirkende Welt des Mythos und des Unterbewusstseins.

Die Welt der Mythen und Sagen wird von Hollywood in der Regel auf eine von zwei Arten dargestellt. Entweder konzentriert sich der Film alleine auf das phantastische Geschehen, ohne in diesem einen tieferen Sinn zu suchen. Oder aber der Film arbeitet mit solch einer penetrant aufdringlichen Symbolik, dass der Zuschauer schnell das Gefühl bekommt gerade belehrt zu werden. Paul Schrader geht in KATZENMENSCHEN jedoch einen dritten, viel interessanteren Weg. In diesem Film kann der Zusammenhang der Welt der Raubtiere und die der menschlichen Sexualität durchaus psychologisch interpretiert werden. Doch wird niemals eine direkte Gleichsetzung beider Welten angestrebt. Deshalb kann der Regisseur in einem Interview mit vollem Recht behaupten, dass z.B. die Thematik einer sexuellen Beziehung zweier Geschwister hier nichts mit Inzest zu tun hat. Solche Themen klingen in KATZENMENSCHEN zwar durchaus unterschwellig an. Aber der Schwerpunkt der Geschichte liegt bei dem Mythos der Entstehung einer eigenen Art, die menschliche und tierische Eigenschaften verbindet und deren speziellen Schwierigkeiten.

So wirkt KATZENMENSCHEN auch keineswegs so nüchtern, wie andere Filme des Regisseurs. Bereits der von David Bowie gesungene Titelsong baut in Verbindung mit der gezeigten mystischen Parallelwelt eine ganz eigene Stimmung auf. Diese wird durch den durchgängig hervorragenden Soundtrack von Giorgio Moroder nicht bloß weitergeführt, sondern sogar noch weiter verstärkt. Die Kameraarbeit von John Bailey ist ebenfalls superb. Und in der Verbindung einer gediegenen Cinematographie mit dem äußerst atmosphärischen Moroder-Score gelingen Paul Schrader zahlreiche Momente von reiner Kinomagie.

Da wäre z.B. die am Originalfilm orientierte Schwimmbadszene, in der bis in die farbigen Wasserspiegelungen an der Decke hinein jedes Detail genauestens durchdacht und perfekt umgesetzt ist. Eine weitere Person, die eine herausragende Rolle bei der visuellen Gestaltung des Films spielte, war Ferdinando Scarfiotti, mit dem Schrader bereits in AMERICAN GIGOLO zusammengearbeitete hatte. Der Regisseur schätze die Rolle des offiziell nur als künstlerischen Beraters fungierenden Italieners derart hoch ein, dass er eigentlich Scarfottis Namen zusammen mit seinem eigenen als Urheber dieses Films nennen wollte, was aus gewerkschaftlichen Gründen jedoch nicht möglich war.

Man muss aber auch sagen, dass es recht lange dauert, bevor der Film wirklich Fahrt aufnimmt. Bis dahin wirken die Haupthandlung im Amerika der achtziger Jahre und die Rückblenden zum mystischen Ursprung der Familie Gallier fast wie Sequenzen aus zwei verschiedenen Filmen. Doch nach und nach beginnen die nüchterne Alltagswelt in New Orleans und die Welt der Mystik miteinander zu verschmelzen und der Film fängt an, seine wahre Magie zu entfalten.

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FAZIT:

KATZENMENSCHEN ist Paul Schraders sehr gelungener Versuch verschiedene filmische Welten miteinander zu vereinigen. Tierhorror trifft auf Phantastik, Mystik trifft auf Psychoanalyse, Drama trifft auf Lovestory.
Der Film wird am 8.11.2013 bei Koch Media als Blu-ray erscheinen.

WERTUNG: 8 von 10 Raubkatzen im Menschen
TEXT © Gregor Torinus
Dein Kommentar >>
Federico | 10.11.2013 14:11
Und - gekauft. Ich habe den Film bisher immer nur
als Ramschartikel beim Libro um 4,99 wahrgenommen.
Das ist der eigentliche Grund, warum ich
filmtipps.at zu lesen begonnen habe: mutmaßliche
Perlen, die an einem vorübergezogen wären. Danke für
dieses Review, ich freu mich schon tierisch *ha ha*
auf den Film und außerdem: thumbs-up für Paul
Schrader. Dem wird viel zu wenig Beachtung
geschenkt.
Fedi | 17.11.2013 20:02
Der Film war übrigens ok. Grauenhafte Logikfehler,
grauenhafte Plotlöcher und grauenhafte Dialoge, aber
dennoch spannend, stimmungsvoll und irgendwie
bizarr. Mehr als 6 würde ich dem aber nicht geben
(und jetzt seh' ich mir Headshot an).
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