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Kill List

Kill List

THRILLER: GB, 2011
Regie: Ben Wheatley
Darsteller: David Bowen, MyAnna Buring, Ben Crompton

STORY:

Es wird viel gestritten und geschrieen in der Ehe von Jay und Shel. Es geht wie immer ums liebe Geld, bzw. um die notorische Abwesenheit desselben. Der ehemalige Berufssoldat Jay hat seit acht Monaten nicht mehr gearbeitet. Burnout. Damals, vor acht Monaten, war ein Auftrag schief gegangen. In Kiew. Davon hat sich Jay's angeknackste Psyche bis heute nicht erholt. Sein Kollege Gal überredet Jay, endlich wieder einen Auftrag anzunehmen. Die "Kill List" steht. Und ein Killer hat keine Fragen zu stellen. Schon gar nicht, welchem Zweck die angeordneten Morde an einem Priester, einem Bibliothekar und einem Parlamentarier dienen sollen ...

KRITIK:

So. Bis hierher und nicht weiter. Kein Wort mehr zur Geschichte, versprochen. Denn KILL LIST gehört zur raren Klasse von Filmen, die um so besser funktionieren, je weniger man über die Story weiß.

DASS es verdammt dick kommen wird in diesem britischen Killer-Thriller, der wie ein Sozialdrama beginnt und mehr und mehr zum Horrorfilm wird, das hab ich schon gewusst. Das WIE hat mich dann aber doch überrascht. Gelinde gesagt. Unvorbereitet die Faust ins Gesicht gerammt wäre vielleicht treffender.

Die geschätzten Kollegen vom Filmblog hardsensations meinten ja die serbische Bohnensuppe aus KILL LIST herauszuschmecken, der liebe Doktor Nachtstrom zog auf seinem Blut-und-Beuschel-Blog Vergleiche mit David Cronenberg, während man sich bei critic.de an einen Kult-Klassiker der britischen Horrorgeschichte erinnert fühlte. Gemeint ist wohl THE WICKER MAN.

Gewichtige Vergleiche, die der zweite Film des jungen britischen Regisseurs Ben Wheatley (Down Terrace) gar nicht nötig hätte. Das Bemerkenswerte ist, dass der Film weitgehend ohne Effekthascherei auskommt. Mit Betonung auf weitgehend. Statt den Gorehounds dieser Welt die Blutwurst vor die Lefzen zu knallen, leistet sich dieser Streifen den Luxus einer langen Exposition, um die Charaktere einzuführen. Und langsam, ganz langsam eine Atmosphäre permanenter Bedrohung aufzubauen.

Um den eigenwilligen Slang der Figuren zu verstehen, sollte man besser Native Speaker sein, am besten mit Geburtsort Yorkshire. Oder man blendet die Untertitel ein, ohne die hilflos und verloren gewesen wäre. Die eigenwillige Sprache dient natürlich dem rohen und unmittelbaren Realismus, dem sich der Regisseur verschrieben hat. Aber eben nicht nur: Jump Cuts wie bei Godard, ein diffuser, atonaler Soundtrack und subtile Verschiebungen zwischen Bild und Ton verfehlen ihre Wirkung nicht. KILL LIST ist nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch unheimlich.

Und dann lässt er es unvermittelt knallen. Gewalt gibt es in einem Ausmaß, mit dem man bei einem Film dieser Kategorie nicht gerechnet hätte. Aber was heißt schon "Kategorie" bei einem Film wie KILL LIST, der die Genres mischt wie Jay im Film seine Drinks, mit denen der nur vordergründig abgebrühte Berufskiller seine Angst runterspült. Heraus kam ein ziemlich wahnsinniger, klaustrophobischer, stellenweise knochenharter Thriller mit einem Finale, das zumindest mich ziemlich bleich und sprachlos zurückgelassen hat.

Kill List Bild 1
Kill List Bild 2
Kill List Bild 3
Kill List Bild 4
Kill List Bild 5
FAZIT:

Hinter der DVD mit dem Allerweltstitel mit dem nichtsnutzigen Actiongülle-Covermotiv verbirgt sich ein nervenaufreibender britischer Horrorfilm mit einem - gelinde gesagt - verblüffenden Finale. Nichts für schwache Nerven. Und das ist kein leeres Versprechen.

WERTUNG: 9 von 10 Schnitte in die rechte Hand
Dein Kommentar >>
Frikadellien | 18.01.2014 17:27
Die volle Punktzahl ist hier sicherlich völlig übertrieben. Gewaltszenen peppen eine schwache Story eben nicht auf. Der Film hat zwar durchaus Atmosphäre, das Bisschen aufgebaute Spannung wird mit diesem Ende jedoch jäh enttäuscht. Hanebüchener Unfug. 4 von 10 Hammerschlägen auf die Rübe.
>> antworten
M. | 02.09.2013 23:20
Für mich war der Film ebenso eine Enttäuschung. Die Maskenbildner und Schauspieler haben versagt. Ich habe nur darauf gewartet, dass endlich etwas passiert, was auch schon das einzig Spannende war, soviel zu Thriller. Den Schluss fand ich auch nicht wirklich überraschend. Den Film würde mein kleider Bruder schon verkraften, also ruhig Blut, so schwach eure Nerven auch sein mögen, er wird euch nicht umhauen!
Meine Wertung würde im besten Fall bei 4 von 10 Schnitten in die LINKE Hand liegen!
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Artur | 18.05.2012 03:04
Der Film hat mich mich wirklich extrem enttäuscht, schwache schauspielerische Leistung und Besetzung. Story auch mehr schlecht als recht und der Schluss ist mal sowas von bescheuert, selten so einen Schwachsinn gesehen. Eigentlich hab ich bis jetzt blind auf eure Empfehlungen vertraut aber ich werde mir in Zukunft wohl noch ne zweite Meinung einholen müssen.
Harald | 18.05.2012 07:28
Eine zweite Meinung ist immer gut. Aber bei dem hier wirst du kaum
was schlechtes finden.
Artur | 18.05.2012 17:33
Wirklich schlecht fand ich ihn auch nicht aber ich find die Wertung ziemlich übertrieben. 6 von 10 wären angemessen. Ich war nur so enttäuscht weil ich mir mehr erwartet hab.
Ironclad | 10.09.2012 21:14
Ein definitiver Pflichtfilm.
Hart,kompromisslos und von der Machart her
einfach nur gut.
Ich fand ihn auch ziemlich beängstigend,warum weiss ich auch nicht so recht,aber er erzeugt wirklich eine..wie soll ich sagen..dreckige,unsaubere Atmosphäre.
Man fühlt sich einfach nicht wohl je näher er dem Ende rückt,desto schlimmer wirds.
Genau DAS erwarte ich von einem Thriller.
Topfilm,Topbewertung.
Schliesse mich an:9/10
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