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Knight of Cups

Knight of Cups

BEBILDERTES GEFüHL: USA, 2015
Regie: Terrence Malick
Darsteller: Christian Bale, Cate Blanchett, Natalie Portman, Teresa Palmer, Isabel Lucas uvm.

STORY:

Rick (Christian Bale) durchstreift sein Leben. Lässt es auf sich wirken. Ist auf der Suche nach dem Sinn ...

KRITIK:

Viele fassen sich sicherlich bei der Beschreibung der Story nun schon an den Kopf und stoßen ein schwermütiges: "Ach, Malick ..." aus. Seit seinen neuesten Filmen spaltet er ja das Lager der Zuseher in die, die ihn lieben, und diejenigen, die ihn hassen. Zumindest zeigt das meine Erfahrung. Ich zähle eindeutig zu denen, die ihn lieben für seine neuen Filme. Das dürfte mittlerweile bekannt sein. Dennoch hab ich mir auch zu Beginn von Knight of Cups die Frage gestellt, ob ich hier noch objektiv sein kann oder ob ich Malick einfach verfallen bin. Dann hab ich beschlossen, dass es unerheblich ist und ich den Film einfach wirken lassen möchte. Denn jeder Eindruck und jede Wiedergabe desselben ist doch nur eine subjektive Wahrnehmung. Wer mit den neuen Filmen von Malick nichts anfangen kann, der wird auch Knight of Cups nicht mögen und sich diesen wahrscheinlich auch nicht ansehen. Unerheblich wie ich dazu stehe.

Aber selbstkritisch kam mir die Frage in den Sinn: "Dreht sich Malick nur noch um sich selbst, ist jeder weitere Film von ihm nur eine aufgewärmte Suppe des zu vorigen?" Ich kann das ganz klar mit NEIN beantworten! Was Malick da macht, ist ganz einfach seine Art Filme zu machen. Sein Stilmittel und seine Möglichkeit sich künstlerisch auszudrücken. Das bricht mit unserem gewohnten Sehverhalten, das bricht mit unserer Art Filme in der heutigen Zeit zu sehen. Und ist deshalb auch ein stückweit revolutionär und so wichtig!

Gerade das Argument, das ich dann oft höre, Malick sei langweilig, langsam, unterfordert einen, kann ich nicht nachvollziehen. Ganz im Gegenteil: Ich fühle mich eher überfordert! Denn jede Einstellung, jeder Moment ist ein Gefühl. Das ist, als würde man in zwei Stunden durch eine Fotoausstellung hetzen, die mehrere Tausend Bilder zeigt. Alles was er uns präsentiert, ist ein einzelnes Gefühl, das er in diesem Moment empfindet und mit Bildern widergibt. Ich mag diese Art Filme zu machen, entspricht sie doch meiner eigenen Art.

Dabei muss sich nicht alles erklären, und schon gar nicht von selbst! Es geht nicht darum jeden Moment zu verstehen. Immer zu wissen, was Malick damit sagen möchte, sondern es einfach einmal so stehen zu lassen und das Gefühl, das man selbst in diesem Moment hat, anzunehmen.

So geht es auch Rick, der als Beobachter durch sein Leben streift. Sich wie ein Außenstehender die Welt ansieht, die doch seine eigene ist. Er sieht hin, denkt darüber nach, reflektiert und geht weiter, um neu anzufangen. Wenn Malick dem Zuseher überhaupt etwas mit auf den Weg geben möchte, dann ist es genau das: sieh hin, hinterfrage und fang neu an.

Wie immer macht er dies mit melancholisch-schönen Bildern. Die gerade bei mir im Moment auch einen besondern Nerv getroffen haben. Da ich erst vor einem Monat von einer 7-wöchigen Amerikareise wieder zurück bin. Viele der Orte durch die Rick bei seiner Reflektion streift, habe ich vor noch kurzer Zeit selbst besucht. Und es sind paradoxe Orte ... die Glamourwelt Los Angeles, die doch so dreckig sein kann. Die wunderschöne amerikanische Natur, die doch auch widerspiegelt, dass die USA immer einen Tick an Zuviel sind. Orte an denen man sich verlieren kann und manchmal nur schwer wiederfindet. Eine Kulisse des eigenen Lebens, was im Film auch fantastisch ausgedrückt wird durch die Kulissen durch welche Rick streift. Ganz offensichtlich: in den Kulissen-Straßen von New York in den Universal Studios, und weniger offensichtlich: durch die Häuserschluchten in Los Angeles und die geballte Natur Amerikas. Rick durchschaut diese Scheinwelt schon, und reflektiert auch, aber tritt doch immer wieder in die Falle, als Wanderer, Suchender ... ob er findet was er sucht, das bleibt natürlich offen und ist auch nicht relevant.

Mein Empfinden sagt mir, dass Knight of Cups ein sehr persönlicher Film von Malick ist. Inwieweit das natürlich stimmt, bleibt genauso offen wie die Suche von Rick. Was weiterhin auffällt ist, dass sich auch hier wieder drei Söhne um einen präsenten Vater drehen. Ein Sohn stirbt. Ich musste an The Tree of Life denken. Auch scheinen Frauen eine große Rolle in Malicks Leben zu spielen. Sie sind Hure und Heilige zu gleich, retten den unrettbaren Mann. Was die Religion betrifft, habe ich ja schon ausführlich in meiner Kritik zu To the Wonder dazu Stellung bezogen. Wovon ich auch weiterhin überzeugt bin, da Malick seine Kapitel in Knight of Cups durch Tarotkarten unterteilt. Die Bedeutung der Karte des Knight of Cups fasst den Film mit einem Satz zusammen.

Christian Bale gefällt mir sehr in dem Film. Ohne Drehbuch hat ihn Malick einfach in die einzelnen Szenen geworfen, um dann zu sehen was passiert. Und es funktioniert. Wenn ich mich recht erinnere spricht er nur ein einziges Mal in dem Film nicht aus dem Off. Und zwar dann als er einer jungen Dame seinen Namen sagt: Rick. Er ist Rick, er ist der Beobachter seines Lebens, er steht an der Seite und sieht einfach hin. Er ist Rick.

Sicher ist, verlässt man den Kinosaal und fängt an, dann denkt man über das Gesehene nach. Ob man es mochte oder nicht. Man denkt darüber nach, um dann einfach erneut anzufangen ...

Knight of Cups Bild 1
Knight of Cups Bild 2
Knight of Cups Bild 3
Knight of Cups Bild 4
Knight of Cups Bild 5
Knight of Cups Bild 6
FAZIT:

Auch Malicks neuester Film Knight of Cups ist weniger eine konkrete Geschichte als mehr ein bebildertes Gefühl einer solchen, das mit Musik unterlegt und mit Stimmen aus dem Off zu einem Gesamtkunstwerk wird. Das Leben, wie es nunmal gefühlt wird. Dass jeder dabei etwas anderes fühlt, ist nur logisch und auch gut so. Die raue See spült diese Gefühle zu uns und nimmt sie auch wieder, wir können nur danach schnappen wie ein Hund, der im Pool versucht, einen untergehenden Ball zu erwischen. Ein flüchtiger Moment, der selbst in der Reflektion nie die Wahrheit widergeben kann. Malicks Film ist ein Suchen und Finden, vor allem aber ein Verlieren und Vergessen, um dann neu anzufangen.

Knight of Cups erscheint am 15.1.2016 auf DVD und Blu-ray.

WERTUNG: 9 von 10 geretteten Bienen aus dem Pool
TEXT © Nicky
Dein Kommentar >>
Franzlnator | 15.09.2015 10:08
Ich mag Malick auch, besonders weger Der schmale Grat, gerne. Allerdings lässt für mich fast jeder einen faden Beigeschmack, da Malick sich vorbehält den Film völlig anders zu schneiden, zu gestalten als vorher geplant. Bestes Beispiel ist Adrien Brody in Der schmale Grat: eigentlich sollte er einer der Hauptrollen und wer das Endergebnis sah, konnt ihn als völlige Nebenfigur erleben.
Erst bei seinem letztem Film besuchte Olga Kurylenko Malick vor dem Schnitt und bat ihm ihre Perfomance entsprechend zu würdigen, in dem er ihre Szenen behält. Und wenn man den Film, fällt auch auf, dass Ben Affleck in dem Film kaum Text hat, geschweigedenn vorkommt.
Wie gesagt: einfach ein fader Beigeschmack, dass Malick die Schauspieler nicht zu würdigen weiß.
>> antworten
Harald | 11.09.2015 22:01
Wow, sehr schöne, persönliche Kritik.
Der Vergleich mit der Foto-Ausstellung trifft's,
glaub ich, sehr gut. Freu mich sehr auf den Film,
wohl noch dieses Wochenende.
Nicky | 12.09.2015 11:21
Danke! Bin gespannt was du zum Film sagst
Harald | 19.09.2015 15:11
Endlich gesehen. Bin völlig hin und weg von der
irrwitzigen, unwirklichen Schönheit dieses Films.
Ach, wenn meine eigenen Sinnkrisen und
Liebeskummer-Attacken jemals auch nur halb so gut
ausgesehen hätten. Aber ich bin halt auch nicht
Christian Bale und wohne auch nicht in Hollywood
;-(

Zwischenzeitlich hätte ich mir gewünscht,
Terrence Malick würde mal ein Duran Duran-Video
drehen. "Girls on Film 2015" ..
>> antworten


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