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Kongo

Kongo

DRAMA: DE, 2010
Regie: Peter Keglevic
Darsteller: Maria Simon, Maximilian Brückner, Florence Kasumba, Götz Schubert

STORY:

Eine engagierte Feldjägerin wird zusammen mit einem Kollegen in den Kongo geschickt um den Tod eines dort stationierten, deutschen Soldaten zu untersuchen. Für die Kollegen und Vorgesetzen ist der Tod des jungen Familienvaters klar Selbstmord, doch der Feldjägerin kommen schon bald erste Zweifel an dieser Theorie, nicht zuletzt da sie innerhalb der Truppe auf eine Mauer des Schweigens stößt. Doch das ist nur der Anfang: Kindersoldaten und ein brutaler Bürgerkrieg zerren schon bald an den Nerven der Aufklärer...

KRITIK:

Es steht nicht wirklich gut um das Image deutscher Soldaten in Auslandseinsätzen. Man denke nur an Kundus, oder die Meldungen über Soldaten die mit Totenschädel posieren.

Vor diesem Hintergrund spielt auch 'Kongo'. Im Zentrum der Geschichte steht eine (fiktive) im Kongo stationierte Truppe, deren Aufgabe eigentlich darin bestehen sollte, Flüchtlinge bei ihrer Heimkehr zu unterstützen. Soviel zur Theorie. Doch die Praxis sieht anders aus: Die Soldaten finden sich inmitten eines brutalen Bürgerkrieges wieder. Überall lauern Kindersoldaten, die unter dem Einfluss von Drogen, grauenhafte Massaker verüben. Dörfer werden geplündert. Schulen dem Erdboden gleich gemacht, Frauen vergewaltigt und abgeschlachtet, junge Männer verschleppt. Not und Elend soweit das Auge reicht.

Das sind nur einige der Dinge, mit denen die Soldaten tagtäglich konfrontiert werden. Es ist wohl kaum verwunderlich, dass die Ereignisse ihr Spuren an den Männern hinterlassen. Ein überaus interessanter Ausgangspunkt. Die Macher von "Kongo" hatten sich wohl an die Fahne geheftet, den Alltag deutscher Soldaten im Auslandseinsatz, zu zeigen. Gleichzeitig wollte man das Ganze aber auch massentauglich gestalten. Schließlich hatte das ZDF bei der Produktion seine Finger im Spiel und man legte Wert darauf, den Film möglichst publikumswirksam zur besten Sendezeit zeigen zu können.

Also packte man den Hintergrund einfach in eine gewöhnliche Krimihandlung. Wo wir beim Knackpunkt des Films wären. Durch die Kompression auf eine Krimihandlung verliert der Film nämlich einiges an Komplexität, da die Story im Prinzip auf eine recht simple Ermittlungsgeschichte gestutzt wird. Das übliche halt: Eine engagierte junge Ermittlerin, die sich quasi im Alleingang gegen den Rest der Welt stellt und eine Intrige aufdeckt.

Und weil die Geschichte in einer Männerdomäne angesiedelt ist, hat man auch gleich die typische "Frau muss sich unter Männer durchsetzen" - Story mit eingebaut. Soll heißen: Die weibliche Ermittlerin hat es schwerer als ihr männlicher Gehilfe. Während ihr Untergebener gleich kumpelhaft behandelt wird, wird die Ermittlerin diskriminiert (nicht immer offen) oder müde belächelt. Wenn sie nicht gerade von irgendwelchen Männern angebaggert wird. Ich will ja gar nicht abstreiten, dass man es als Frau in einer Männerdomäne schwer hat. Aber muss das deshalb gleich so lang und breit ausgebreitet werden?

Das sind eben Dinge, die den Film den Drive nehmen. Dabei hatte 'Kongo' durchaus Potential. Vor allem zu Beginn ist die Spannung recht hoch und es kommt sogar Atmosphäre auf. Über kleinere Schnitzer wie zu dick aufgetragene Musik und darüber, dass manches zu effekthascherisch umgesetzt wurde, sieht man da noch gern hinweg. Man hat es schließlich mit einem Film zu tun, bei dem die Macher durchaus engagiert ans Werk gingen. Und bei dem man sogar auf einfache schwarz-weiß Zeichnungen verzichtete. Zumindest was dem Background angeht. Das Dilemma mit den Kindersoldaten, der desolate Zustand und die Enge mancher Militärstützpunkte, der aufreibende Kampf der Soldaten gegen einen gesichtslosen Feind, das Heimweh der Soldaten, all das wird schön herausgearbeitet. Wenn beispielsweise eine von Kindersoldaten zerstörte Schule gezeigt wird und dann die Kamera über die Wiese fährt und man hinter hohen Grasbüscheln die Leichen der Kinder sieht, lässt sich etwas vom Grauen des brutal geführten Bürgerkrieges erahnen. Und man spürt förmlich die Hilflosigkeit der zur Friedensmission abgestellten Truppen.

Doch leider rücken diese Dinge im Laufe des Films mehr und mehr in den Hintergrund und stattdessen rückt die oben bereits erwähnte Krimihandlung mehr und mehr in den Vordergrund. Sicher, spannend bleibt die Sache schon noch einigermaßen, nicht zuletzt dank der Darsteller, doch das sollte man sich bei einem Krimi auch erwarten können.

Kongo Bild 1
Kongo Bild 2
Kongo Bild 3
Kongo Bild 4
FAZIT:

Eine junge Feldjägerin soll den Tod eines im Kongo stationierten Soldaten aufklären und kommt dabei einem Kriegsverbrechen auf die Spur. "Kongo" ist ein durchaus engagierter Film, der allerdings ziemlich gewöhnlich verpackt daherkommt. Dabei hatte der Film durchaus Potential: Eine interessante Thematik und die auf Realismus setzende Umsetzung lassen zumindest zu Anfang so etwas wie Atmosphäre aufkommen und auch etwas von Grauen des Bürgerkriegs erahnen. Doch leider kippt der Film gegen Ende zunehmend in einen gewöhnlichen Krimi um. Spannend bleibt es trotzdem.

WERTUNG: 6 von 10 verschmutzten Handys
TEXT © Gerti
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