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Kottan ermittelt: Rien ne va plus

Kottan ermittelt: Rien ne va plus

KOMÖDIE: A, 2010
Regie: Peter Patzak
Darsteller: Lukas Resetarits, Robert Stadlober, Bibiane Zeller, Udo Samel, Johannes Krisch, Wolfgang Böck, Mavie Hörbiger

STORY:

Die gierige Bank hat die Zinsen fürs Gartenhäuschen drastisch erhöht und zwingt den zwangsbeurlaubten Major Kottan nach 27 Jahren des süßen Nichtstuns zur Rückkehr ins Berufsleben. Das war aber auch höchste Zeit: In der Bundeshauptstadt sorgt eine Mordserie an Teilnehmern eines Pyramidenspiels für zahlreiche Opfer, während der Machtkampf zwischen dem Polizeipräsidenten Pielch und dem ehrgeizigen Generalmajor Hofbauer immer groteskere Züge annimmt. Kottan lässt sich weder von vom Himmel scheißenden Hunden noch abrasierten Autotüren beirren und nimmt die Ermittlungen auf …

KRITIK:

Sollte es im Jahr 2037 noch Filmkritiker geben - was höchst unrealistisch ist, weil heute schon 20 Prozent der AHS-Schüler nicht mehr sinnerfassend lesen können, weil die Jungen keine Filme, sondern Serien sehen und keine Zeitungen lesen, sondern bei Games verblöden - aber egal, sind wir einfach mal furchtbar naiv und glauben wir einfach daran, dass die schreibende Zunft zumindest in absehbarer Zukunft nicht vollständig ausstirbt - wie also werden Filmkritiker des Jahres 2037 diesen Film retrospektiv beurteilen?

Was machen 20 Polizisten in an Puff? - A Razzia?
Na! Muttertag feiern!

Vielleicht als ins Surreale überhöhte Momentaufnahme der Stimmungslage im gekippten Österreich des Jahres 2010, wenige Jahre vor der Wende zur quasiautoritären Rechtspopulisten-Demokratie? Als letztes verzweifeltes Aufbäumen der ins Rentenalter gekommenen 68er gegen die Wiederkehr des Reaktionären? Als tragikomisches Beispiel für den naiven Glauben an die Macht der Aufklärung durch boshaften, antiautoritären Humor. Im Sinne von: Die Staatsgewalt auslachen. Und, ganz furchtbar altmodisch: Der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten.

Möglicherweise werden sich unsere zukünftigen Kollegen (bzw. Nachfolger ;-) wundern, warum die 2010er-Wiederauferstehung des österreichischen Kult-Kieberers Kottan seinerzeit von den Printmedien abgewatscht wurde wie selten ein österreichischen Film zuvor: Vielleicht werden sie feststellen, dass der "künstlerische Totalschaden" (profil), der "Zitatefriedhof Kottan" (Kurier), diese "Verramschung einer österreichischen Kultserie" (Der Standard) zumindest weit besser war als sein Ruf.

"Bravo, Dolferl, bravo!"

Ok, ein bissl haben sie schon recht, die skeptischen Kollegen von den heimischen Qualitätsmedien: Die Geschichte holpert und stolpert leidlich spannend dahin, nur lose zusammengehalten von Gags, die nicht immer zünden. Kottans zweiter Kino-Einsatz - der erste war dieser hier - setzt nämlich am zunehmend klamaukhaften Ende der TV-Serie an, und nicht am zupackenden Realismus der frühen Tage.

"Schub- äh Schutzhaft!"

Ein paar der Witze haben tatsächlich einen längeren Bart als alle Band-Mitglieder von ZZ Top zusammen - ich sag jetzt nur: "Punschkrapferl". Und auch die "tagesaktuellen" Anspielungen - Bawag, Arigona, Haider etc. - wirken weniger bissig als vielmehr aufgesetzt. Aber vielleicht werden das unsere Nachfolger im Jahr 2037 ganz anders sehen.

"Iss a Packerl Schnitten! Damit wenigstens dein Magen arbeitet!"

Während das Drehbuch von Jan Zenker, dem Sohn des Kottan-Erfinders Helmut Zenker - durchaus noch kleine Nachjustierungen vertragen hätte, gibt’s über Regie und Darsteller rein gar nix zu meckern. Peter Patzak gab sich sichtlich Mühe, inszenatorisch auf der Höhe der Zeit zu sein. Mit Animationen und durchaus kreativen Split-Screens sucht Patzak fast schon krampfhaft Anschluss ans digitale Zeitalter. Kottan 2.0, wenn man so will, liegt stilistisch irgendwo zwischen surrealem Kabarett-Film, digitaler Videoinstallation und Althippie-Musical.

Kottan's Kapelle - nur echt mit Idioten-Apostroph - ist für die zahlreichen Gesangseinlagen zuständig, und getanzt wird auch. Ziemlich ekstatisch, sogar. Schaut mal den Trailer an!

"Das ist KEIN Kaffeeautomat!"

In der Titelrolle steht Lukas Resetarits als die Gelassenheit in Person in der Gegend herum und verrichtet mürrisch Dienst nach Vorschrift. Johannes Krisch ("Revanche") als Schremser hat sich ein Bein ang'raucht, und Robert Stadlober hat als depperter Assistent Schrammel sogar ein paar Brocken Wienerisch gelernt. Der unvermeidliche Simon Schwartz erinnert optisch ein wenig an Vladimir Putin, und Wolfgang Böck gibt als korrupter Generalmajor Hofbauer den besten Frank Sinatra, den er drauf hat. Überhaupt: Prominenz, wohin man blickt. Nur Georg Friedrich hat noch gefehlt ...

Kottan ermittelt: Rien ne va plus Bild 1
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FAZIT:

Nach 27 Jahren des süßen Nichtstuns wird Major - weil Inspektor gibt's kan - Kottan wieder zum Dienst beordert. Mit neuen, verjüngten Sidekicks macht Lukas Resetarits immer noch gute Figur als musizierender Polizist mit Motivationsdefizit, während der Film zwischen surrealem Kabarett-Kino, digitaler Videoinstallation und Althippie-Musical pendelt. Rien ne va plus? Aber na, des geht scho ...

In diesem Sinne: "Wissen Sie, wie man ein Arschloch neugierig macht?
(Pause.) Ich sag's Ihnen morgen."

WERTUNG: 7 von 10 Polizeiapparate
OK? MEHR DAVON:
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TV-SERIE: A, 1976-1982
8/10
Dein Kommentar >>
Robert | 30.12.2010 18:02
Keiner der 10 Kinobesucher hat gelacht.
Harald | 30.12.2010 21:45
Manche lachen dafür beim Beginn von "Saving Private Ryan" ...
>> antworten
thomas | 14.12.2010 22:31
In denn Puff Szenen wandelt Patzak auf Bava und Argentos Pfaden.Ansonsten stimme ich der Kritik voll und ganz zu.
Harald | 14.12.2010 23:15
Ich sag's ja: unterschätzter Film.
>> antworten
Britta | 06.12.2010 09:58
Hehe, wunderbarer Schlusssatz!
>> antworten


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