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Laid to Rest

Laid to Rest

HORROR: USA, 2009
Regie: Robert Hall
Darsteller: Bobbi Sue Luther, Kevin Gage, Sean Whalen, Nick Principe

STORY:

Eine junge Frau erwacht ohne Erinnerung in einem Sarg. Ganz in ihrer Nähe: Ein maskierter Mann, der sie umbringen möchte. Irgendwie gelingt der Frau die Flucht in die Nacht. Doch der Killer heftet sich an ihre Fersen, jagt sie unerbittlich und tötet jeden, der sich zwischen ihn und seine Beute stellt...

KRITIK:

Glaubt man der Backcover-Legende, hegt Robert Hall, gelernter Maskenbildner und Chef der bekannten Almost Human-Effekteschmiede schon seit Jahr und Tag den Traum vom eigenen hyperbrutalen Slasherflick.

Und wenn's einem eh nur um Kutteln un' Gore geht, ist das Genre des amerikanischen Schlitzerfilms sicherlich nicht die schlechteste Wahl. Man braucht sich keine komplexen Geschichten ausdenken; man braucht keine Oscar-prämierten Darsteller - man kann seine ganze Kreativität auf das Wesentliche fokussieren. Und das Wesentliche in diesem Fall: Herbe Ableben und einfallsreicher, bluttriefender Splatter. So gesehen dürfte mit LAID TO REST für Robert Hall tatsächlich ein Traum in Erfüllung gegangen sein.

Wobei der Filmtitel LAID TO REST noch ausgesprochen milde gewählt ist. Hacked, Sliced & Mutilated TO REST hätte es wesentlich besser getroffen. Denn wenn der eine verchromte Totenkopfmaske tragende Killer dieses Films seine zwei fiesen Rambo-Gedächtnismesser auspackt und ans blutige Werk geht; dann, ja dann ist das wirklich Gorehound's delight deluxe. Selbstredend nur in der Unrated Extreme Edition und nicht unbedingt in dem geschnitten Brot was in deutschen Kaufhäusern ausliegt.

Abseits der professionellen FX-Arbeit und der professionellen Musikuntermalung (zu hören sind u.a. meine Lieblingsbandanaträger von den Suicidal Tendencies) sieht LAID TO REST optisch und inszenatorisch allerdings nicht immer nach großem Slasher-Kino der Marke Carpenter aus. Viel mehr gemahnt der Digital Video-Look und die wenig filigrane Inszenierung eher an die guten, alten Splatterfeste aus dem Underground. Was nicht wirklich stört, denn Gore und Prothesen spratzeln schön handmade über den Bildschirm; ganz genau so wie in den good ol' days.

Ich weiß, ich weiß: Logik wird völlig überschätzt. Aber diese Entschuldigung zieht nicht immer. Besonders wenn ihr - wie Hall in seinem Film- bisweilen absolutes Hausverbot erteilt. Die Figuren handeln konsequent wider jeder Vernunft und scheinen allesamt ein Motten- oder Lemmings-Gen in sich zu tragen: Immer ins Licht, bzw. über die Klippe oder wie hier zurück in die Reichweite von ChromeSkulls Messern.

Anstatt eine der gefühlten hunderttausend Möglichkeiten zur Flucht zu nutzen und über alle Berge zu verschwinden, findet unsere von der Regisseursgattin herself gespielten Damsel in Distress und ihre beiden Begleiter immer noch einen hanebüchenen Grund sich postwendend wieder in die Höhle des Löwen zu begeben.

Ganz davon abgesehen, scheint LAID TO REST ohnehin in einer Art Paralelluniversum zu spielen. Ein Paralelluniversum, das zwar haarklein so aussieht wie eine zivilisierte Kleinstadt in Nordamerika zu Apples Zeiten, aber in welchen kaum ein Handy funktioniert, niemand über einen Festnetzanschluss verfügt, kein Auto ausreichend Benzin hat und die nächste Polizeidienststelle grundsätzlich über 200 Meilen entfernt liegt. Und wie bereits erwähnt ist dies auch eine Welt, in der die doofen Opfer offensichtlich nur so tun, als wollten sie dem Killer entkommen... Aber egal: Den Bluthund freut's, Robert Hall freut's und ChromeSkull freut's am meisten.

Apropos ChromeSkull. So nennt sich hier der Killer. Eine Mischung aus Cyborg und Jason Voorhees. So schweigsam und stoisch wie der Kollege vom Crystal Lake, doch nicht so variabel im Einsatz seiner Mordwerkzeuge. Dafür trägt er eine auf seiner Schulter festmontierte Videokamera, mit welcher er jede Untat akribisch aufzeichnet. Und ab und an kommuniziert er via SMS mit der Dame in Not. Ihm geht allerdings etwas von dem augenzwinkernden zynischen Humor ab, der etwa an einem guten FREITAG, DEM 13. das Salz in der Suppe ist.

Dennoch ein Killer mit Wiedererkennungswert, der es sogar schon auf ein Sequel gebracht hat. Damit dürfte ChromeSkulls erster Auftritt den einen oder anderen Fan durchaus überzeugt haben; auch wenn er meines Erachtens damit nicht am Thron der etablierten Maskenträger und Menschenschlächter rütteln konnte. Doch der Aufstieg in die erste Slasher-Garnitur, wo Jason, Freddy, Michael, Leatherface und ihr Kumpel, der alte Bergmann Harry Warden, seit Jahrzehnten in ihrer ganz eigenen Liga spielen, ist bekanntlich auch kein leichtes Unterfangen. 

Laid to Rest Bild 1
Laid to Rest Bild 2
Laid to Rest Bild 3
Laid to Rest Bild 4
Laid to Rest Bild 5
FAZIT:

Mit LAID TO REST hat sich Robert Hall, seines Zeichens Chef der oft gebuchten Effekteschmiede Almost Human den Traum vom eigenen hyperbrutalen, weitgehend humorlosen Slashermovie erfüllt. Wenn Killer ChromeSkull mit seinen beiden Rambo-Gedächtnismessern zum kruden Digital Video-Massaker schreitet, ist das zwar alles andere als filigranes Schlitzerkino, aber zumindest in der ungeschnittenen Fassung Gorehound's Delight. Einen Schönheitspreis gewinnt Hall mit seiner etwas grobschlächtigen, dumpfen Inszenierung zwar nicht, aber immerhin lässt er es schön handmade und mit Herzblut splattern. Was in diesen unseren CGI-geplagten Tagen ja längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist... 

 

WERTUNG: 6 von 10 gründlichen Maskenreinigungen
TEXT © Christian Ade
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