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Last Life in the Universe

Last Life in the Universe

OT: Ruang rak noi nid mahasan
DRAMA: THAILAND/JAPAN, 2003
Regie: Pen-Ek Ratanaruang
Darsteller: Tadanobu Asano, Sinitta Boonyasak, Laila Boonyasak

STORY:

Kenji (Tadanobu ASANO), ein japanischer Bibliothekar in Bangkok, ist Perfektionist: Seine Kleidung sitzt tadellos, seine Wohnung ist bis in den letzten Winkel sortiert. Nur der Selbstmord will ihm nicht gelingen. Immer wieder platzen andere Menschen in seine geordnete Welt. Erst unterbricht ihn sein krimineller Bruder beim Erhängen, dann holt ihn der Unfalltod der jungen Nid vom Brückengeländer. Mit ihrer Schwester Noi (Sinitta Boonyasak), entwickelt er schließlich eine fragile Beziehung im emotionalen Niemandsland des Gegensätzlichen...
(Text: Presseinfo)

KRITIK:

Ich mag es ja, wenn Filme wirken wie schöne, runde Popsongs. Last Life in the Universe ist so ein Fall: Allein schon dieser Titel ist pure Musik, könnte glatt von Suede oder Belle & Sebastian sein. Oder von Naked Lunch, einer meiner Lieblingsbands, die dieser Tage ein neues Album veröffentlichen. HIER kann man schon mal reinhören. Aber ich schweife ab.

Last Life in the Universe von Regisseur Pen-Ek Ratanaruang (Invisible Waves) fällt in die Kategorie melancholische Lovestory, gewürzt mit sarkastischen, um nicht zu sagen schwarzhumorigen Untertönen. Als grobe Richtung stelle man sich die Quersumme aus Harold and Maude, Wilbur wants to kill himself und Lost in Translation vor.

Ungeduldige Zeitgenossen dürften es anfangs etwas schwer haben: Pen-Ek Ratanaruang genießt es sichtlich, neue Standards in Sachen Langsamkeit zu setzen: minimales Erzähltempo, lange Einstellungen, wenig Dialog, reduzierte Musik. Hinter der Kamera stand der große Christopher Doyle (Hero), der das Geschehen in - für seine Verhältnisse - schlichte, aber nichts desto trotz enorm stilsichere Bilder taucht.

Hat man sich erst mal auf das langatmige (aber niemals langweilige!) Erzähltempo eingestellt, lässt einen der Film so schnell nimmer los: Wie sich die beiden gegensätzlichen Charaktere langsam näher kommen, sorgt für subtile Spannung. Stets hängt ein ungutes Gefühl in der Luft; und die Vermutung, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht - was an den geschickt in Szene gesetzten Ausbrüchen ins Surreale liegt, die der Regisseur gerne einstreut. Aber seht selbst.

Einziger Kritikpunkt: Ein bisschen expliziter hätte es zugehen können - nichts gegen eine Erzählweise, die Schlüsselszenen der Handlung in die Phantasie des Zusehers auslagert - aber gerade bei Sexszenen plädiere ich für Draufhalten und Hinstarren anstatt (zugegebenermaßen geschickte) Andeutungen ...

Was noch: Der Kurzauftritt von Takashi Miike als - no na - Yakuza hat es in sich ....

Last Life in the Universe Bild 1
Last Life in the Universe Bild 2
Last Life in the Universe Bild 3
Last Life in the Universe Bild 4
FAZIT:

Ganz schönes thailändisches Melodram, das kruden japanischen Humor mit französischer Langsamkeit und visueller Stilsicherheit a la Hongkong-Cinema kombiniert. Sehenswert trotz kleinerer Längen.

WERTUNG: 7 von 10 dreckigen Tellern
Dein Kommentar >>
Federico | 11.11.2010 14:09
Pffffffffff... gnadenlos unterbewertet! Einer meiner Lieblingsfilme des asiatischen Kinos.
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Andreas | 06.01.2007 19:00
Sehr schöner Film, der überall eigentlich gute Kritiken erhalten hat - nur nicht in Thailand und in Japan, also den Ländern für diese der Film produziert wurde. Dort ging der Film sang und klanglos vorbei.

Die Story ist prinzipiell gleich wie Lost in Translation, nur dass es diesmal ein Japaner ist, der "lost" ist. Allerdings finde ich sie fast noch vielschichtiger, als das Pendant von Sofia Coppala.

7 von 10 des-lebens-müden Japaner

PS: Der Nachfolgerfilm "Invisible Waves" legt übringes in Hinsicht Langsamkeit eine neue Messlatte ("Dolls" wirkt dagegen wie "The Fast and the Furious"). Wer also seine Geduld und sein Gefühl für die Langsamkeit des asiatischen Kinos trainieren will sei auch dieser angeraten (6/10).
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