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Late Bloomers

Late Bloomers

KOMÖDIE: FR, BE, UK, 2011
Regie: Julie Gavras
Darsteller: William Hurt, Isabella Rossellini, Doreen Mantle, Aidan McArdle, Simon Callow, Luke Treadaway

STORY:

Eigentlich sollte ja alles in Butter sein. Stararchitekt Adam bekam gerade eine Medaille verliehen. Wäre sie bloß nicht für sein Lebenswerk, also Bauten die er schon vor Jahrzehnten entworfen hat. Mary, seine Frau hat es auch nicht besser erwischt: Zwar fühlt sie sich eigentlich ganz fit, doch da war doch diese kleine Gedächtnislücke neulich: Das kann nur eins bedeuten: Alzheimer. Während Mary die gemeinsame Wohnung altersgerecht auszustatten beginnt - inklusive Pensionistentelefon - fällt Adam in die typische Midlifecrisis, umgibt sich nur mehr mit Juniorarchitekten und kauft sich eine Lederjacke. Das gemeinsame Altwerden haben sich die beiden wohl anders vorgestellt...

KRITIK:

Irgendjemand hat mal gesagt, dass Altwerden ist nichts für Feiglinge ist. Und auch in Würde zu altern ist eine große Kunst.

Womit wir auch schon mittendrinn in "Late Bloomers" wären. Der Film beschäftigt sich mit der Frage wie es ist, wenn man plötzlich merkt, dass man zum alten Eisen gehört. Wie man damit umgeht, dass man die großen Dinge des Lebens, Familie, Karriere oder was man sonst noch erreichen wollte, bereits erreicht hat. Wie es ist, wenn einem die eigenen Kinder nicht mehr brauchen, da diese vielleicht schon selbst Kinder haben.

Natürlich gibt es kein Patentrezept, Menschen reagieren unterschiedlich aufs Älterwerden. In "Late Bloomers" werden dem Zuseher gleich zwei extrem unterschiedliche Ansätze vor Augen geführt. Natürlich jeweils in überspitzer Form, schließlich handelt es sich bei "Late Bloomers" um eine Komödie.

Komödien über das Älterwerden kamen in den letzten Jahren ja zuhauf auf den Markt. Vor allem aus Übersee. Ob nun rüstige Rentner im exotischen Indien ein Hotel auf Vordermann oder Meryl und Streep und Tommy Lee Jones in Hope Springs ihre eingerostete Ehe wieder in Ordnung bringen, meist erwarten den Zuseher nette Filme, die auch recht lustig sind, in denen am Ende immer alles gut wird und man großartigen Schauspielern ansehen kann, dass sie Spaß an der Arbeit hatten.

Ein, wie ich finde etwas eigenartiger Trend. Vielleicht ein Kommentar zur Überalterung der Gesellschaft? Oder doch nur eine Anbiederung an ein älteres Publikum, das man hofft mit netten Feelgood-Movies ins Kino zu locken und zudem mit dem wohligen Gefühl, dass alles gut wird und eigentlich nur halb so schlimm ist, entlassen kann. Oder einfach eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für gealterte Schauspieler?

Wie auch immer, auch "Late Bloomers" schwimmt auf dem ersten Blick auf dieser Trendwelle (hat die überhaupt schon einen Namen?) mit. Die Zeichen, dass der Film nicht nur mitschwimmen, sondern sich auch abheben würde standen bei "Late Bloomers" dabei gar nicht mal so schlecht.

So finde ich es zum Beispiel interessant, dass Regisseurin Julie Gavras jetzt noch nicht unbedingt alt genug ist, um sich mit dieser Thematik selbst auseinandersetzen zu müssen. Irgendwo hab ich wohl gelesen, dass ihr Vater, ein gefeierter Regisseur, wohl als Inspiration diente. Die Ehrungen für sein Lebenswerk und angehängten Retrospektiven über seine alten Filme, wenn er einen neuen präsentierte dürften für seine Tochter, die das ja anscheinend live mitbekam, durchaus inspirierend gewesen sein. Das ist zumindest ein guter Ansatz finde ich.

Doch heraus kam ein netter Film, der auch recht lustig ist und... Tja, irgendwie nichts Neues. Was jetzt ja nichts Schlechtes heißen muss. "Late Bloomers" ist erfrischend charmant, bietet pointierte Dialoge und einen interessanten Soundtrack, der sich von der Masse abheben vermag. Also ich mag den Film irgendwie.

Es gibt einige wirklich gute Ideen aber auch Plattitüden. So macht Mary, getrieben vor der Angst gleich einzurosten, auf Raten ihres Arztes mehr Sport und landet bei der Wassergymnastik. Ausgerechnet. Das ist schon sehr klischeehaft, aber dank der großartigen Darstellung von Isabella Rossellini auch in jeder Sekunde sehenswert.

Habe ich schon erwähnt, dass diese Alte-Leute-Komödien meist mit großartigen Schauspielern glänzen? Auch "Late Bloomers" reiht sich nahtlos in diese Reihe ein. Isabella Rossellini und William Hurt sind einfach nur großartig anzusehen. Beide meistern jede noch so überspitzte Szene mit Bravour. Es sind aber auch die leisen Momente, in denen beide glänzen. Die Szenen, in denen man plötzlich ah macht, weil man die dargestellten Figuren irgendwoher kennt, weil sie einen an Leute erinnern, denen man schon mal begegnete. Als Nachbarn, Lehrer oder vielleicht auch Arbeitskollegen. Und das ist dann genau der Moment, an dem der Film richtig Spaß macht. An dem er mehr als nur nette Unterhaltung bietet. Und dass dies funktioniert liegt vor allem an den Darstellern.

Der Film selbst hat noch etwas Nachhohlbedarf was den tagischen Teil betrifft. "Late Bloomers" versucht sich ja einer durchaus ernsten Sache und ernsten Themen anzunähern, kratzt aber eigentlich immer nur an der Oberfläche. Die zunehmenden Beziehungsprobleme, die Angst vor dem Nicht-mehr-gebraucht-werden, all diese Dinge werden zwar behandelt, allerdings meist nur überspitzt und ohne Tiefe. Und noch etwas: Wenn geht bitte in der englischen Original-Fassung ansehen.

Late Bloomers Bild 1
Late Bloomers Bild 2
Late Bloomers Bild 3
Late Bloomers Bild 4
Late Bloomers Bild 5
Late Bloomers Bild 6
Late Bloomers Bild 7
Late Bloomers Bild 8
Late Bloomers Bild 9
FAZIT:

"Late Bloomers" bietet alles was man braucht um sich auf humorvolle Art mit dem Älterwerten auseinanderzusetzen. Eine interessante Grundidee, großartige Schauspieler und eine riesige Portion Humor. Leider schafft es der Film nicht sich mit diesen Zutaten von der Masse ähnlicher Produktionen abzuheben. Vor allem im tragischen Teil hat "Late Bloomers" noch Nachholbedarf, die Überspitzung mit denen Situationen und Figuren in "Late Bloomers" gezeichnet sind, dürften auch nicht jedermanns Sache sein. Unterhaltsam und sympathisch ist der Film allemal. Und allein schon wegen der Darsteller sehenswert.

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TEXT © Gerti
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