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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Leo

Leo

DRAMA: USA, UK, 2002
Regie: Mehdi Norowzian
Darsteller: Joseph Fiennes, Elisabeth Shue, Justin Chambers, Sam Shepard, Dennis Hopper

STORY:

Leo Bloom hat es nicht leicht. Sein Vater starb vor seiner Geburt und seine Mutter hegt offenen Hass gegen ihn. Da er von seiner Mutter zudem sozial isoliert wird, hat er auch keine Freunde, abgesehen von Stephen, dem verurteilten Mörder, dem er Briefe ins Gefängnis schickt. Als Stephen aus dem Gefängnis entlassen wird, versucht er sich ein neues Leben aufzubauen, doch je mehr er mit dem Sadismus seiner Mitmenschen konfrontiert wird, desto stärker kreisen seine Gedanken um Leo. Stephen muss erkennen, dass ihn mehr mit dem Jungen verbindet als nur ein paar Briefe..

KRITIK:

Anfangs läge die Vermutung nahe, dass es sich bei "Leo" um einen realistisch angehauchten Psychothriller handeln könnte, wäre da nicht diese mehr an "Die zauberhafte Welt der Amelie" als an einen Thriller erinnernde Bildsprache, die zudem mit fast schon an Arthouse-Ästhetik anmutenden Sequenzen gepickt ist.

Sowohl Settings als auch Farbgebung sind oftmals stark überzeichnet, was dem Zuseher, der solche Spielereien zu goutieren vermag, sicher den einen oder anderen Grinser auf das Gesicht zaubern zu vermögen wird. Andere wiederum dürften ihren Kopf genervt abwenden, wenn z.B. die Küche, in der Leo sitzt, so gefilmt wird, als handle es sich um eine Gefängniszelle. Und in gewisser Weise ist sie es natürlich auch für ihn.

Zum größten Teil stehen die Sequenzen die den Beginn der Geschichte von Leo und seiner Mutter erzählen, im stilistischen Kontrast zur Welt in der Stephen lebt. Helle, warme Farben dominieren und vor allem zu Beginn wird der American Dream gezeigt. Geräumiges Vintage-Haus, Vintage-Kleider, immerwährender Sonnenschein und ein goldiges Kind: Als Zuseher ahnt man natürlich schon früh, dass der nächste Abgrund nicht weit sein kann und das Glück nur auf brüchigem Fundament gebaut ist.

Im Kontrast dazu ist Stephens Welt düster gehalten. Das Grauen verbirgt sich nicht hinter dem schönen Schein, sondern zeigt seine hässliche Fratze ganz unverhohlen. Neben den ganzen optischen Spielereien, bleibt die Story vor allem Anfangs etwas im Hintergrund.

Obwohl Figuren falsche Entscheidungen treffen und es Konflikte gibt, fehlt es oft an Intensität. Die Ereignisse laufen einfach irgendwie ab, anfangs wie es scheint ohne auf ein höheres Ziel zu. Dinge passieren und haben dramatische oder gar keine Konsequenzen. Das könnte man aber auch als Sinnbild für das Leben verstehen.

In "Leo" geht das ganze sogar noch eine Spur weiter, denn im Film spielen auch Konsequenzen die nicht durch Taten oder Ereignisse selbst folgen, sondern die wir in unsere Taten und Ereignisse hineininterpretieren, eine zentrale Rolle. Ein falscher Schluss zieht schlimmere Konsequenzen nach sich als die Tat selbst. Der Film hat dadurch leider auch etwas Konstruiertes.

Streckenweise wirkt "Leo" als wären Versatzstücke nach dem Baukastenprinzip zusammengesetzt. So schmerzt z.B der erste Kurzauftritt von Dennis Hopper, der wirkt als hätte man ihm einfach gesagt, er soll einfach den Arschloch-Dennis Hopper, wie man ihn aus anderen Filmen kennt, spielen. Er macht das natürlich gut, aber kann von seinem Können nur das zeigen was man ihn auch zeigen lässt. Und das ist gerade einmal eine Szene.

Dabei kann der Film auf eine Riege bekannter Schauspieler wie Joseph Fiennes oder Sam Shepard oder Dennis Hopper zugreifen. Wobei letztgenannte nur Nebencharakter spielen. Justin Chambers hat es da schon besser erwischt und auch Davis Sweatt mag in seiner Rolle als Leo zu überzeugen. Elisabeth Shue spielt wohl die komplexeste Figur, schafft den Spagat zwischen perfekter Hausfrau und passiv-aggressivem Wrack aber ganz gut, auch wenn ihre Figur bis zum Schluss auch immer noch schwer fassbar bleibt.

Leider wirkt der Schluss von Leo, meiner Meinung nach, seltsam unausgegoren. Aber die Bilder und die großartige Kameraarbeit bleiben...

Leo Bild 1
Leo Bild 2
Leo Bild 3
Leo Bild 4
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Leo Bild 8
FAZIT:

Ambitionierter an Arthouse-Anmutendes Psychodrama, der mit einer erfrischend verspielten Bildsprache und einer Reiher von bekannten Namen zu überraschen vermag. Die komplexe und vielschichtige Story über Schuld und Sühne bietet ausreichend Stoff zum Nachdenken.

Doch nicht alle Überraschungen, mit denen der Film des iranisch-britischen Regisseurs Mehdi Norowzian aufwartet, sind gelungen.

WERTUNG: 7 von 10 nächtlichen Konfrontationen
TEXT © Gerti
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