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Let Me Make You a Martyr

Let Me Make You a Martyr

THRILLER: USA, 2016
Regie: Corey Asraf, John Swab
Darsteller: Niko Nicotera, Sam Quartin, Marilyn Manson, Mark Boone Junior

STORY:

Irgendwas an Drews Plan ist mächtig schief gegangen: Eigentlich hätte es ein Wiedersehen mit der Liebe seines Lebens werden sollen - die leider auch seine Adoptivschwester ist. Und der Ziehvater, der die Kinder zeitlebens misshandelt hat, hätte sterben sollen. Viele "Kollateralschäden" später sitzt Drew einem Verhörspezialisten gegenüber und erzählt seine Version der Geschichte ...

KRITIK:

Geliebtes Hinterland, willkommen im Hinterland / 
Wo jeder Tag aus Warten besteht /
Und die Zeit scheinbar nie vergeht /
In diesem Hinterland. Verdammtes Hinterland.

(Casper: "Hinterland")

Unzählige Filme beginnen damit, dass der Protagonist nach Jahren der Abwesenheit in seine Heimat zurückkehrt. Wo es gilt, Familienangelegenheiten zu klären und offene Rechnungen zu begleichen. Wo alte Wunden wieder aufbrechen. Weil du vor der Vergangenheit nicht davonlaufen kannst. Der Independent-Thriller LET ME MAKE YOU A MARTYR schickt den Kleinkriminellen Drew (Niko Nicotera, bekannt aus SONS OF ANARCHY) zurück in sein Heimatkaff, irgendwo im Bible Belt von Oklahoma, wo die Häuser verfallen, Autowracks vor sich hinrosten, ungewaschene Männer in Wohnwägen schlafen und ein philosophisch begabter Killer, der wie Marilyn Manson aussieht, seinem ganz eigenen Moralkodex folgt: Morde an Familienmitgliedern kosten das Doppelte.

Die sehr jungen Regie-Debutanten Corey Asraf und John Swab, die auch das Drehbuch verfassten, haben sichtlich Herzblut in dieses Werk investiert. Von einem metaphysischen Southern Gothic-Thriller ist in manchen Rezensionen die Rede, was insofern nicht stimmt, als der Film in Oklahoma gedreht wurde. Also eigentlich nicht Southern, sondern Bible-Belt-Gothic. Die mobile Kamera fängt den pittoresken Verfall des amerikanischen Hinterlands in stimmigen, ausgebleichten Bildern ein. Die Schauspieler überzeugen, wiewohl man dem selbsternannten Antichrist Superstar Marilyn Manson etwas mehr Screentime gewünscht hätte.

Der Film spielt an einem Nicht-Ort, zu einer unbestimmten Zeit, vielleicht in den Achtzigern. Handys sieht man keine, die Autos sind angejahrte Modelle, und statt Meth wird noch ganz klassisch Heroin konsumiert. Diese zeitliche und örtliche Unbestimmbarkeit trägt zur entrückten, beunruhigenden Grundstimmung des Films bei.

Erzählerisch lässt man sich alle Zeit der Welt, was für ungeduldige Zeitgenossen wie dem Autor dieser Zeilen zu einem Problem werden kann. Atmosphäre können die beiden jungen Regisseure, Schauspielerführung auch, doch Storytelling und Spannungserzeugung ist ihre Sache nicht. Die Rückblenden und Zeitsprünge lassen die eigentlich sehr simple Geschichte unnötig vertrackt und konfus erscheinen. Dazu kommt eine gewollt "poetische" Sprache, die sich wie Trockeneisnebel auf der Theaterbühne über den eigentlich sehr stimmigen White Trash-Milieurealismus legt.

Ein eigenwilliger, ein schwieriger, aber interessanter American Gothic-Thriller, der einerseits sehr TRUE DETECTIVE-inspiriert wirkt, andererseits aber eine ganz eigene Atmosphäre schafft.

Let Me Make You a Martyr Bild 1
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FAZIT:

American Gothic-Spuk aus dem Bible Belt, philosophischer Meta-Thriller, poetische White Trash-Apokalype: Die Independent-Produktion LET ME MAKE YOU A MARTYR ist schwer zu fassen und noch schwerer zu verdauen. Mangelnde Spannung und Plot-Holes so groß wie die Karieslöcher in den Zähnen eines Meth-Junkies werden durch stimmige (Landschafts)-Fotographie und beachtliche schauspielerische Leistungen (Marilyn Manson als kreidebleicher Todesengel!) wettgemacht. Man hat gewiss schon überzeugendere, aber auch schwächere Debutfilme gesehen.

WERTUNG: 6 von 10 Heroinspritzen
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