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Letters From Iwo Jima

Letters From Iwo Jima

KRIEGSFILM: USA, 2006
Regie: Clint Eastwood
Darsteller: Ken Watanabe, Kazunari Ninomiya, Tsuyoshi Ihara

STORY:

Clint Eastwood erzählt in diesem Kriegsfilm die Schlacht auf der Pazifikinsel Iwo Jima aus Sicht der Japaner, nachdem er dieselbe Geschichte bereits in Flags Of Our Fathers aus dem sonst üblichen Blickwinkel der "Guten", also der US-Streitmacht, auf die Leinwand gebannt hat. Zusammen ein interessantes und sehenswertes Projekt, das andererseits leider aus zwei nicht sonderlich guten und nicht uneingeschränkt sehenswerten Filmen besteht. Iwo Jima ist immerhin dem Erstling klar überlegen.

KRITIK:

Was immer Clint Eastwood dazu bewogen hat, Steven Spielberg als Produzenten der beiden Filme dazuzuholen, es muss der dunklen Seite der Macht entsprungen sein. Sowohl "Letters From Iwo Jima" als auch "Flags Of Our Fathers" haben bis ins Detail die typischen Grundzüge eines spielbergschen Kriegsfilmchens. Immer noch glaubt er, dass abgetrennte, rumfliegende Körperteile die Hauptbotschafter der Schrecken des Krieges sind. Nun mag es durchaus sein, dass ein gewisses Publikum es tatsächlich nur auf diese Art versteht, aber ich hätte eigentlich erwartet, dass ein Eastwood ein ganz anderes Publikum ansprechen möchte.

Nur in wenigen Ansätzen lässt sich hingegen das typische Handwerk von Clint Eastwood erkennen: die Fokussierung auf Charaktere und die Vermittlung der Dramatik durch Dialoge oder wortlose Metaphern. In Letters From Iwo Jima findet man dies zum Glück deutlich häufiger als im Vorgänger, da hier in erster Linie die Vermenschlichung eines bisher für uns immer noch gesichtslosen Gegners im Vordergrund steht. Wie für die amerikanischen Soldaten damals so verbindet man auch heute, so viele Jahre später, "den Japaner" immer noch mit kaltblütigen Kamikaze-Piloten, unmenschlichen Foltermethoden oder einfach generell mit dem "bösen Gegner".

Eastwood zeigt hier in beeindruckenden Bildern, dass hinter den japanischen Soldaten genau dieselben Menschen stehen wie auf der US-Seite. Mit denselben Ängsten und Hoffnungen - und auch mit einer Familie, die Zuhause verzweifelt auf sie wartet. Der großartige Ken Watanabe als General Kuribayashi tritt hier als das zentrale Symbol dieser Aussage auf. Im Rahmen seiner Ausbildung bereiste er auch die USA und bekam dort als Gastgeschenk einen Colt 1911, den er auf Iwo Jima immer noch bei sich trägt.

Sein Charakter ist aber nicht nur deshalb der interessanteste in diesem Film - wir lernen ihn schnell als sehr menschlichen General kennen, der aber trotzdem wild entschlossen ist, seine Männer auf Iwo Jima im Kampf gegen die USA zu opfern. Er weiß, dass seine Truppe keine Chance hat, den Kampf zu gewinnen, will es dem Feind aber trotzdem so schwer wie möglich machen, Iwo Jima zu erobern. Es ist beklemmend zu beobachten, wie überzeugt Kuribayashi in den Kampf gegen ein Land geht, in dem er einst viele Freunde gefunden hat.

Nicht minder beklemmend ist es zu beobachten, wie japanische Soldaten sich selbst mit einer Granate in die Luft sprengen, um "in Ehre" zu sterben. Hier schafft es Clint Eastwood auch sehr gut zu vermitteln, dass diese Männer keinesfalls Maschinen sind, die blind einen Befehl ausführen - in ihren Augen ist Angst, ja pure Panik zu sehen, bevor sie ihrer zweifelhaften Pflicht nachkommen.

So kann Eastwood hier durchaus in vielen Szenen Punkte sammeln. Er sorgt - auch gemeinsam mit Flags Of Our Fathers - für ein sehr ausgewogenes, realistisches und vor allem menschliches Bild. Die USA in der Rolle des "bösen, gesichtslosen Feindes" jedoch sind etwas, an das man sich vielleicht in Filmen erst gewöhnen muss, um es vollkommen richtig zu deuten. Hier hat Eastwood in jedem Fall ganze Arbeit geleistet.

Was bleibt, ist aber leider noch der bittere Rest: wie anfangs erwähnt sind vor allem die Schlachtszenen uninspirierte, unkreative Massenware wie schon von Spielberg und vielen anderen Regisseuren von Kriegsfilmen gesehen. Zum Glück sind die eigentlichen Kriegshandlungen in diesem Film bedeutend mehr im Hintergrund als in Flags Of Our Fathers. Auch die Storyline ist wesentlich stimmiger und nicht so sehr lang gezogen.

Sollte man sich Letters From Iwo Jima ansehen? Ja, absolut. Das Problem ist nur: man muss sich auch noch den deutlich schwächeren Flags Of Our Fathers antun. Alternativ dazu kann man vielleicht aber auch gleich wieder einmal Der schmale Grat (OT: "The Thin Red Line") von Terrence Malick ins DVD-Laufwerk legen: erzählt zwar aus US-Sicht, jedoch ohne auf die Seite des Gegners zu vergessen.

Letters From Iwo Jima Bild 1
Letters From Iwo Jima Bild 2
Letters From Iwo Jima Bild 3
Letters From Iwo Jima Bild 4
Letters From Iwo Jima Bild 5
FAZIT:

Clint Eastwood liefert mit Flags Of Our Fathers und Letters From Iwo Jima ein interessantes und auch wichtiges Gesamtprojekt ab. Trotzallem ist auch die Erzählung der Story aus japanischer Sicht kein wirklich überragender Film geworden, das Ergebnis ist zu durchwachsen, trotz vieler überzeugender Szenen. Kriegsfilme scheinen einfach nicht Eastwoods Genre zu sein - besser, er orientiert sich wieder in Richtung Mystic River oder Million Dollar Baby. Dann muss er auch nicht zweifelhafte Entscheidungen treffen wie Spielberg als Produzenten hinzuzuziehen...

WERTUNG: 7 von 10 Tunnels
TEXT © Bernhard König
Dein Kommentar >>
Ralph | 02.01.2008 13:12
Ich war eigentlich eher enttäuscht von beiden. Flags mangelte es an fähigen Schaupielern, sodass ein sehr mittelmäßiges Drama rauskam und Letters war sowieso nicht mehr als geflegte Langeweile. Das einzig interessante war die Sicht aus beiden Perspektiven.
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Nic | 01.01.2008 13:59
also mir hat er damals sehr gut gefallen. eastwood hat meiner meinung nach kein bestimmtes genre wo er bleiben sollte, ich finde alles von ihm gut. "flags" kann man wahrlich schlechter beurteilen, aber das liegt auch ganz einfach an der tatsache das es zig us-kriegsfilme gibt die er übertreffen müsste um "gut" zu sein. "letters" hats da viel einfacher...
Bernhard | 01.01.2008 15:53
Es ist auch ein guter Film, aber er geht für einen Eastwood-Film einfach nicht weit genug. Eastwood hat die Klasse, aus so einem Film eine "10/10" zu machen, aber er zieht sein Ding nicht so konsequent durch wie zB in "Million Dollar Baby". Natürlich sehe ich hier auch einen guten Film, aber ich sehe auch das, was er sein hätte können. Und das ist so viel mehr. Und gepaart mit dem wirklich nicht guten "Flags of Our Fathers" bleibt vom ambitionierten Projekt am Ende leider nicht viel übrig IMHO.
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