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Love Eternal - Auf ewig dein

Love Eternal - Auf ewig dein

OT: Love Eternal
DARK DRAMA: Irland, 2013
Regie: Brendan Muldowney
Darsteller: Robert de Hoog, Pollyanna McIntosh, Amanda Ryan

STORY:

Als Ian noch ein Kind ist, stirbt sein Vater. Der Junge legt dem Verstorbenen ein Funkgerät in den Sarg und horcht jede Nacht an seinem eigenen Empfangsgerät nach Botschaften aus dem Jenseits. Doch das Funkgerät schweigt. Während seiner Jugend begeht eine Klassenkameradin von Ian Selbstmord. Ian findet sie an einem Strick aufgehängt im Wald. Als Ian (jetzt: Robert de Hoog) erwachsen ist, stirb seine Mutter und hinterlässt ihrem Sohn ein Tagebuch voller Lebenstipps. Ian ist mittlerweile schwer depressiv und fühlt sich der Welt der Toten wesentlich näher, als der Welt der Lebenden. Er verschanzt sich in seinem Zimmer. Bei Tag beobachtet er mit einem Teleskop das Treiben auf der nahegelegenen Strandpromenade; nachts schaut er mit dem Gerät in das All hinaus. Den Rest der Zeit treibt er sich in Selbstmordforen im Internet herum.

Eines Tages beschließt Ian auch seinem Leben ein Ende zu bereiten. Er parkt den Wagen auf einem einsamen Platz im Wald, führt einen Schlauch vom Auspuff in das Wageninnere und dichtet den notwendigen Fensterschlitz mit Panzerband ab. Da parkt auf einmal ganz in der Nähe ein Kleinbus. Ian wird Zeuge, wie eine ganze Familie auf die gleiche Art gemeinsam Selbstmord begeht. Ian ist irritiert und lässt von seinem eigenen Vorhaben ab. Stattdessen befreit er die Leiche eines hübschen Mädchens aus dem verqualmten Businneren und nimmt sie mit zu sich nach Hause. Dort wäscht er die Tote gründlich und legt sie zu sich ins Bett. Es ist der Beginn einer dunklen Obsession...

KRITIK:

LOVE ETERNAL - AUF EWIG DEIN ist der zweite Spielfilm des Iren Brendan Muldowney. Das dunkle Drama basiert auf Kei Oishis Roman "Loving the Dead". Der Film behandelt Tabuthemen wie Selbstmord und Nekrophilie und findet zu diesen einen ganz eigenen Zugang. Das Ergebnis ist kein spektakulärer Reißer, sondern ein ans Mystische grenzendes Drama, das sanft zwischen romantischer Melancholie und schwarzem Humor pendelt. Muldowney, der auch das Drehbuch geschrieben hat, beurteilt Ian nicht, sondern versucht einen Einblick in die Seele seines Protagonisten zu geben. Dies gelingt hervorragend durch die äußerst atmosphärische Inszenierung und die, die mit Sorgfalt gewählten Bilder, begleitende dezente Musik. Leider verliert der Film mit zusehender Laufzeit ein wenig an seiner anfänglich beeindruckenden Stärke dadurch, dass der Filmemacher sein Konzept nicht bis zum Schluss durchhält.

In seinen besten Momenten verströmt LOVE ETERNAL das Gefühl einer Verbundenheit mit einem kosmischen Zusammenhang, das an Filme wie TREE OF LIVE (2010) und MELANCHOLIA (2011) denken lässt. Dabei meidet Muldowney den überbordenden Kitsch von Terrence Malick und trotz aller Düsternis auch den Nihilismus eines Lars von Trier. Zwar ist der Begriff "Melancholie" auch für LOVE ETERNAL der beste Ausdruck, um den Film mit nur einem Wort zu beschreiben. Doch diese Melancholie entspringt in LOVE ETERNAL nicht dem Gefühl einer allgemeinen Sinnlosigkeit und Vergeblichkeit, sondern entspricht vielmehr dem Geist der Schwarzen Romantik. Ian guckt ähnlich sehnsüchtig in die Welt hinaus, wie die Figuren auf den Gemälden von Caspar David Friedrich. LOVE ETERNAL ist somit auch ein zutiefst europäischer Film, der unter Romantik etwas anderes versteht, als lediglich historische Kulissen aus einer vermeintlich alten Welt in ein ansonsten bonbonbuntes Spektakel einzubauen, wie dies Hollywood gerne tut.

Nekrophilie kommt in dem Film nicht direkt wenig vor. Muldowney deutet nur an, überlässt es jedoch der Vorstellung des Zuschauers, was genau Ian mit den von ihm gewaschenen Frauenleichen in seinem Bett eventuell anstellen mag. Das ist zum einen sicherlich ein Zugeständnis an mögliche Schmerzgrenzen des Publikums und der Zensoren. Andererseits geht es LOVE ETERNAL aber auch nicht um die möglichst explizite Darstellung von Perversionen, sondern um die Vermittlung Ians innerer Todessehnsucht im Sinne einer Sehnsucht nach der Welt der Toten. Der Tod ist Ians lebenslanger Begleiter und er fühlt sich den Toten einfach näher, als den Lebenden. Doch ist auch dieses heimliche Glück nicht von Dauer. Denn schon nach kurzer Zeit werden Ians schöne Leichen fleckig und beginnen zu verwesen.

Love Eternal - Auf ewig dein Bild 1
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FAZIT:

LOVE ETERNAL - AUF EWIG DEIN ist ein hoch atmosphärisches dunkles Drama um die Todessehnsucht und die Sehnsucht nach den Toten des einsamen jungen Mannes Ian. Leider hält der Film sein spektakuläres anfängliches Niveau nicht über seine gesamte Laufzeit durch, sondern wandelt gegen Ende immer mehr auf konventionellen Pfaden.

WERTUNG: 7 von 10 frisch gewaschene Leichen im Bett
TEXT © Gregor Torinus
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