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Machete Maidens Unleashed!

Machete Maidens Unleashed!

DOKUMENTARFILM: AUSTRALIEN, 2010
Regie: Mark Hartley
Darsteller: Carmen Argenziano, Allan Arkush, Alan Birkinshaw, Judith M. Brown, Andrea Cagan, Colleen Camp, Roger Corman, Joe Dante

STORY:

Mark Hartley wirft mit prominenter Unterstützung aus der "Szene" einen amüsanten und informativen Blick auf die Zeit als die Kinos von auf den Philippinen produzierter Billigfilmware überschwemmt wurden.

KRITIK:

Ah, die Philippinen. Welch herrliches Land. Idyllisch im Pazifik gelegenes Archipel Südostasiens. Wie viel Freude hat es mir und anderen schon bereitet? Nicht, dass ich schon jemals dagewesen wäre oder es auch nur vorhätte dort meinen kostbaren – in der Regel in dunklem Zimmer vor der Glotze mit allerlei fieser Sexploitationkost auf der Mattscheibe verbrachten – Urlaub zu verbringen. Aber, dennoch kennt man es, dieses kleine grüne Paradies - kennt seine Landschaften, seine Kultur, seine Leute, seine Frauenlager, Lagunenmonster, geschändete Frauen und fiese Wärter. Sid Haig heißen sie oder Pam Grier, Gloria Hendry und Margaret Markov – unvergessen in FRAUEN IN KETTEN.

Bekannt sind uns Land und Leute, die Philippinen sowie die sie bevölkernden Charaktere, aus zahlreichen (S)exploitationfilmen, die während der filmisch glorreichen 1970er Jahre dort entstanden sind und der der Produktionsschmiede solch findiger und für die Kinowelt wichtiger Protagonisten wie Roger Corman entsprangen. Eddie Romero – nein, nicht der mit den Zombies, newa – schuf dort die wahrscheinlich wichtigsten Werke seiner Karriere – offensichtlich in dem Glauben richtige A-Filme, wahres Kino mit Format, zu erschaffen – und auch Jack Hill startete seine Karriere dort und schuf WiP-Klassiker wie WOMEN IN CAGES oder THE BIG DOLL HOUSE. Werke, wie sie aus dem heutigen Popkulturgut gar nicht mehr wegzudenken wären. Und auch wenn ich – das sollte inzwischen bekannt sein - eher ein Freund der Spanier und Italiener bin, mit ihren Hexploitern und Naziploitern, WiPs und Nonnen, so bin auch ich der Meinung, dass es längst überfällig war, auch dieser Ära des Exploitationfilms, dem philippinischen Exploiter, einmal Tribut zu zollen und seine Spuren filmisch zu verfolgen.

Und genau dies zu tun, schickten sich der australische Dokumentarfilmer Mark Hartley und seine Mannen an. Heraus kam das heutiger Besprechung zu Grunde liegende Werk MACHETE MAIDENS UNLEASHED!. Eine Dokumentation über philippinische Exploiter, die im Prinzip ja doch amerikanische Exploiter sind, bedenkt man, dass ein Großteil der Produktionen von amerikanischen Firmen wie eben Roger Cormans New World Pictures verbrochen … äh, produziert wurden. Auf jenen Werken liegt denn letztlich auch der Schwerpunkt  - was man nicht zum Nachteil deuten darf, denn bei der Masse an filmischen Schund der in den 70ern die Lichtspielhäuser – sprich abgesiffte Kaschemmen mit Projektor und Leinwand – unsicher machten, ist es unmöglich im Detail auf alle einzugehen. Cormans Filmchen zählen jedoch zweifelslos zu den wichtigsten Vertretern und machen es so möglich mit ihnen als Pfeiler ein ganzes Jahrzehnt filmischen Schaffens exemplarisch abzudecken von Romero – once again nicht der Zombietüp – über Jack Hill bis Cirio H. Santiago.

Die Narration folgt dabei in relativer chronologischer Reihenfolge nach Genre geordnet dem roten Faden vom Beginn der großen Sex- und Exploitation-Ära der Philippinen bis zu deren Niedergang – vor allem in Bezug auf die amerikanischen und generell ausländischen Produktionen - gegen Ende der glorreichen 70er. Dabei verknüpft Hartley geschickt Zeitgeschichtliches und Politisches mit dem Kernthema der Dokumentation und zieht so weite informative Kreise um dabei auch die – aus heutiger Sicht betrachtet – durchaus vorhanden sozialkritischen Elemente dieser Filme zu betonen.
Beispielsweise die Tatsache, dass viele der Filme von Revolution handelten und diese auch gerne zum Aufhänger für die sleazigen und exploitativen Eskapaden auf der Leinwand nutzten, während die Philippinen selbst Stück für Stück zu einem diktatorisch unterdrückten Staat wurden.

Da die öffentlichen Stellen jedoch nie die Drehbücher lasen – ja, es gab also wirklich welche – und auch die Dreharbeiten – wie Dreharbeiten nun mal so sind – niemals chronologisch erfolgen, es sei denn ein gewisser Lloyd Kaufman führt Regie, bekamen die Beamten stets nur kleine Ausschnitte des großen Ganzen zu Gesicht, was eine Einordnung der Szenen schwierig bis unmöglich machte. So kamen die Filmemacher jener Zeit mit vielem davon, was man nicht für möglich gehalten hätte. Ähnlich verhielt es sich mit den Ratings der MPAA, die jene Filme entweder gar nicht oder nur nach Durchsicht der Trailer bewertet – und auch in diesem Fall gab es Methoden die Prüfer von einer allzu scharfen Bewertung abzuhalten, wie wir schmunzelnd erfahren dürfen.

Natürlich dürfen auch sie nicht fehlen, all die – mehr oder minder – lustigen und interessanten Anekdoten zu den besprochenen Werken und das sind einige. Von Phillipinos die man für fünf Dollar am Tag verprügeln und durch echte Glasscheiben schmeißen durfte – muss ja schließlich echt aussehen, sowas, nech – über Umkleideräume für die weiblichen Hauptdarsteller, malerisch gelegen in feuchten Höhlen, als Männerklos missbraucht – also, die Höhlen, nicht die Frauen – bis hin zu der Erkenntnis, dass Japan in der heutigen Zeit gar nicht mehr so weit weg ist.

Untermalt wird all dies durch zahlreiche und stets gut gewählte Filmausschnitte. So bekommt man das ein oder andere Mal zum einen entweder ein wohliges „Ah, den Film müsste ich mal wieder schauen“-Gefühl oder den Mund wässrig gemacht und man sieht sich genötigt gleich zu Zettel und Stift zu greifen um mal wieder einen Einkaufszettel zu schreiben – denn ein Großeinkauf beim Schundfilmhändler eures Vertrauens steht danach mit großer Wahrscheinlichkeit an. Es gibt also noch einiges zu entdecken.

Dabei ist es des Films bestes Gimmick und größte Schwäche zugleich, dass durch den Verzicht auf einen Sprecher, also eine durch die Handlung führende Konstante, dadurch dass die Kommentare ausschließlich den Interviews entnommen werden, der Eindruck entsteht, dass man es hier mit einem großen, gewaltigen Grindhouse-Trailer zu tun hat. Das ist insofern ein wirklich schönes Gimmick, als dass Trailer – fast schon eine eigene Kunstsparte – enger mit den Exploitationfilm-Genre verknüpft und wichtiger für jenes sind und waren als das heute im Mainstreamkino der Fall ist. Auf der anderen, negativen Seite macht genau dies es teilweise ein wenig schwierig der Narration aufmerksam zu folgen – denn wer sieht schon gerne einen fast zweieinhalbstündigen Trailer.

Wenn man jedoch bedenkt, dass dies der einzige wahrliche Fauxpas Hartleys ist, kann man sich dennoch getrost zurücklehnen um den Stimmen all jener zu lauschen, die uns allen so viele Stunden amoralischer, abseitiger und grenzwertiger Unterhaltung bescherten.

In diesem Sinne: „A BRUTAL ORGY OF GHASTLY TERROR!“

Machete Maidens Unleashed! Bild 1
Machete Maidens Unleashed! Bild 2
Machete Maidens Unleashed! Bild 3
Machete Maidens Unleashed! Bild 4
Machete Maidens Unleashed! Bild 5
Machete Maidens Unleashed! Bild 6
Machete Maidens Unleashed! Bild 7
Machete Maidens Unleashed! Bild 8
Machete Maidens Unleashed! Bild 9
FAZIT:

Gut, es mag ungewohnt sein und auch ein wenig schwierig, dass MACHETE MAIDENS UNLEASHED! durch seine – für eine Dokumentation – etwas ungewöhnliche Erzählweise fast eher anmutet wie ein eineinhalb stündiger B-Filmtrailer denn eine Dokumentation. Dennoch sind die losgelassenen Macheten schwingenden Mädels durchaus einen Blick wert, vermitteln sie doch kurzweilig und unterhaltsam einen sehr schönen Überblick über die philippinischen (S)exploitation-Exzesse der 1970er Jahre. Neben so eventuell neu zu entdeckenden Filmperlen und Ausschnitten aus durchaus bekannteren Filmen – und es ist ja immer wieder schön, Ausschnitte aus liebgewonnenen Filmklassikern zu sehen – kann man so gleichzeitig sein Wissen über den Abseitigen Film auffrischen oder das ein oder andere Neue lernen. Alles im besten Gewissen, dass es da draußen noch genug andere Menschen gibt, für die Schund nicht zwangsläufig eine negative Konnotation hat.

WERTUNG: 7 von 10 geschändeten Frauen auf der blutigen Insel der Karate-Zwerge from Outer Space.
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