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Margos Spuren

Margos Spuren

OT: Paper Towns
DRAMA/LOVESTORY: USA, 2015
Regie: Jake Schreier
Darsteller: Nat Wolff, Cara Delevingne, Austin Abrams

STORY:

Sie waren beste Freunde. Er, Quentin (Nat Wolff), genannt Q, war natürlich unsterblich verliebt in sie, Margo (Cara Delevingne). Und (natürlich) hatte er nie den Mut, es ihr zu sagen. Er ist der nerdige, grüblerische Typ. Sie ist die Coole von der Schule. Und eines Tages ist sie verschwunden. Q heftet sich an die Spuren, die Margo hinterlassen hat. Es wird ein Trip, der alles verändert.

KRITIK:

Ein Hauch von Stephen King liegt in der Luft, wenn Quentin und seine Freundin Margo gleich in den ersten Filmminuten eine Leiche finden. "Ich dachte immer, Tote haben die Augen geschlossen", lautet Margis lapidarer Kommentar.
Später wird der Film die Tonart und das Genre noch mehrmals wechseln. Wobei ich persönlich die detektivische Rätselrally in der ersten Filmhälfte gerne zu Gunsten des Drama-Parts am Ende abgekürzt hätte.

Auf der Kinoprogramm-Website skip.at wird "Margos Spuren" unter der Kategorie Lovestory/Mystery geführt. Das stimmt schon so. Das Übersinnliche wird dankenswerterweise nicht bemüht - obwohl Autor John Green ("Das Schicksal ist ein mieser Verräter") vergleichende Religionswissenschaft studiert hat und eigentlich Pastor werden wollte.

John Green, der einen sensationell erfolgreichen Videoblog auf YouTube betreibt und längst als Spokesman seiner Generation gilt (obwohl er gut 20 Jahre älter ist als sein Zielpublikum), nähert sich seinen Figuren ohne jeden Zynismus, ohne falsche Ironie, immer auf Augenhöhe und voller Empathie für seine gefühlsduselgepeinigten jungen Protagonisten. Oder, wie es ein Literaturkritiker schöner ausdrückt als ich es je könnte: "Spürte man nicht in jeder Szene, in jedem Dialog eine große Liebe zu seinen jugendlichen Helden und ein tiefes Mitgefühl mit ihnen, dann würde er es nicht schaffen, uns abwechselnd zum Lachen, Weinen und Nachdenken zu bringen. Und genau das gelingt ihm. Was mehr kann man von einem Roman verlangen?" (Wikipedia).

Wie es sich für ein ernst zu nehmendes Coming of Age-Drama gehört, wird das jugendliche Emotionsspektrum zwischen hormonbedinger Verwirrung, Euphorie und (nicht klinischer) Depression lückenlos abgedeckt. Begleitet von einem geschmackvollen (ich schreibe absichtlich nicht "hippen") Soundtrack (u.a. Twin Shadow, Santigold, The War on Drugs) erzeugt der Film genau diese eigentümliche, schwer zu beschreibende Stimmung zwischen Euphorie und Melancholie, auf die man sich einfach einlassen muss.

Ein paar halblustige Körperflüssigkeiten-Witze fallen nicht weiter ins Gewicht, zumal sich das Drehbuch sichtlich um Aufrichtigkeit im Umgang mit juvenilen Emotionen bemüht. Ja, ich höre euch schon lästern, dass ich etwas Ähnliches schon bei TWILIGHT geschrieben habe. Und wißt ihr was: Ich stehe immer noch dazu. Wobei PAPER TOWNS natürlich der um Längen "erwachsenere" Film ist - sofern das im "Young Adult"-Bereich ein Kriterium ist.

Alte Nörgler, Zyniker und Besserwisser könnten noch monieren, dass Margos Figur ein stereotypes "Manic Pixie Dream Girl" wäre. Also laut Wikipedia eine jener "quirligen, seichten cinematischen Charaktere, die ausschließlich in den erregten Vorstellungswelten von sensiblen Autoren/Regisseuren existiert, um grüblerischen, schwermütigen jungen Männern zu helfen, das Leben und seine unendlichen Abenteuer und Geheimnisse zu entdecken." Siehe auch Christina Ricci in Buffalo '66. Natalie Portman in Garden State. Oder Zooey Deschanel in 500 Days of Summer.

Zugebenen, ganz falsch ist das natürlich nicht. Aber andererseits: Wer genannte Filme in positiver Erinnerung hat, wird auch PAPER TOWNS mögen. Und ehrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, dass auch nur eine von den vielen jungen Frauen - ich war an diesem Samstag Abend tatsächlich der einzige Mann im ziemlich gut gefüllten Kinosaal - mit solchen Überlegungen in so einen Film geht.

Margos Spuren Bild 1
Margos Spuren Bild 2
Margos Spuren Bild 3
Margos Spuren Bild 4
Margos Spuren Bild 5
FAZIT:

Young Adult-Bestsellerverfilmung mit Model in der Hauptrolle. Hört sich möglicherweise gruselig an, ist es aber ganz und gar nicht. Eine ausgesprochen erfreuliche, filmisch sehr hübsch umgesetzte juvenile Lovestory, die allerlei Genre-Grenzen sprengt und gar nicht so blöde Lebensweisheiten parat hält. Eindeutig mehr als nur ein "netter" Sommerfilm zwischendurch.

WERTUNG: 7 von 10 tote Fische
Dein Kommentar >>
Johannes | 11.08.2015 12:12
Harald, du wirst auf deine alten Tage echt weich... :P
Harald | 11.08.2015 12:48
Junger Kollegah, sei nicht so hart zu mir. Dir ist
auch schon die eine oder andere romantische Komödie
in dein beeindruckendes Frauengefängnis- und Pinku
eiga-Rezensions-Oeuvre gerutscht.
Johannes | 11.08.2015 13:19
Touché, Cheffe, touché.^^
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