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Mein bester Feind

Mein bester Feind

KOMöDIE (?): D/AUT/CH, 2010
Regie: Wolfgang Murnberger
Darsteller: Moritz Bleibtreu, Georg Friedrich, Ursula Strauß

STORY:

Rudi Smekal (Friedrich) und Victor Kaufmann (Bleibtreu) sind seit Kindertagen gute Freunde und zusammen aufgewachsen. Blöd nur, dass wir die 30er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts schreiben und Victor Jude ist. Noch blöder, dass Smekal, obwohl er nichts gegen die Kaufmanns hat, doch mit der SS sympathisiert und sich durch seine Mitgliedschaft gesellschaftliches Vorankommen verspricht. Überhaupt unangenehm wird es, als eine Michelangelo-Zeichnung, die sich im geheimen Besitz der Familie Kaufmann befindet, zur Staatsaffäre mutiert. Victor ist natürlich nicht blöd und stellt Bedingungen für ihre Herausgabe. Und als ihr Flugzeug von Partisanen abgeschossen wird, tauscht er gar die Rolle und schlüpft in Rudis Identität. Jetzt wird es aber wirklich verzwickt.

KRITIK:

Ich weiß, ich weiß, die besten Filme sind jene, deren Inhalt man in einem Satz zusammenfassen kann. Also bitte: KZ-Häftling schlüpft in Rolle von SS-Offizier und gibt diesen fortan als seinen Gefangenen aus. Der Film ist also bei weitem nicht so kompliziert wie ich ihn vielleicht beschrieben habe, aber ich finde der Inhalt verdient schon ein wenig durchleuchtet zu werden, weil er (zumindest bei mir) Lust auf mehr gemacht hat.

Der österreichische Regisseur Wolfgang Murnberger durfte sich nach seinen künstlerisch wie kommerziell erfolgreichen Brenner-Filmen sicher ein Herzensprojekt aussuchen und das sieht man "Mein bester Feind" auch an. Die Adaption des Romans "Wie es Victor Kaufmann gelang, Adolf Hitler doch noch zu überleben" ist ein erstaunlich (obwohl mich Murnberger eigentlich noch nie enttäuscht hat) guter Film geworden, wenn er auch ein ganz schönes Wagnis ist.

Holocaust-Puristen werden mit dem lockerflockigen Ton und der etwas verharmlosenden Darstellung wohl ihre Probleme haben, denn Moritz Bleibtreu, der wahrscheinlich sauer war, dass er bei Inglorious Basterds nicht dabei sein durfte und hier seine Chance gekommen sah, das wieder gutzumachen, wirkt in diesem Film erstaunlich gut genährt für einen KZ-Häftling. Seinen Wohlstandsbauchansatz und sein Doppelkinn behält er die ganze Laufzeit über, seinen Alltag im KZ kriegt man nicht einmal angedeutet.

Aber darum geht es im Grunde auch überhaupt nicht. Es geht auf der einen Seite um das interessante Gedankenspiel, wie es für einen KZ-Häftling, das wäre der Bleibtreu, wäre, die Rollen tauschen zu können. Es geht auf der anderen Seite darum, einen durchschnittlichen Österreicher, der grandiose Georg Friedrich - wer sonst - zu zeigen, der Mitglied der Todesmaschinerie wird und trotzdem nicht zum oberflächlichen Bösewicht verkommt, sondern ganz im Gegenteil, eigentlich eine erstaunlich komplexe Charakterzeichnung verpasst bekommt.

Mein bester Feind ist eine absurde Tragikkomödie, ohne jedoch jemals in seichte Gewässer abzurutschen oder billige Scherze zu drücken. UND: Mein bester Feind ist auch ganz schön spannend, so als Katz und Maus Spiel, wo Katze und Maus ihre Rollen zwischendurch mal wechseln. Also wer den lockeren Ton dieses "Abenteuers" vor schrecklichem geschichtlichen Hintergund verzeihen kann, der hat jetzt die Möglichkeit dies auf DVD nachzuholen, die mit viel Bonusmaterial bei der Edition Filmladen erschienen ist. Im Kino hat sich das ja wiedermal keiner angeschaut.

Mein bester Feind Bild 1
Mein bester Feind Bild 2
Mein bester Feind Bild 3
Mein bester Feind Bild 4
Mein bester Feind Bild 5
FAZIT:

Wolfgang Murnbergers absurde Holocaust-Tragikkomödie Mein bester Feind ist ein erstaunlich guter Film geworden. Ein subtiler komödiantischer Unterton trifft auf eine spannende Abenteuergeschichte vor dem Hintergrund des Dritten Reichs. Filme über dieses Thema auf solche Art zu inszenieren ist und bleibt eine Seltenheit in den deutschen Landen. Sehr empfehlenswert!

WERTUNG: 8 von 10 Bilder
TEXT © Ralph Zlabinger
Dein Kommentar >>
Ralph | 14.11.2011 16:29
SMS, die mir ein Freund geschickt hat:

"Alter, wie schlecht war dieser Murnberger Film, Oida. Vier von Fünf, Oida? Danke für den Tipp du Ratingagentur."

Bähhh, mir hat er trotzdem gefallen. ;-)
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