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Metallica - Through the Never

Metallica - Through the Never

KONZERT-/FANTASYFILM BATTERY: USA, 2013
Regie: Nimród Antal
Darsteller: Dane DeHaan, Kirk Hammett, James Hetfield, Robert Trujillo, Lars Ulrich

STORY:

Nachwuchsroadie Trip möchte eigentlich nur das lang ersehnte Metallica Konzert genießen. Als er jedoch losgeschickt wird, um wichtiges Equipment aus einem liegengebliebenen LKW zu besorgen, stehen ihm apokalyptische Szenarien bevor, die seinem Namen alle Ehre machen. So erlebt er das größte Metal-Konzert aller Zeiten auf eine etwas andere Art ...

KRITIK:

Ein düsterer Reiter taucht auf - eine apokalyptische Gestalt, in eine Gasmaske gehüllt und mit einem Hammer bewaffnet. Ich denke mir: "Scheiße, den Typ kenne ich doch", und plötzlich bin ich flashbackartig in meine Kindheit zurückversetzt. Anno 1992, ich betrete die örtliche Volksschule, ein kleiner Metallica-Aufnäher ziert meinen schwarzen Pullover, Fight Fire with Fire dröhnt aus meinen Kopfhörern und dann steht dieser Typ vor mir - eine grausige Gestalt. Plötzlich bin ich wieder im dunklen Saal, ich kann weder meine Füße, noch meine Hände, und schon gar nicht meinen Kopf ruhig halten - das ist mir im Kino wohl noch nie passiert.

Warum erzähle ich Euch das? Nun, Ihr werdet in den unendlichen Weiten des www auf diverse Kritiken stoßen, die METALLICA - THROUGH THE NEVER eine unschlüssige bis fehlende Handlung attestieren. Anderen wiederum fehlt die "Kinorevolution". Aber Leute, jetzt mal ehrlich, ich sehe mir doch keinen Metallica-Film an, um dramaturgisch hochwertiges Kino oder Unterhaltung für die ganze Familie zu erleben. Ich gehe in einen solchen Film, um eine der bekanntesten und besten Metalbands in Aktion zu sehen - Nothing Else Matters!

Und verdammt, genau das liefert METALLICA - THROUGH THE NEVER! Wie gesagt, ich konnte die ganzen 93 Minuten nicht eine Sekunde still sitzen. Schon beim Intro (The Ecstasy of Gold von Ennio Morricone) wird klar, hier kommt was Krasses auf einen zu. Wenn dann die ersten Akkorde von Creeping Death einsetzen und man die gewaltige Bühne zu Gesicht bekommt, ist man mitten drin im Metallica-Wahnsinn. Auch - und das sei hier ausdrücklich erwähnt - dank 3D! Bei METALLICA - THROUGH THE NEVER mag es sich um keine Kinorevolution handeln, eine Konzertfilmrevolution ist er für mich aber allemal. 24 Kameras fangen jeden Quadratzentimeter der sechs Meter angen und 18 Meter breiten 360°-Bühne ein und machen die eigens für den Film abgehaltenen Shows auch für das Kinopublikum zum absoluten Konzerthighlight. Insbesondere die beeindruckenden Aufnahmen der Flightcam präsentieren Bilder, die man so garantiert noch nicht gesehen hat.

Anspruch auf eine durchwegs schlüssige Story sollte der Film natürlich keinen stellen. Die Handlungsstränge als sinnlos und schlecht inszeniert zu identifizieren, halte ich aber für mehr als nur verwegen. Erstens lockern diese den Konzertfilm auf und fungieren als eine Art narratives Musikvideo. Zweitens wurde mit Dane DeHaan (Trip) ein ausdrucksstarker Darsteller gefunden, der seiner Figur auch ohne Worte die notwendigen Konturen verleiht und den man gerne agieren sieht. Drittens wird die Intensität vieler Songs durch die Rahmenhandlung noch verstärkt. Viertens wird dem Publikum durch die surrealen Spielfilmelemente die Möglichkeit gegeben sich zu erinnern und/oder zu fantasieren. Beides liegt nämlich gar nicht so weit auseinander.

Was mich wieder zur grausigen Gestalt aus meiner Kindheit bringt. Es handelte sich hierbei weniger um einen apokalyptischen Reiter, als vielmehr um meinen damaligen Direktor, der es gar nicht witzig fand, dass ich als Neunjähriger mit einem Totenschädel am Gewand und Metal im Ohr durch die Aula schlenderte. Also wurde meine in die Schule zitierte Mutter darauf aufmerksam gemacht, dass ich wohl über ein erhöhtes Aggressionspotential verfügen und somit einen schlechten Einfluss auf meine Mitschüler ausüben müsse. Argumentationslose Kritikpunkte, die genauso wie eine schlechte Bewertung von METALLICA - THROUGH THE NEVER, einfach nicht gerechtfertigt waren und sind.

...And Justice for All

Metallica - Through the Never Bild 1
Metallica - Through the Never Bild 2
Metallica - Through the Never Bild 3
Metallica - Through the Never Bild 4
Metallica - Through the Never Bild 5
Metallica - Through the Never Bild 6
Metallica - Through the Never Bild 7
FAZIT:

An alle, die gerne eine handlungsbeladene, eloquente, schlüssige Kinorevolution erleben und dabei 90 min stillsitzen möchten: "Bleibt zuhause!" Aber an all diejenigen, die auf harte Riffs und krasse Bilder stehen, die nicht nachdenken sondern fantasieren wollen und die bei Metallica einfach headbangen müssen: "Worauf wartet ihr? Ab ins Kino!" Enter Sandman

 

WERTUNG: 9 von 10 Masters of Puppets
Dein Kommentar >>
Harald | 18.10.2013 12:54
Yeah! Super Film, tolle Besprechung. Ich durfte
damals zwar keinen Totenkopf tragen, aber dafür hab
ich das KISS-Logo - und zwar das Böse mit den blöden
SS-Runen - in den Schultisch graviert.
Entgegen allen Befürchtungen seitens der
Lehrerschaft ist aus mir aber trotzdem kein Nazi
geworden, sondern eher das Gegenteil ... :)
In diesem Sinne: Open Mind for a Different View!
Chris | 19.10.2013 01:30
Ich hatte damals in der 5. Klasse Realschule einen Ride the
Lightning-Rückenaufnäher, der aber bald dem "Hell awaits"-
Backpatch von Slayer weichen musste. Welcher dann die Kutte
zierte, bis sie außer Dienst gestellt wurde. Für die Alben, die sie
inklusive der "And Justice for all" gemacht haben, bin ich ihnen
heute noch dankbar.
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