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Michael Kohlhaas

Michael Kohlhaas

HISTORIENFILM, LITERATURVERFILMUNG: Frankreich, 2013
Regie: Arnaud des Pallières
Darsteller: Mads Mikkelsen, David Cross, Bruno Ganz, Roxane Duran, David Bennent

STORY:

Michael Kohlhaas (Mads Mikkelsen), ein einfacher Pferdehändler, wird auf dem Weg zum Verkauf seiner Tiere beim Passieren einer Brücke aufgehalten und nach einem Passierschein gefragt. Da dies bisher nie notwendig war, besitzt Kohlhaas einen solchen nicht und muss zwei Rappen als Pfand zurücklassen. Als er seine Tiere später auslösen will, findet er sie in miserablem Zustand vor. Sein Knecht Cäsar (David Bennent), den er zur Aufsicht der Tiere zurückließ, wurde brutal zusammengeschlagen. Obwohl ihm davon abgeraten wird, strebt Kohlhaas eine Klage an. Diese wird abgelehnt, da der für das Unrecht verantwortliche Baron (Swann Arlaud) seine Beziehungen bei Hof spielen lässt. Als sich Kohlhaas' Frau Judith (Delphine Chuillot) bei der Prinzessin für seine Sache einsetzen will, wird sie tödlich verletzt. Ohnmächtig vor Zorn bringt Kohlhaas seine einzige Tochter in Sicherheit und zieht mit einer immer größer werdenden Streitmacht in einen blutigen Krieg gegen die Obrigkeit.

KRITIK:

Geschätzte Filmtipps-Leser. Ich möchte euch heute mal einen Historienfilm ans Herz legen. Ihr wisst schon: Mittelalter, Pferde, martialische Reiter, Schwertkämpfe. Wobei... wirklich actionlastig ist der Film ja nicht. Ehrlich gesagt gibt es so gut wie gar keine Action. Und auch nur wenig Dialog. Schmissiger Soundtrack wenigstens? Leider nein (bis auf die Schlusssequenz). Flotte Inszenierung, knackiger Schnitt, ausgefeilter Spannungsbogen? Fehlanzeige. Michael Kohlhaas ist ein Film, der sich mit gletscherartiger Langsamkeit und Beharrlichkeit entfaltet.

Doch denjenigen unter euch, die jetzt noch weiterlesen, darf ich mitteilen: dieser Film ist großartig, visuell atemberaubend und emotional ungemein berührend. Wenn man sich denn auf ihn einlässt. Denn lange Einstellungen, die mehrere Minuten Nahaufnahmen und Landschaftsbilder von überwältigender Schönheit zeigen und ganz ohne Dialog auskommen, werden die Geduld von Filmfreunden mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne arg strapazieren, letztendlich liegt jedoch genau darin die besondere Stärke des Films. Denn nicht die Aktionen, die Belagerungen und Schlachten stehen hier im Fokus, sondern das langsame Heraufziehen einer Katastrophe, die das Schicksal der Hauptfigur ein für alle Mal besiegelt. Schritt für Schritt läuft der von seinem bedingungslosen Anspruch auf Gerechtigkeit fehlgeleitete Kohlhaas in den sicheren Untergang.

Der innere Zustand und die zunehmende Verbitterung des an sich beherrschten und rationalen Protagonisten erschließt sich dem Zuseher dabei nicht primär in Dialogen, sondern vielmehr über kleine Gesten und Nuancen in seiner Mimik, seinen Blicken. Mads Mikkelsen (Casino Royale, Valhalla Rising) liefert eine Bravourvorstellung seiner Schauspielkunst. Die Kamera ist ständig bei ihm, oft ganz nah an seinem Gesicht, das streckenweise fast allein den Film bestreitet: wir sehen jede Gefühlsregung, jede kleinste Veränderungen in seinem Ausdruck. Die unglaubliche physische Präsenz des Dänen macht den dialogarmen Film erst möglich und füllt ihn mit Leben. Wir leiden mit diesem Mann und können irgendwann nachvollziehen, wie die abgewiesene Klage über zwei geschundene Tiere nach und nach zum Wunsch nach Selbstjustiz führt, der in einem Rachefeldzug kulminiert, dessen Mittel immer brutaler werden und der Schuldige wie Unschuldige gleichermaßen verschlingt.

Neben den eindrucksvollen Außenaufnahmen, gedreht wurde in den Cevennen in Südfrankreich, trägt vor allem auch die ausgefeilte Soundkulisse zur dichten Atmosphäre des Films bei: omnipräsente, bedrohliche Trommeln vermischen sich mit dem Zischen der Pfeile, dem Geklirr der Schwerter, dem Wiehern der Pferde und immer wieder rauscht der Wind durch die offene, weite Landschaft. Es ist ein Film für den Genießer mit viel Zeit und Geduld, der sich ganz in das audiovisuelle Gesamterlebnis versenken und sich durchaus zeitweilig darin verlieren kann.

Und wenn man aufwacht, ist alles vorbei, auch für Kohlhaas, der am Ende das bekommt, was er verlangt hat, in einer finalen Szene, die einem ob ihrer emotionalen Wucht die Kehle zuschnürt.

Michael Kohlhaas Bild 1
Michael Kohlhaas Bild 2
Michael Kohlhaas Bild 3
Michael Kohlhaas Bild 4
Michael Kohlhaas Bild 5
FAZIT:

Mit einem bescheidenen Budget von lediglich fünf Millionen hat Regisseur Arnaud des Palliéres den Literaturklassiker Heinrich von Kleists von Deutschland nach Frankreich übertragen und in eine absolut sehenswerte und fesselnde kinematografische Form gebracht. Michael Kohlhaas ist ein minimalistischer Film, der weniger durch das narrative Element als vielmehr über das audiovisuelle Erleben und durch das intensive Spiel seines Hauptdarsteller funktioniert.

Michael Kohlhaas - ein Mann gegen die Welt!

WERTUNG: 8 von 10 schwarzen Wolken am Horizont
TEXT © Monezza
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