FILMTIPPS.at - Die Fundgrube für außergewöhnliche Filme

www.filmtipps.at
GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
N. Took the Dice

N. Took the Dice

OT: N. a pris les dés...
DRAMA/MYSTERY/EXPERIMENTALFILM: Frankreich, 1971
Regie: Alain Robbe-Grillet
Darsteller: Sylvain Corthay, Catherine Jourdan, Pierre Zimmer, Richard Leduc

STORY:

N. lässt die Würfel rollen...

KRITIK:

... und das Ergebnis sieht stark danach aus, als ob man Alain Robbe-Grillets (TRANS-EUROP-EXPRESS, LA BELLE CAPTIVE) Mystery-Drama EDEN AND AFTER einmal radikal zerschnitten, wild durch die Luft gewirbelt und anschließend vollkommen willkürlich neu zusammengesetzt hätte. Hatte dem Autor des Drehbuchs zu LETZTES JAHR IN MARIENBAD (1961) sein erster Farbfilm am Ende wider Erwarten (er wollte zuerst keine Farbfilme drehen, da ihm die Farbe Grün im Film missfiel...) doch so gut gefallen, dass er sein bereits abgedrehtes Material gleich noch einmal verwenden wollte?

Ganz so einfach ist die Sache wohl doch nicht. Denn bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass EDEN AND AFTER und N. TOOK THE DICE zwar sicherlich parallel gedreht wurden. - Die verschiedenen Settings und Schauspieler sind fast alle die selben und selbst ein Großteil der einzelnen Szenen kommt in beiden Filmen vor. - Doch es zeigt sich auch, dass sich tatsächlich nur die wenigsten Einstellungen eins zu eins wiederholen. N. TOOK THE DICE ist tatsächlich eine Variation von EDEN AND AFTER, verändert jedoch nicht nur die Abfolge der einzelnen Sequenzen, sondern zeigt viele in leicht veränderten Blickwinkeln, ergänzt sie und fügt vollkommen neue Szenen hinzu. Das Ergebnis ist somit sehr ähnlich und zugleich vollkommen anders. Doch wer braucht eigentlich diesen Film?

N. A PRIS LES DÉS... ist ein Anagramm von L´ÉDEN ET APRÈS, ist ein Doppelgänger und eine Variation eines Filmes, der bereits in sich gedoppelt und variiert war. Alain Robbe-Grillet treibt seine im Nouveau Roman ("Der Augenzeuge") entwickelte formelle Methode auf die Spitze, indem er diesen zweiten Film schuf, der gleich und zugleich doch nicht gleich wie EDEN AND AFTER ist. N. TOOK THE DICE ist dabei noch sperriger und zugleich weniger berauschend, als EDEN AND AFTER. Der Film vermischt die beiden zuvor weitestgehend getrennten Teile des Vorgängers zu einer neuen Einheit, die formal somit homogener, inhaltlich jedoch noch rätselhafter ist. Der Film ist eine sehr interessante intellektuelle Übung, die einen jedoch nicht ganz für sich einnehmen kann.

N. Took the Dice Bild 1
N. Took the Dice Bild 2
N. Took the Dice Bild 3
FAZIT:

Alain Robbe-Grillets Mystery-Experimentalfilm N. A PRIS LES DÉS... ist von seinem Titel her das Anagramm und auch inhaltlich eine Variation seines Vorgängers L´ÉDEN ET APRÈS. Für Anhänger des Autors von LETZTES JAHR IN MARIENBAD ist auch dieser Film ein klarer Pflichtkauf. Für Freunde verquerer Filmkunst ist er auf jeden Fall ebenfalls einen Blick wert. Alle anderen werden wahrscheinlich spätestens nach zehn Minuten tödlich gelangweilt den Player ausschalten.

WERTUNG: 7 von 10 variantenreiche Würfelspiele
TEXT © Gregor Torinus
Dein Kommentar >>


Suche

Suche


Schenk uns deine Liebe auf Facebook.