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Nachtblende

Nachtblende

OT: L' Important c'est d'aimer
DRAMA: F, 1975
Regie: Andrzej Zulawski
Darsteller: Romy Schneider, Klaus Kinski, Fabio Testi, Jacques Dutronc

STORY:

Die junge Schauspielerin Nadine Chevalier (Romy Schneider) vergeudet ihr Talent bei entwürdigenden Porno-Drehs. Der Fotograph Servais (Fabio Testi) schießt heimlich Paparazzi-Fotos von ihr - und verliebt sich augenblicklich in die unnahbare Künstlerin. Obwohl selbst in einer lust- und lieblosen Beziehungshölle gefangen, hält Nadine ihren Verehrer auf Distanz. Doch Servais gibt nicht auf, stellt ihr nach, verfolgt sie. Schließlich kommt er auf die Idee, ein Theaterstück mit Nadine in der Hauptrolle zu finanzieren - mit Mafia-Geld. Doch das Stück floppt, die Mafia will ihr Geld zurück, und die Tragödie nimmt ihren Lauf...

KRITIK:

Ein klassischer Skandalfilm, inszeniert von "Monster-Regisseur" (Zitat Kinohit) Andrzej Zulawski, den die Zensurbehörden seiner Heimat Polen in die Emigration nach Frankreich trieben.

Besetzt mit gleich zwei ikonenhaften, mythenumrankten Schauspieler-Legenden. Eine Geschichte, die um unerwiderte Liebe, Obsessionen, Sex und Tod kreist. Um die Essenz des Kinos, sozusagen. Was kann da schief gehen?

Nichts. Oder alles, das ist lediglich Ansichtssache. So leid es mir tut, aber mich hat NACHTBLENDE über nicht unbeträchtliche Strecken vor allem eines: gelangweilt. Obwohl der Film selbstverständlich seine Qualitäten hat: Die barocke Ausstattung. Die durchkomponierten Kino-Bilder. Und natürlich: Die Schauspieler.

NACHTBLENDE gilt als der Film, mit dem sich Romy Schneider endgültig vom ihr so verhassten Sissy-Image freispielen konnte. Alle Darsteller geben ihr bestes: Es wird viel leinwandgerecht geweint, geschrieen und gelitten, mitunter auch mit forciertem Körpereinsatz, für den sich hauptsächlich der italienische B-Movie-Star Fabio Testi verantwortlich zeigt. Und Klaus Kinski lässt wie immer den Maniac raushängen. So weit, so schön.

Mein Problem mit NACHTBLENDE (und mit den meisten französischen Kunstfilm-Hervorbringungen dieser Zeit, sofern sie sich in meinen DVD-Player verirren) ist ein anderes: Die Sprache. Diese klassische, bourgeoise, elegante, schöne und zugleich so spröde, lebensferne Theatersprache. Sie baut eine Barriere zwischen mir und den Film-Figuren auf, verhindert, dass ich emotional in die Figuren reinkippe.

Und in NACHTBLENDE wird extrem viel gesprochen. "Na und?", höre ich die Auskenner in Sachen französischem Kunstfilm sagen: "Das gehört sich so." Zudem bediene sich der Film einer Vielzahl an gängigen Motiven aus der französischen Literatur, wie mir eine Auskennerin in Sachen geschriebenes Wort zuflüstert.

Schön und gut. "Nachtblende" ist ein Skandalfilm. Brutal, nackt, obsessiv und intensiv. Ein Filmgenuss der komplizierteren Art.". Schrieb die Website mitternachtskino.de. Und mitternachtskino.de hat immer recht.

Trotzdem möchte ich anmerken, dass andere "Skandalfilme" dieser Ära, wir denken jetzt an DAS GROSSE FRESSEN oder DER LETZTE TANGO IN PARIS, sich in Sachen Tabubruch viel weiter aus dem Fenster lehnten als dieses "halluzinatorische Drama" (noch mal Zitat mitternachtskino.de).

Nachtblende Bild 1
Nachtblende Bild 2
Nachtblende Bild 3
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Nachtblende Bild 5
FAZIT:

Klarer Fall von Filmkonsum aus Allgemeinbildungs-Gründen: Als Österreicher sollte man zumindest einmal einen Romy Schneider-Film gesehen haben - und zwar NICHT den mit der blöden jungen Kaiserin, den man von Feuerland bis China kennt.
Leider hält der angebliche "Skandalfilm" NACHTBLENDE des polnischen Regie-Provokateurs Andrzej Zulawski nicht ganz, was er verspricht. Trotzdem natürlich eine Empfehlung für frankophile (=geduldige ;-)) Kunstfilmfreunde mit gesundem Interesse an den wesentlichen Dingen des Kinos: Liebe, Sex und Tod. Amen.

WERTUNG: 6 von 10 Pornofotos
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Dein Kommentar >>
uncut71 | 06.06.2013 19:37
Ich liebe diesen Film und finde ihn einfach ganz grosses
Kino
>> antworten
Patrasch | 26.12.2008 23:32
Unvergessen bleibt Klaus Kinski daumenlutschend im Schoß der nackten Frau...
>> antworten


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