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Nachtratten

Nachtratten

OT: Vice Squad
ACTION: USA, 1982
Regie: Gary Sherman
Darsteller: Wings Hauser, Season Hubley, Gary Swanson

STORY:

Zuhälter Ramrod hat Ärger mit einer seiner besten Stuten im Stall. Er übertreibt die obligatorische Bestrafungsaktion leider etwas und seine "Angestellte" überlebt die Tortur mit dem "Pimpstock" nicht. Ihre Kollegin Princess, die den Vertretern des Gesetzes sonst gern den Stinkefinger zeigt, lässt sich dazu überreden, Ramrod eine Falle zu stellen. Mit fatalen Folgen...

KRITIK:

NACHTRATTEN, das 1982er Oeuvre von Regisseur Gary Sherman ("Raw Meat", "Dead & Buried") ist ein sleaziges, brutales und oft die Grenze zum Trash überschreitendes Kleinod von einem Copfilm. Bei uns unverdientermaßen kaum bekannt, qualifiziert er sich für viel mehr als nur eine Fußnote im Katalog der Bullenfilme der Siebziger und Frühachtziger.

Das Hauptverdienst dafür liegt in einer einzigen Darstellerleistung begründet: Wings Hauser, ansonsten eher bekannt aus Filmen, die die große Leinwand nie erblickten, sondern direkt im Videoregal landeten und dort nicht selten auch verstaubten, liefert hier eine Psychopathenvorstellung ab, die ihresgleichen sucht. Als völlig durchgeknallter Cowboy-Lude Ramrod ohne Gewissen, Gefühl oder auch nur einen Hauch von Moral, prügelt, schlitzt und schießt er sich durch die nächtlichen, neongefluteten Rotlichtviertel des L.A. der frühen Achtziger, deren Lokalkolorit und grindig-schmuddelige Atmosphäre vom Kubrick-erprobten Kameramann John Alcott (Shining, Clockwork Orange) so perfekt eingefangen wurde, dass man meint, die brennenden Mülltonnen und Abfälle in der Straßenrinne förmlich riechen zu können.

Ramrod macht keine Gefangenen und seine Opfer sind meist Frauen, doch auch vor einer kleinen Kastration im Vorübergehen macht diese Country-and-Western-Dampfwalze nicht Halt. Ohne Übertreibung ist Hausers dämonisch-cholerischer Ramrod einer der erinnerungswürdigsten Bösewichte der jüngeren Filmgeschichte und mit Sicherheit der Zenith seiner durchwachsenen Darstellerkarriere.

Die Story ist simpel und schnörkellos, und somit ganz der Tradition des 80er-Action-Kinos verpflichtet. Als Ramrod die Kollegin und beste Freundin von Princess (solide: Season Hubley) zu Tode quält, geht diese auf den Vorschlag des hartgesottenen Detective Walsh (Gary Swanson im Steve-McQueen-Modus) ein, Ramrod eine Falle zu stellen. Das Unterfangen verläuft nach Plan, wird jedoch durch die wohl stümperhafteste Gefangenenüberführung EVER ad absurdum geführt.

Die beiden Assis von Walsh werden beauftragt, den verhafteten Ramrod in den Knast zu karren. Der eine fährt, lockere Scherzchen schwingend, mit einer Hand am Lenkrad, sein Kollege lümmelt lässig neben dem nur mit Handschellen gefesselten Ramrod - der sich wohlgemerkt schon bei der Verhaftung wie ein Berserker aufgeführt hat - auf dem Rücksitz des dekadenüblichen Straßenkreuzers. Kurz darauf hat besagter Kollege eine massiv eingetretene Nase und muss den Rest des Films mit dick verklebtem Gesicht bestreiten. Ramrod seinerseits kann entkommen und hat nur noch ein Ziel: Rache an der Princess, die ihn verpfiffen hat. Die Brutalitäten die er bei seiner Suche nach allen Seiten austeilt, führen dazu, dass ihm in kürzester Zeit die Bullen von halb L.A. im Nacken sitzen.

Der Film legt von Anfang an ein flottes Tempo vor, und wird nur manchmal durch kleine Einlagen ausgebremst, die wenig - dafür aber total deplazierte - Komik in den ansonsten recht straighten Film bringen. Die zwei Idiotencops sind noch annehmbar, aber vor allem der "Kung-Fu-Greis" und die Pseudo-Nekrophilie-Szene hätte man sich getrost sparen können.

Ansonsten aber herrscht Realismus pur. Der Film gibt ein authentisches Bild des Straßenstrichs jener Zeit, und auch verbal nehmen sich die Ladys kein Blatt vor den Mund. In aller Breite wird da über die bevorzugten Sexpraktiken der Freier diskutiert und das Jahre vor "Sex and the City". Der Film hat übrigens noch an anderer Stelle ein Vorreiterstatus, markiert er doch den ersten Einsatz des erst durch Clint-Eastwood legendär gewordenen Spruch "Go ahead - Make my day", natürlich nur im Original.

Regisseur Sherman ist ein Meister des Spannungsaufbaus, er wechselt ständig zwischen den drei Protagonisten Ramrod, Walsh und der Princess hin und her, aber so, dass der Zuseher immer die notwendigen Informationen erhält und nägelkauend auf der Sofakante klebt, dem unvermeidlichen Showdown entgegenfiebernd.

Und wenn der dann losbricht, ist man wirklich bemüßigt aus dem Sofa heraus die Good Guys mit einem inbrünstigen "Gebt's dem Drecksack" nach besten Kräften zu unterstützen.

Nachtratten Bild 1
Nachtratten Bild 2
Nachtratten Bild 3
Nachtratten Bild 4
Nachtratten Bild 5
FAZIT:

NACHTRATTEN ist ein sauspannender, keine Gefangenen machender und ziemlich garstiger Crimeflick, der - wäre das ganze setting nicht so uramerikanisch - einem poliziesco zu aller Ehre gereichen würde. Und Ramrod rules! Wie heissts so schön: ”He’ll scare the living shit out of you".

WERTUNG: 7 von 10 zweckentfremdete Drahtkleiderbügel
TEXT © Monezza
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